Archäologie als Naturwissenschaft? Eine Streitschrift

Autoren: Stefanie Samida und Manfred K. H. Eggert

Kategorie: Sammelwerke

Verlag: Vergangenheitsverlag

Schwierigkeitsgrad: Anfänger

Erster Eindruck

Zum Selbstverständnis der Prähistorischen Archäologie: sehr lesenswert!

Beschreibung

Dass in der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie naturwissenschaftliche Methoden zum Einsatz kommen, ist nicht verwunderlich. Seit ihrer Herausbildung als eigenständige wissenschaftliche Disziplin im 19. Jahrhundert steht die ur- und frühgeschichtliche Archäologie in einem sehr engen Verhältnis zu den Naturwissenschaften. Man denke nur an die botanischen und zoologischen Untersuchungen der Pflanzenreste und Tierknochen aus den berühmten „Pfahlbauten“.

Seit den 1990er Jahren lässt sich jedoch eine deutliche Zunahme in der Verwendung naturwissenschaftlicher Methoden in der Prähistorischen Archäologie beobachten. Schon ein kurzer Blick in aktuelle Ausstellungen und Publikationen reicht aus, um festzustellen wie zentral die Anwendung naturwissenschaftlicher Methoden im Selbstbild unseres Faches geworden ist (vgl. Maran 2007; Knaut/Schwab 2010). Unter dem Verweis auf einen sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Szientismus vertreten Stefanie Samida und Manfred K. H. Eggert in ihrer jüngst veröffentlichten Streitschrift „Archäologie als Naturwissenschaft?“ die These, dass angesichts dieser Entwicklung der eigentliche kulturhistorische Markenkern der Ur- und Frühgeschichtsforschung und dessen „vergleichend-analogischen Verfahren“ zusehends in den Hintergrund geraten (Samida/Eggert 2013: 12).

Anlässlich dieser Tendenz werfen die Auotren in ihrer Streitschrift die Frage auf, in welchem Verhältnis die Prähistorische Archäologie und Naturwissenschaften eigentlich zueinander stehen. Ist Archäologie selbst zu einer Naturwissenschaft geworden? Mittels ausgewählter Beispiele aus der aktuellen Forschung diskutieren sie in sieben Kapiteln vor allem zwei Fragen: Inwiefern es für eine Kulturwissenschaft sinnvoll ist, einen positivistisch-szientistischen Weg einzuschlagen und wie es gleichzeitig sein könne, dass es pseudoreligiöse Ansichten unter dem Deckmantel naturwissenschaftlicher Methoden in Fachzeitschriften schaffen. 

 

Die Frage, ob Archäologie eine Naturwissenschaft sei, mag für den einen oder anderen Leser zunächst sehr akademisch klingen – vielleicht sogar zu akademisch, um sich damit befassen zu wollen. Wer jedoch genauer hinsieht, der wird feststellen, dass es um nichts Geringeres geht als um die Frage nach dem Selbstverständnis einer Wissenschaft. Um diese Frage beantworten zu können, geben die Autoren im ersten Kapitel Archäologie – Was ist das?“ eine Definition unseres Faches. Dabei bemerken sie, dass sich die Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie in der Öffentlichkeit nur allzu leichtfertig auf die Tätigkeit des Ausgrabens oder die Anwendung naturwissenschaftlicher Methoden reduzieren lässt, anstatt gängigen Klischees die Stirn zu bieten (Samida/Eggert 2013: 12-15). Allein dieser Umstand ist verwunderlich, schließlich ist die Prähistorische Archäologie an den Universitäten im Bereich der Geisteswissenschaften bzw. Kulturwissenschaften angesiedelt und nicht bei den Naturwissenschaften (Samida/Eggert 2013: 17). Darüber hinaus inszeniert sich Archäologie in eindimensional gestalteten Ausstellungen allzu häufig als eine Wissenschaft, die sich größtenteils mit mythischen Urvölkern, schrecklich anmutenden Ritualen und unvorstellbaren Schätzen befasst. Das hieraus zahlreiche Klischees erwachsen, an denen Archäologen zum Teil selbst Schuld sind, liegt auf der Hand (Samida/Eggert 2013: 10f.).      

 

Im Zweiten Kapitel „Archäologie und Naturwissenschaften“ betonen Stefanie Samida und Manfred Eggert die lange Tradition in der Zusammenarbeit von Archäologie und Naturwissenschaften und die Früchte, welche gemeinsam durchgeführte Projekte tragen können. Als Beispiel führen sie die berühmten Küchenabfallhaufen an, die im 19. Jahrhundert über Jahre hinweg von dem Archäologen Jens Jacob Asmussen Worsaae (1821-1885) in Zusammenarbeit mit dem Zoologen Japetus Streenstup und dem Geologen Johann Georg Forchhammer erforscht wurden (Samida/Eggert 2013: 19f.). Wie erfolgreich die Zusammenarbeit beider Wissenschaften sein kann, zeigen weiterhin Spezialdisziplinen wie die Paläoethnobotanik, Archäozoologie, Paläoanthropologie oder der Einsatz naturwissenschaftlicher Datierungsmethoden (Samida/Eggert 2013: 22f.). Hier kann auch auf das neu eingerichtete Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen verwiesen werden.

Im Kern ihrer Ausführungen steht jedoch die Feststellung, dass ihnen bis dato kaum interdisziplinäre Forschungsprojekte bekannt sind und Naturwissenschaften aus der Sicht der Archäologie oftmals kaum mehr als eine „Hilfswissenschaft“ darstellen (Samida/Eggert 2013: 25f., 99). Unter echter Interdisziplinarität verstehen sie, dass sich die an einem Projekt beteiligten Wissenschaften auf Augenhöhe begegnen und nicht nur während der Planung eines Forschungsprojektes zusammenarbeiten, sondern gerade auch während dessen Durchführung (Samida/Eggert 2013: 27-30, 99). Von zentraler Bedeutung ist ebenfalls, dass das jeweilige Projekt mit einer Synthese der Ergebnisse aller beteiligten Wissenschaften abgeschlossen wird. Die Zusammenführung der Resultate soll nicht allein in Form der sogenannten „Buchbindersynthese“ stattfinden (Samida/Eggert 2013: 26). Eine gegenseitige Bereicherung und Ergänzung muss das Ziel interdisziplinärer Arbeit sein. Leider müssen Stefanie Samida und Manfred Eggert feststellen, dass Interdisziplinarität häufig nicht mehr als ein Schlagwort ist, welches sich insbesondere in der sogenannten „Antragsrethorik“ zur Einwerbung von Forschungsgeldern großer Beliebtheit erfreut (Samida/Eggert 2013: 31). Darüber hinaus merken sie an, „dass bisher nur wenige Erfahrungsberichte über abgeschlossene Projekte vorliegen, die einstmals inter- oder wenigstens multidisziplinär angelegt waren“ (Samida/Eggert 2013: 32).

Ferner stellen sie fest, dass bis in die 1990er Jahre hinein in der deutschsprachigen Ur- und Frühgeschichtsforschung die eigenen historisch-kulturwissenschaftlichen Grundlagen nur selten in größerem Umfang theoretisiert wurden. Diese Problematik betreffe auch die Positionierung gegenüber anderen Geistes- und Naturwissenschaften (Samida/Eggert 2013: 38f.).

 

Während die Ausführungen von Samida und Eggert in den ersten zwei Kapiteln eher theoretischer Natur waren, wenden sie sich in „Von Elementen und Genen“ einem Fallbeispiel aus der jüngeren Forschung zu. Im Zentrum dieses Kapitels stehen die auf dem Gräberfeld von West Heslerton (York) durchgeführten Isotopen- und DNA-Analysen, mit denen die Einwanderung der Angeln und Sachsen aus dem jütländischen und norddeutschen Raum nach England untersucht werden sollten. Dass es diese Wanderungsbewegung tatsächlich gab, bezeugen historische Schriftquellen. Archäologisch lässt sich dieser Prozess dagegen nur schwer nachzuvollziehen. Jeder Versuch, Migrationen von historisch bekannten Ethnien archäologisch greifen zu wollen, führt zwangsläufig zu dem methodisch höchst bedenklichen Punkt, an dem materielle Kultur mit Bevölkerungsgruppen gleichgesetzt wird (Samida/Eggert 2013: 43f.). Mit anderen Worten: irgendwann werden Menschen z.B. mit Gefäßen oder Verzierungen gleichgesetzt. Um dieses sehr heiße Eisen weitestgehend zu vermeiden, wurden in diesem Falle Isotopen- und DNA-Analysen zurate gezogen. Allerdings gelang es keiner der naturwissenschaftlichen Untersuchungen neue Erkenntnisse zu gewinnen, welche den bereits vorhandenen Wissensstand tatsächlich ergänzen. Zu den methodischen und statistischen Problemen mit den naturwissenschaftlichen Analysen selbst (z. B. der Umfang der Stichproben), kamen von archäologischer Seite her mitunter Beigabenarmut und Datierungsprobleme der untersuchten Gräber hinzu (Samida/Eggert 2013: 50-53). Angesichts der erhofften aber ausgebliebenen Resultate bewerten es die Autoren positiv, dass die jeweiligen Arbeitsgruppen aus Archäologen und Naturwissenschaftlern ihre Ergebnisse selbst sehr kritisch betrachten und nicht schön reden (Samida/Eggert 2013: 51).

Auch wenn die „im Zusammenhang mit der Angelsachsenfrage vorliegenden Isotopen- und DNA-Analysen keinen wesentlichen Beitrag zur Klärung der grundlegenden demographischen Implikationen geliefert haben“ (Samida/Eggert 2013: 52), bedeutet dies für Samida und Eggert keineswegs, „dass wir solchen Untersuchungen prinzipiell ablehnend gegenüberstehen – das Gegenteil ist richtig. Uns geht es lediglich darum, klar zu benennen, was wir aus archäologisch-kulturwissenschaftlicher Sicht für qualitativ als Wesentlich erachten und was nicht“ (Samida/Eggert 2013: 51). 

 

Im folgenden Abschnitt „Von der Erbinformation zum Kosmos“ leiten Samida und Eggert nach einem Rückblick in die Forschungsgeschichte zum folgenden Kapitel über „Sonne, Mond und Sterne“ über, in dem sie auf Arbeiten aus den letzten Jahren aufmerksam machen, in denen pseudoreligöse bzw. esoterische Interpretationen unter dem Deckmantel der vermeintlich unfehlbaren naturwissenschaftlichen Methoden verbreitet werden.

Zunächst weisen sie erneut darauf hin, dass man in der Archäologie längst über den „Milojčić’schen Grundzweifel“ gegenüber den Naturwissenschaften und der damit verbundenen Frage nach der Deutungshoheit hinaus ist, auch wenn für viele Archäologen naturwissenschaftliche Methoden nach wie vor ein „Buch mit sieben Siegeln“ seien (Samida/Eggert 2013: 56). Dass beide Wissenschaften zusammenarbeiten, sei richtig und wichtig (vgl. Maran 2007). Darüber hinaus konstatieren sie, dass man inzwischen auch „einen bedeutenden Schritt in Richtung Interdisziplinarität getan“ habe (Samida/Eggert 2013: 55).

 

Im Kapitel „Sonne, Mond und Sterne“ stellen Samida und Eggert zunächst fest, dass insbesondere die sogenannte Archäoastronomie von der breiten Öffentlichkeit seit mehreren Jahrzehnten mit großem Interesse verfolgt wird, sei es in Form von Büchern, Zeitungsartikeln oder TV-Dokumentationen (Samida/Eggert 2013: 58-60). Dies sei insofern wenig verwunderlich, als dass beide Disziplinen schon für sich allein in der öffentlichen Wahrnehmung eine herausragende Stellung einnehmen. Während die Archäologie das „Geheimnisvolle im Alten“ erforscht, widme sich die Astronomie der „Unendlichkeit“ des Raumes (Samida/Eggert 2013: 61). Wie sie in ihrem Abriss zur Forschungsgeschichte der Archäoastronomie herausstellen können, sind archäoastronomische Forschungen keine moderne Erscheinung. Sie reichen bis in das 18. Jahrhundert zurück. Man denke nur an William Stukeley (1687-1765), der in den 1720er Jahren als erster auf die Verbindung der Architektur von Stone Henge und der Sommersonnenwende aufmerksam machte (Samida/Eggert 2013: 62). Dieses Feld hat seit den 1960er Jahren immer mehr an Popularität gewonnen durch zahlreiche Publikationen von Autoren, die meistens aber weder in der Archäologie noch der Astronomie ausgebildet waren, z. B. Erich von Däniken (Samida/Eggert 2013: 63f.). Um dieser doch sehr  interpretationsfreudigen Strömung entgegenzuwirken, wurde in England sogar eine Professur für Archäoastronomie eingerichtet (Samida/Eggert 2013: 102).

 

In der deutschsprachigen Ur- und Frühgeschichtsforschung sind astronomische Diskussionen vergleichsweise erst sehr spät in den Focus geraten (Samida/Eggert 2013: 66f.). Den Autoren zufolge könne man inzwischen aber regelrecht von einer „‚Mode’ der ‚Astronomisierung’ urgeschichtlicher Funde“  sprechen (Samida/Eggert 2013: 76). In ihren folgenden Ausführungen stellen sie bekannte astronomisch interpretierte Funde bzw. Befunde vor. Die Vorhergehensweise erfolgt dabei stets nach demselben Muster. Auf eine eher neutral gehaltene Einführung zu dem jeweiligen Diskussionsgegenstand folgt eine Vorstellung der Argumente, die von Befürwortern der astronomischen Deutung angeführt wurden. Jedes der Fallbeispiele wird mit den eher kritischen Stimmen abgeschlossen, die von Samida und Eggert unterstützt werden.

So verweisen sie etwa auf die Arbeiten W. Menghins zu den spätbronzezeitlichen Goldhüten, aus deren Verzierung er Kalender zur Berechnung von Mondphasen und Jahreszeiten rekonstruierte (vgl. Menghin 2010). Obwohl diese Interpretation ausführlich widerlegt und sogar auf eine gewisse „willkürliche Handhabung bei der Ermittlung gewisser Zähleinheiten“ aufmerksam gemacht wurde (Schmidt 2002 zitiert auf S. 68), bleibt die Deutung nach wie vor bestehen. Auch in der aktuellen Dauerausstellung des Berliner Museums für Ur- und Frühgeschichte wird der sogenannte „Berliner Goldhut“ als Kalender interpretiert.

Ähnlich verhält es sich mit der Himmelsscheibe von Nebra. Der Fund leidet nicht nur unter seiner Einzigartigkeit, sondern auch darunter, dass er nicht von Archäologen ausgegraben wurde. Sowohl die Datierung der Scheibe selbst als auch die Bestimmung des Zeitpunktes ihrer Niederlegung können nach Samida und Eggert nicht mehr eindeutig festgelegt werden – auch nicht mit der Hilfe der Naturwissenschaften (Samida/Eggert 2013: 74). Auch wenn man für die ersten Phasen der Nutzung der Scheibe eine Beobachtung der Gestirne einigermaßen plausibel machen kann, so seien doch „alle Interpretationen letztlich hypothetisch“ (Samida/Eggert 2013: 75). Deutlich weniger Verständnis können die Autoren für einen Aufsatz von C. Sommerfeld aufbringen, welcher in der Praehistorischen Zeitschrift  erschienen ist (Band 87/1, 2012, 110-131). Ihrer Meinung nach nutze Sommerfeld nämlich „seitenlange Rechenkünste“ zur Untermauerung einer pseudoreligiösen Interpretation. Dieser spricht beispielsweise von „Gotteserkenntnis“ und einer „Offenbarung des Göttlichen im Mysterium des Lichts“, welche in der Himmelsscheibe manifestiert seien (Sommerfeld zitiert Samida/Eggert 2013: 77).     

Daran anschließend widmen sich Samida und Eggert der sehr kosmischen Auslegung der Ausrichtung der hallstattzeitlichen Bestattungen auf dem Magdalenenberg, die von Allard Mees in die Literatur eingeführt wurde (Mees 2011). Allerdings gelingt es den Autoren auf wenigen Seiten diverse  methodische Schwächen aufzuzeigen, sodass man letztlich von der vorgeschlagenen Interpretation doch besser Abstand nehmen muss (Samida/Eggert 2013: 82-86). Ihren Exkurs in den „Wildwuchs archäoastronomischer Deutungen“ (Samida/Eggert 2013: 91) beenden sie mit einer knappen Diskussion der vier Pfostengruppen am Glauberg und neolithischen Kreisgrabenanlagen, die oftmals allzu voreilig als Sonnenobservatorien interpretiert werden, obwohl weitaus mehr Deutungen in Erwägung gezogen werden müssen (Samida/Eggert 2013: 87-89).   

 

In ihrem Abschlusskapitel „Archäologie heute – Ein neuer Positivismus?“ kommen Samida und Eggert noch einmal auf die anfangs gestellte Frage „Archäologie als Naturwissenschaft?“ zurück, die sie selbst als „extrem zugespitzt“ bezeichnen (Samida/Eggert 2013: 104). Gegen den konstatierten Trend, dass naturwissenschaftliche Methoden immer intensiver in der Archäologie angewandt werden, sei „grundsätzlich nichts einzuwenden“ (Samida/Eggert 2013: 102). Viel wichtiger ist es den Autoren, dass die Methoden nicht zum Selbstzweck werden (Samida/Eggert 2013: 104-106). „Uns geht es um eine bessere Integration von Naturwissenschaften und Archäologie, […]“ (Samida/Eggert 2013: 98).

 

 

Fazit

Stefanie Samida und Manfred Eggert verorten – wie auch in früheren Schriften (Eggert 2005, 2006, 2012; Eggert/Samida 2012) – die Ur- und Frühgeschichte eindeutig im Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften. Archäologie kann nicht als Naturwissenschaft betrieben werden, weil der Mensch als kulturelles Wesen immer im Zentrum der Betrachtung steht und nicht Naturgesetze. Sie vertreten völlig zu Recht die Ansicht, dass die Verwendung naturwissenschaftlicher Methoden für die Prähistorische Archäologie sehr fruchtbar und sinnvoll ist. Niemand wird das bestreiten können. Allerdings warnen sie eindrücklich davor, einem Positivismus zu verfallen und die kulturhistorischen Grundlagen und Methoden des eigenen Faches aus den Augen zu verlieren. Die „Hausaufgabe“ der Archäologie bestehe deshalb darin, „sich […] auf ihre historisch-kulturwissenschaftlichen Grundlagen zu besinnen“ (Samida/Eggert 2013: 104). Insofern ist ihre Streitschrift keine Kritik an den Naturwissenschaften, sondern vielmehr eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der heutigen Ur- und Frühgeschichtsforschung. Wie die Autoren aufzeigen konnten, ist die Heranziehung naturwissenschaftlicher Methoden per se zwar sehr förderlich aber eben doch kein ‚Königsweg’. Vielmehr sollte man in Zukunft wahrlich interdisziplinäre Forschungen anstreben und einen ständigen Dialog miteinander führen. Nur auf diese Weise können im Vorfeld Forschungen optimal geplant und eben diejenigen Methoden in Erwägung gezogen werden, welche den Fragestellungen gewachsen sind.

 

Stefanie Samida und Manfred Eggert verstehen es nur allzu gut, komplexe Sachverhalte auch für Interessierte und Studienbeginner in verständlicher Form darzulegen und die Relevanz einer zunächst sehr akademisch klingenden Frage eindrucksvoll herauszuarbeiten. Darüber hinaus sind ihre Ausflüge in die archäologische Forschungsgeschichte eine ebenso spannende wie auch lehrreiche Lektüre. In diesem Sinne wird die Streitschrift nicht nur für Archäologen, sondern auch Laien von großem Interesse sein.

 

 

Literatur

Eggert 2005 Manfred K. H. Eggert, Archäologie als Historische Kulturwissenschaft: Ein Projektbericht. Archäologisches Nachrichtenblatt 10, 2005, 220-233.

Eggert 2006 Manfred K. H. Eggert, Archäologie: Grundzüge einer Historischen Kulturwissenschaft (Tübingen 2006).

Eggert 2012 Manfred K. H. Eggert, Prähistorische Archäologie: Konzepte und Methoden. Vierte überarbeitete und erweiterte Auflage (Tübingen 2012).

Eggert/Samida 2013 Manfred K. H. Eggert – Stefanie Samida, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie. Zweite überarbeitete und aktualisierte Auflage (Tübingen 2013)

Knaut/Schwab 2010 Matthias Knaut – Roland Schwab, Archäologie im 21. Jahrhundert. Innovative Methoden – bahnbrechende Ergebnisse. Sonderheft 2010 PLUS der Zeitschrift Archäologie in Deutschland (Stuttgart 2010).

Maran 2007 Joseph Maran, Mit den Methoden der Gegenwart in die Vergangenheit — Archäologie und Naturwissenschaften. In: Günther A. Wagner (ed.), Einführung in die Archäometrie (Berlin 2007) 341-350.

Mees 2011 Allard Mees, Der Sternenhimmel vom Magdalenenberg. Das Fürstengrab bei Villingen-Schwenningen – ein Kalenderwerk der Hallstattzeit. Jahrbuch Römisch-Germanisches Zentralmuseum 54 (Mainz 2007, erschienen 2011) 217-264.

Menghin 2010 Wilfried Menghin, Der Berliner Goldhut. Macht, Magie und Mathematik in der Bronzezeit. Die Sammlungen des Museums für Vor- und Frühgeschichte, Band 2 (Regensburg 2010).

Wodtke 2013 Petra Wodtke, Archäologie als Kulturwissenschaft. Forum Kritische Archäologie 2, 2013, 1-14.

Details

Umfang: 128 Seiten, 3 SW-Abbildungen

ISBN: 978-3-86408-154-5

Preis: 12,90€

Buch Kauflink: Archäologie als Naturwissenschaft?: Eine Streitschrift

Datum der Rezension: 15.10.2013

Rezensent: Jan Ahlrichs

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