Archäologische Feldmethode

Autor: Georg Theodor Schwarz

Kategorie: Monographien

Verlag: Ott Verlag

Schwierigkeitsgrad: Anfänger

Erster Eindruck

Interessant und lehrreich aber in einiger Hinsicht überholt.

 

Beschreibung

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um eine Einführung in die archäologische Feldarbeit von G. T. Schwarz mit dem Titel „Archäologische Feldmethode. Anleitung für Heimatforscher, Sammler und angehende Archäologen“. Die Monographie wurde 1967 im Ott Verlag Thun und München veröffentlicht. Sie umfasst 220 Seiten mit 30 schwarz-weißen Abbildungen im Text und hat zusätzlich 12 weitere „Kunstdrucke“ in einem Tafelanhang. Die Kunstdrucke sind ebenfalls in schwarz-weiß.

Dr. phil. G. T. Schwarz gliedert seine Einführung in zwei Teile mit mehreren Kapitel, die außerdem in weitere kleinere Abschnitte aufgeteilt sind. In dem ersten Teil des Buches geht es um die so genannte „archäologische Kundschaft“. Darunter versteht der Autor das, was man in England „Field archaeology“ nennt. Die Kundschaft umfasst für ihn somit die folgenden drei Bereiche: die Grabungsvorbereitung, Denkmalaufnahme und Forschungsreisen.

Die „archäologische Feldmethode“ soll Heimatforschern, Sammlern und angehenden Archäologen einen Überblick darüber geben, wie eine Grabung vorbereitet wird, wie sie schließlich abläuft, welche Arbeiten dabei anfallen und soll zudem deutlich machen, wie wichtig ein sauberer, gut organisierter Ablauf ist.

Im ersten Teil werden deswegen Themen wie die Fundortskizze, Kartierung des Bussolenzuges, Bestimmung von Koordinaten und Fernpunkten sowie Höhenangaben von der mathematischen Seite erörtert. Daneben werden die Fundbeschreibung, das Tagebuch und der Fundbericht abgehandelt. Die Befragung von Anwohnern, das Heranziehen von Luftbildern, alten Fotographien, Stichen, Grundbuch- und Übersichtsplänen sowie Zeichnungen, Urkunden und Briefen: alle diese Parameter werden einzeln in die Vorbereitung einer Grabung miteinbezogen, um eine Übersicht über die Gesamtsituation erstellen und Heimatforschung erfolgreicher betreiben zu können – Schwarz macht sehr gut darauf aufmerksam. Diese Parameter sind bis heute noch wichtig und verdienen daher eine angemessene Berücksichtigung.  

Im zweiten Teil der Einführung wird auf die Grabungsarbeiten eingegangen. In diesem Kontext geht der Autor auf Grabungsarten, das Anlegen der Fläche und die Berücksichtigung von Gesetzen, Schichtbeobachtung (Stratigraphie), Grabungstechnik, archäologische Quellen wie Mauern, Pfostenlöcher, Holzbauten, Straßenbeläge, Türen, Tore etc, archäologische und orthogonale Vermessung ein. Außerdem kommt Schwarz auf die Schichtvermessung und Profilaufnahme wie auch auf Funde (Beschreibung, Interpretation), das Grabungstagebuch, Fotografie, Zeichnen und Messen am Schreibtisch, Bergung und Konservierung, Datierung und Kartierung von Fundtypen zu sprechen.   

Aus der heutigen Sicht kann diese Einführung im Bezug auf Prospektionsmethoden den Leser nicht zufrieden stellen. Wie auch in „Ausgrabung heute“ wird gar nicht bzw. zu wenig über die Methoden der Feldbegehung und physikalische Prospektion etc gesprochen. Natürlich kann man dies bei einem älteren Buch wie diesen auch nicht erwarten, da seit der Veröffentlichung neue Prospektionsmethoden und Verfahren erarbeitet wurden. Die Äußerungen zur Schichtbeobachtung werden den heutigen Ansprüchen gleichermaßen nicht gerecht, da es die Harris-Matrix zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht gab und die Erwähnung vom „Terminus post/ante/ad quem“ nicht ausreicht.    

Da Archäologen in der Regel heutzutage mit dem Tachymeter und dem Nivelliergerät arbeiten, um Höhen und Abstände einzumessen, werden die Abschnitte zur Fernpunktbestimmung und zum Einmessen von Höhen etc von Schwarz in gewisser Hinsicht vernachlässigbar (nicht für das Studium relevant), selbst wenn im Verlauf des Buches einiges zum Nivelliergerät erzählt wird (Aufbau und Handhabung).  

Der Unterschied zwischen der Schichten- und der Abhubgrabung, den man im Studium möglichst schnell lernen und verstehen sollte, wird nicht angesprochen. Dafür kommt der Autor in einem Unterkapitel auf Arten von Ausgrabungen wie Teil-, Not- und Sondiergrabungen zu sprechen.

Da Digitalfotografie mittlerweile in der Grabungsdokumentation erlaubt ist, erübrigen sich seine Ausführungen zur „archäologischen Photographie“. Vielmehr wäre es sinnvoll, eine Zusammendarstellung zu erarbeiten, aus der herausgeht, wie in welchem Bundesland die digitale Fotodokumentation gehandhabt wird.

Seine kurzen Texte zur Beschreibung von Funden und Schichten sind leider wenig hilfreich. Das liegt unter anderem an dem Fehlen von Beispielbildern oder Zeichnungen zu den verschiedenen Materialien und dass er in seinem Abschnitt zur „Fundbeschreibung“ mehr über Lochkartensysteme und die Art, wie Artefakte möglichst schnell gezeichnet werden können, schreibt. Eigentlich hätte der Leser hier eine Hilfe in der Art erwartet wie man sie in den „Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik“ erhält: hier gibt der Autor A. Kinne eine äußerst nützliche Sammlung an Wörtern zum Beschreiben von Formen und Oberflächen. Wenn G. T. Schwarz da auf das Zeichnen von Artefakten eingeht, hätte er dies noch ausführlicher tun müssen – nämlich nicht nur für Münzen und ansatzweise für Keramik, sondern auch für Flint- und Knochenartefakte. Anstatt dessen spricht er dieses, vor allem für die Dokumentation wichtige Thema, nur oberflächlich an und ist den Lesern damit bedingt hilfreich.  

Zur Bergung von Skeletten und zur Konservierung derselben bedarf es selbst für eine grobe Übersicht mehr als eine dreiviertel Seite. Insofern ist das Lesen dieses Abschnittes keine Bereicherung.

 

Fazit

Die Einführung in die Feldarbeit von G. T. Schwarz ist an sich durchaus lesbar und verständlich. Insgesamt lohnt es sich allerdings nicht, sich dieses Buch zu kaufen, sofern man nicht an archaischen Vermessungsverfahren, Koordinaten und Fernpunktbestimmungen interessiert ist. Gerade diese mathematischen Hintergründe werden sehr ausführlich dargelegt und sind natürlich auch für heutige Grabungen relevant, was einen Grund zum Schmökern gibt. Mit etwas Glück findet man die „Archäologische Feldmethode“ in einem Antiquariat um die Ecke oder in einem Online-Auktionshaus.

Details

Umfang: 220 Seiten mit 30 s/w Abbildungen und 12 s/w Kunstdrucken

ISBN: -

Preis: Je nach Antiquariat zwischen 5 und 12€

Buch Kauflink: Archäologische Feldmethode

Datum der Rezension: 20.09.2009

Rezensent: Jan

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