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Ausgrabungsfunde, die auf Linkshänder schließen lassen?


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Verfasst am: 15. 11. 2011 [09:59]
Klaudia
Boucher de Perthes
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Hallo in die Runde,

hab diese schöne Webseite gefunden. Bin selber kein Student, beschäftige mich aber auch mit der Geschichte der Menschheit.

Mich interessiert, wie hoch der Linkshänder Anteil bei früheren Menschen war. In der Steinzeit, aber auch davor und danach. Wenn es Untersuchungen dazu gibt, weil Fundstücke dazu gefunden wurden. Schreibe grade an einem Buch über Linkshändigkeit und hab daher Interresse an der Entwicklung des Abnehmens der sichtbaren Linkshänder.

Würde mich über eine Antwort sehr freuen. Ist hier jemand dieses Thema schon mal begegnet?
Wenn nicht, interessiert mich das auch, weil auch das eine Aussage dazu ist.

freundlicher Gruß in den unbekannten Raum icon_smile.gif
von Klaudia
Verfasst am: 18. 11. 2011 [00:46]
Jan
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Liebe Klaudia,

schönes Thema! Und das sage ich nicht nur als Linkshänder icon_wink.gif
Die Frage nach Links- bzw. Rechthändern ist archäologisch eher schwer fassbar, wenn man von Darstellungen mit Menschen mal absieht. Man kann anthropologisch an dieses Thema herangehen und sich die Knochen genauer ansehen, leider erhalten sich die kleinen Handknochen nicht immer so gut. Wenn Hand- und Armknochen erhalten sind, soll eine Bestimmung möglich sein: An experienced anthropologist can often identify handedness by examining the bones and muscle attachments in the upper extremities. The length and circumference of the long bones of the dominant arm tend to be slightly larger than those in the other arm. Although this does not give specific identification, it does give you one more piece of evidence in your investigation (Pickering - Bachman 2009: 101). Mit 100%iger Sicherheit können Anthropologen diese Frage nicht beantworten.


Alternativ wurde mit prähistorischen Artefakten versucht, Rückschlüsse auf Rechts- bzw. Linkshänder zu schließen. Sehr viel Literatur gibt es zu diesem Thema allerdings nicht, weil die meisten Artefakte sowohl von Rechts- als auch von linkshändern hergestellt und benutzt werden konnten. Ich habe dir eine Liste vorbereitet, mit Texten zu diesem Thema. Ich könnte mir auch vorstellen,dass im Zusammenhang mit den Handnegativen- und positiven aus den jungpaläoltihischen Höhlen über Fragen wie deine gesprochen wurde.

Im Journal of Theoretical Biology findet man einige Aufsätze über "Handedness", wenn man dort nach diesem Begriff sucht icon_smile.gif
Auf www.sciencedirect.com findest du diese Zeitschrift.


liebe Grüße,
Jan

Anbei einpaar Artikel, über die ich gestoßen bin.
# Lisa Cashmore – Natalie Uomini – Amandine Chapelain, The evolution of handedness in humans and great apes:
a review and current issues. Journal of Anthropological Sciences 86, 2008, 7-35.
# David W. Frayer – Ivana Fiore – Carles Lalueza-Fox – Jakov Radovčić & Luca Bondioli, Right handed Neandertals: Vindija and beyond. Journal of Anthropological Sciences 88, 2010, 113-127.
# R. E. Kelly, Tripedal knuckle‐walking: a proposal for the evolution of human locomotion and handedness. Journal of Theoretical Biology 213, 2001. 333–358
# R. Pickering, B. Hensley-Marschand, Cutmarks and hominid handedness. Journal of Archaeological Science 35, 2008, 310–315.
# Robert Pickering – David Bachman, The use of forensic anthropology (2009) 101.
# Dean R. Snow, Sexual dimorphism in Upper Palaeolithic hand stencils. Antiquity 80, 2006, 390–404.
# Natalie T. Uomini, Handedness in Neanderthals. In: Nicholas J. Conard - Jürgen Richter (Hrsg.), Neanderthal Lifeways, Subsistence and Technology. One Hundred Fifty Years of Neanderthal Study (Heidelberg 2011) 139-156.
# Virginie Volpato - Christine Couture - Roberto Macchiarelli - Bernard Vandermeersch, Endostructural Characterisation of the Regourdou 1 Neanderthal Proximal Arm: Bilateral Asymmetry and Handedness. In: Silvana Condemi - Gerd-Christian Weniger (Hrsg.),Continuity and Discontinuity in the Peopling of Europe. One Hundred Fifty Years of Neanderthal Study(Heidelberg 2011) 175-178.
# Jenniffer M. Webb, New evidence for the origins of textile production in Bronze Age Cyprus. Antiquity 76, 2002, 364-71.
# Winfried Henke - Ian Tattersall (Hrsg.), Handbook of Palaeoanthropology (Berlin 2007) Kapitel 9.3.1.1 "Neurological reorganization related to language, handedness, and music", Seite 1152-1156.
Verfasst am: 18. 11. 2011 [19:47]
Klaudia
Boucher de Perthes
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Beiträge: 12
Vielen Dank für die ausführliche Antwort, Jan. Mit soviel hatte ich nicht gerechnet. icon_smile.gif

Eure Seite ist wirklich gut. Hab mich etwas eingelesen. Was mir besonders gut gefällt, ist das Eingehen auf die Ungenauigkeiten, was den menschlichen Stammbaum angeht. Die Fundstücke lassen mehrere Deutungen zu. Deswegen kann man es bisher nicht genau sagen. So eine Ungenauigkeit muß man aushalten können.

Zur Erkennung von Rechtshändern und Linkshändern, das ist schon bei lebenden Exemplaren schwierig. Nicht alle Linkshänder leben und bewegen sich wie Linkshänder. Kommt bei Rechtshändern, deutlich weniger, aber doch auch vor. und ein umgeschulter Linkshänder (der sich wie ein Rechtshänder bewegt) wäre demnach nicht mehr an der Knochenform erkennbar. Schon kindliche Linkshänder verlieren aus unterschiedlichen Gründen ihr natürliches Körpergefühl und den Zugang zu ihrer Linkshändigkeit. Auch heute noch, wie ich in einem aktuellem Blogbeitrag zeige.

Die von Ihnen zitierten und angegebenen Quellen versuchen wohl zwei Wege, die ich auch an anderer Stelle schon gefunden habe. Man nimmt entweder das Skelett des Fundstückes oder die Frucht seiner Taten (Steinwerkzeug, andere von Menschenhand hergestellte Gegenstände) und einige gucken auch zu den Gebissen unserer Vorfahren auf der Suche nach Abnutzungserscheinungen durch einseitiges Essen. Das ist das, was ich selber an anderer Stelle gefunden habe und das vermute ich bei den von Ihnen aufgezählten Quellen, wenn mein spärliches Englisch mich nicht täuscht. Das hilft mir leider nur nicht.


Die häufige Schlußforderung, dass soundsoviele Linkshänder das und das gemacht haben auch bedeutet, dass es soundsoviele Linkshänder sein müßten ist der gleiche Trugschluß, den man heutzutage mit den Linkshändern macht. Es sind soundsoviele Linkshänder sichtbar linkshändig unterwegs, also gibt es auch nur solche. Die richtige Haltung wäre, es gibt 50 % Rechtshänder und 50% Linkshänder, wenn man weniger Linkshänder findet, stellt sich die Frage, wo sind die restlichen Linkshänder versteckt. Diese Haltung wird aber auch heute noch von ganz wenigen eingenommen.

Wenn Sie Linkshänder sind und sich über meine Anfrgae freuen, gehe ich davon aus, dass Sie Ihre Linkshändigkeit normal finden (was eine sehr gesunde Einstellung ist) und ganz normal und selbstverständlich ausleben (sein Sie froh darüber). Ich habe zwecks Recherche für mein Buch mit mehreren Wissenschaftlern gesprochen, die über und um Menschen forschen, Verhalten, wie lernt ein Mensch sich bewegen, und aus der seelischen und Psychologischen Ecke. Ganz oft hat man in dieser Forschung die Linkshändigkeit der Linkshänder übersehen und bei der Forschung ausgeklammert. Das ist nicht das Versagen Einzelner sondern Teil eines größeren Musters.

Und genau diesem Muster gehe ich nach. Meine Theorie dabei ist, dass die Ablehnung der Linkshändigkeit Teil eines Reinigungsrituals war, das nötig wurde in dem Moment, als sich unsere Vor-vor-vor....fahren aufrichteten und die Körperausscheidungen nicht wie vorher im gebückten Zustand abfielen oder wegtrockneten. Wenn der Nachbar am Lagerfeuer sich kurz vor dem Essen die Ausscheidungsorgane gesäubert hat und dann mit der gleichen Hand, die er dafür benutzte, ins gemeinsame Essen langte, mußte eine Lösung her. Und da guckte man die Linkshänder aus, es hätten auch die Rechtshänder sein können, eine zufällige Entscheidung, die mit dem unterschiedlichem Rudelverhalten von Links- bzw.Rechtshändern zutun hat. Da diese Wesen ein noch viel kleineres Gehirn hatten als wir (von den Unterschieden von damals zu heute ganz zu schweigen) und sich diese Einteilung "diese Hand für s Säubern, die andere Hand für s Essen" nur auf diese beiden Bewegungsabläufe beschränkte, gab es deswegen für die damaligen Linkshänder keine großen Einschränkungen.

Schlimm wird es für einen Linkshänder erst, wenn er alles mit der rechten Seite macht, mit der Hand schreiben ist da das fatalste mit den größten negativen Auswirkungen auf der neurologischen Ebene. Das passieret in dem Ausmaß erst in letzter Zeit, ich denke, die letzten 300 Jahre. Und dazu fehlt fast ganz die Forschung. Oder haben Sie dazu was entdeckt?

Ich finde Ihre Seite so gut, dass ich die gerne mit meinem Blog verlinke. Man braucht diferenziertes Denken, um unsere Herkunft zu verstehen. Und Sie bewegen sich auf solch ein Denken zu, was ich richtig Sahne finde. Respekt!!

Ich wünsche den Machern dieser Seite alles Gute
liebe Grüße zurück
von Klaudia

[Dieser Beitrag wurde 10mal bearbeitet, zuletzt am 18.11.2011 um 19:54.]
Verfasst am: 20. 11. 2011 [20:56]
Jan
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Hallo!

"Klaudia" schrieb:

Die von Ihnen zitierten und angegebenen Quellen versuchen wohl zwei Wege, die ich auch an anderer Stelle schon gefunden habe. Man nimmt entweder das Skelett des Fundstückes oder die Frucht seiner Taten (Steinwerkzeug, andere von Menschenhand hergestellte Gegenstände) und einige gucken auch zu den Gebissen unserer Vorfahren auf der Suche nach Abnutzungserscheinungen durch einseitiges Essen. Das ist das, was ich selber an anderer Stelle gefunden habe und das vermute ich bei den von Ihnen aufgezählten Quellen, wenn mein spärliches Englisch mich nicht täuscht. Das hilft mir leider nur nicht.


Ja, es gibt in der Literatur noch einen dritten Weg, der die Abdrücke des Gehirns auf der Schädelinnenseite berücksichtigt. Es gibt doch einige Funde von Schädeln, die derart gut erhalten sind, dass ein Gehirnabguss erstellt werden kann. Dabei wird der Ansatz verfolgt, dass bei Linkshändern bestimmte Gehirnregionen anders ausgeprägt sind als bei Rechtshändern. Was man archäologisch sicher nicht mehr oder sehr schwer nachweisen kann, sind Menschen, die mit beiden Händen ihre Tätigkeiten verrichten, also weder Links- noch Rechtshänder im eigentlichen Sinne sind.

"Klaudia" schrieb:

Meine Theorie dabei ist, dass die Ablehnung der Linkshändigkeit Teil eines Reinigungsrituals war, das nötig wurde in dem Moment, als sich unsere Vor-vor-vor....fahren aufrichteten und die Körperausscheidungen nicht wie vorher im gebückten Zustand abfielen oder wegtrockneten. Wenn der Nachbar am Lagerfeuer sich kurz vor dem Essen die Ausscheidungsorgane gesäubert hat und dann mit der gleichen Hand, die er dafür benutzte, ins gemeinsame Essen langte, musste eine Lösung her. Und da guckte man die Linkshänder aus, es hätten auch die Rechtshänder sein können, eine zufällige Entscheidung, die mit dem unterschiedlichem Rudelverhalten von Links- bzw. Rechtshändern zutun hat.


Eine interessante Theorie icon_smile.gif
D.h. im Umkehrschluss, dass sich Rechtshänder sich mit der linken Hand gesäubert haben, um mit der rechten Essen zu können? So dass die linke Hand schließlich als "schmutzige Hand" galt und sich dieser Gedanke in der Gemeinschaft durchgesetzt hat?

viele Grüße,
Jan

P.S.
Meinst Du, dass die Dunkelziffer an Linkshändern so hoch ist, dass es letztlich jeweils 50% sind?
Verfasst am: 22. 11. 2011 [21:17]
Klaudia
Boucher de Perthes
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huhu zu Ihnen rüber

schön!, dass Sie so weltoffen reagieren.

meine These ist, zuerst haben sich die Rechtshänder auch mit der rechten Hand gesäubert und die Linkshänder mit der linken Hand. Und beide, die mit rechts und die mit links, griffen mit der selben Hand ins gemeinsame Essen. Da mußte dann eine Lösng her. Und so einigte man sich darauf, das ALLE mit rechts essen und sich mit links säuern. Damit man seinem Nachbarn nicht zusehen muß, wie der mit dessen kotverschmierter Hand in das Essen lang, das man auch essen will.

Der Rest ist Geschichte........

Und das Gehirn passt sich der Nutzung an. Das heißt, "Beidhänder" die es nicht wirklich gibt, haben ein anderes Gehirn als die Leute, die sich eindeutig bewegen. Wenn man dann nur nach dem Gehirn geht, erliegt man wieder einem Irrtum.

freundlicher Gruß
Klaudia Siegmann
Verfasst am: 28. 11. 2011 [23:04]
Jan
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Hi Klaudia,

Für Archäologen wäre es toll, wenn man dies mit den zugänglichen Quellen unterstützen könnte. Man könnte einen Doktoranden icon_razz.gif damit beschäftigen, sich Bestattungen und Gräberfelder näher anzusehen. Vielleicht lassen sich repräsentative Zahlen finden, die auf lange Sicht eine Abnahme an Linkshändern beweisen. Wäre das die entwicklung, die du erwarten würdest?

viele Grüße,
jan
Verfasst am: 29. 11. 2011 [10:46]
Klaudia
Boucher de Perthes
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beim Drüberlesen hab ich gesehen, dass die Links doppelt angezeigt werden, kann das leider beim Editieren nicht verändern icon_frown.gif

Huhu Herr Jan,

ich bleibe doch beim "Sie", weil ich mehr als doppelt so alt bin wie Sie. Unterhalte mich aber sehr gerne mit Ihnen icon_smile.gif

Bevor ich anfange mit meiner Antwort, möchte ich Herrn Tenner vorstellen. In meinem Blog kann man einen Beitrag über ihn lesen guckt man hier: [url="http://klaudia-siegmann.blogspot.com/2011/11/wir-alle-machen-fehler-oder.html"]http://klaudia-siegmann.blogspot.com/2011/11/wir-alle-machen-fehler-oder.html[/url]


und hier steht, wie das Thema Linkshändigkeit weiterhin "unterdrückt" wird [url="http://klaudia-siegmann.blogspot.com/2011/11/wie-verdrangung-funktioniert.html"]http://klaudia-siegmann.blogspot.com/2011/11/wie-verdrangung-funktioniert.html[/url]

Die Wesen, die sich das Reinigungsritual ausdachten, wußten nix über die negativen Folgen nicht gelebter Linkshändigkeit. Diese Vorstufe unserer heutigen Art "Mensch" hatten weder das große komplexe Gehirn wie wir heutzutage, noch haben sie sich so diferenziert und komplex bewegt, daher war es zu der damaligen Zeit (muß wohl 2-2,5 Mill. Jahre her sein) schnurz pip egal, WIE sie damals gegessen haben oder sich den Po abwischten. Solche begrenzten Bewegungsabläufe schaffen keine großen Umschulungsfolgen (so nennt man die negativen Veränderungen, die zuerst im Gehirn entstehen und schließlich die Funktionsweise des Gehirns stören).

Und die Folgen werden erst so groß und schlimm, seit wir wegen zunehmendem Werkzeuggebrauch und Zunahme von feinmotorischen Fähigkeiten uns immer komplizierter bewegen. Da das Tabu fast ohne Worte weiter gegeben wird, guckt man bisher nur in Ausnahmefällen zu den großen Zusammenhängen. Ich persönlich gucke da so hin, weil ich mich mit meiner Linkshändigkeit beschäftigen mußte, weil ich solche großem Umschulungsfolgen hatte, dass ich gezwungen war, mich mit einer Rückschulung zu beschäftigen, ansonsten hätte ich mein aktives Arbeitsleben begraben können. Bevor ich mich zurück geschult habe, hab ich mich weniger als garnicht für Linkshändigkeit interessiert, man hätte mit mir darüber reden können, ich hätte es wieder vergessen. Erst die Veränderungen durch die Rückschulung selber haben mir den Horizont dafür geöffnet, WAS alles im Gehirn beeinflußt wird, wenn ein Linkshänder nicht wie ein Linkshänder lebt. Der Austausch mit anderen Linkshändern bestätigten dann meine eigenen Erfahrungen.

Edward Tenner erzählt auf der TED Conferenz und schreibt in seinem Buch [url="http://www.amazon.de/T%C3%BCcken-Technik-Wenn-Fortschritt-r%C3%A4cht/dp/3100800168/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1322559674&sr=8-1"]http://www.amazon.de/T%C3%BCcken-Technik-Wenn-Fortschritt-r%C3%A4cht/dp/3100800168/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1322559674&sr=8-1[/url] davon, dass es Entscheidungen gibt, die getroffen werden auf der Suche nach einer Lösung für ein Problem, deren Ergebnis eine Lösung sein soll, die sich aber später als noch größeres Problem herausstellt. Um die Größe der negativen Folgen der nicht gelebten Linkshändigkeit ganz anblicken zu können, braucht man das Wissen, dass sowas Ungutes auch an anderen Stellen geschieht.

Beitrag 2 folgt gleich

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 29.11.2011 um 10:48.]
Verfasst am: 29. 11. 2011 [11:21]
Klaudia
Boucher de Perthes
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Wir Menschen existieren nur, weil unsere Vorfahren ganz viel richtig gemacht haben. Wenn wir als Art

bewußt

etwas so negatives wie das Verbieten linkshändiger Bewegungen in die Welt setzten würden, wäre das hochgradig destruktiv und würde dazu führen, dass wir aussterben. Das Überleben unserer Art stand mehrmals auf der Kippe und da brauchten wir viele kontruktive Entscheidungen zum Überleben. Es braucht auch Positives, damit ein Mensch am Leben bleibt. Dazu gehört das Gefühl, zu irgend einer Art von Gruppe zu gehören und irgend eine Art von Sinn im Leben zu finden. Bindung, Aufmerksamkeit usw. .

Die Ablehnung der Linkshändigkeit begann zu einer Zeit, als unser Denken, so wie wir beide uns z.B. grade unterhalten, noch garnicht stattfand. Denken, Reflektieren, was auch immer, sowas gab es noch nicht viel, das Gehirn, wie es die heutigen Menschen mit sich rumtragen und mehr oder weniger klug benutzen, ist erst "vor kurzem" entstanden, wenn ich es richtig verstanden habe, irgendwann vor ca 250 000 Jahren. So, wie ich es verstanden habe, entstand das Sprachzentrum schon früher (Steinzeit: Neandertaler und davor)

Vor ca 75 000 Jahren waren wir als Art (wie viele andere Arten auch) kurz vor dem Aussterben, es gab von unserer Art damals nur noch ca 1000 Exemplare (hat man rausgefunden, seit man die DNS von Menschen verglichen hat und erstaunliche Verwandtschaftsgrade feststellte) Wir Menschen, also alle Menschen auf der ganzen Welt, stammen von diesen ca 1000 Exemplaren ab.

Zu der Zeit und davor und danach war es selbstverständlich und wurde unhinterfragt weiter gegeben und nach gelebt, dass Bewegungen mit links schlecht sind. Zuerst bezog sich das nur auf das Essen und die Körperpflege. Es konnten sich die Linkshänder also in allen anderen Bereichen "normal" wie Linkshänder bewegen. Später, in jüngster Vergangenheit UND heute, wird Linkshändern gezielt jede Bewegung mit links verboten, nicht flächendeckend, aber immer öfter und bei immer komplexeren Bewegungsabläufen.

Und, je komplexer ein Bewegungsablauf ist, desto größer sind die negativen Auswirkungen auf den Menschen, der sich gegen die Dominanz bewegt.

Warum mache ich es so kompliziert und erzähle das alles? Weil wir auch heutzutage einen Anteil von 50% Linkshändern haben. Man könnte (hypotetisch gedacht, eine brutale Phantasie) alle Linkshänder umbringen, bei den Nachkommen würde sich der natürlich auftratende Linkshänder Anteil wieder bei 50% einpendeln. Für die heutige Zeit heißt das, 50% der Menschheit ist linkshändig, sichtbar sind nur 10 bis 15-20 Prozent, der Rest der Linkshänder lebt nicht wie ein Linkshänder und hat (aktuell zu finden hinter allen möglichen Statistiken und Krankheitsbildern) Umschulungsfolgen.

Das passiert heute.

Wenn Sie dazu forschen würden/möchten, kriegen Sie von mir alles Wissen, was Sie haben möchten. Ich kann sowas nur unterstützen. Es gab schon immer 50% Linkshänder, wie bei allen Tierarten mit diesem zweigeteiltem Gehirn. Meine bisherigen Gespräche mit Akademikern, die zu Menschen- Themen forschen oder mit Menschen arbeiten, verliefen fast alle so, dass man entweder das Gespräch abbrach oder den Kopf abstellte, die Zusammenhänge, wie ich sie hier erkläre, wollte bisher niemand wissen.

Es gibt mehrere Untersuchungen zum aktuellen Linkshänder Anteil, die bisher nicht wirklich großartig beachtet werden, da die Verdrängungsmechanismen (Wirksamkeit des Tabus) auch bei Fachleuten greifen, sei es im Gebiet, Psychologie, Psychiatrie, Pädagogik, Medizin, Neurologie, Geschichtsforschung, .... .

Wie das in Ihrem Gebiet ist, erfahren Sie, sowie Sie Ihren Professor auf dieses Thema ansprechen. So, wie ich das sehe, gab es schon immer 50% Linkshändern unter den Menschen, auch unter den Vorstufen unserer heutigen Art, unabhängig davon, welche Spuren die real gelebten Exemplare hinterlassen haben und wir gefunden haben. Die negative Beeinträchtigung der Ablehnung der Linkshändigkeit schließt die Ablehnung der Linkshänder Denkweise und des Linkshänder Charakters mit ein. Weil sich das Denktabu verselbstständigt hat, das war kein böser Plan, sondern es hat sich verselbstständigt, so mit Linkshändern und Linkshändigkeit umzugehen.

Das uns was fehlt, zeigen uns Leute wie [url="http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_ss_i_0_12?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Dstripbooks&field-keywords=edward+de+bono&sprefix=edward+de+bo"]http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_ss_i_0_12?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Dstripbooks&field-keywords=edward+de+bono&sprefix=edward+de+bo[/url] Edward de Bono, die das typische Linkshänder Denken künstlich wieder zurück holen wollen und in Vorträgen und Büchern erklären, wie es geht. Sowas wäre garnicht nötig, liese man den Linkshändern ihre Linkshändigkeit.

Ich habe im Internet Videos gefunden von Kleinkindern [url="http://klaudia-siegmann.blogspot.com/2011/11/wie-man-heute-kleine-linkshander.html,"]http://klaudia-siegmann.blogspot.com/2011/11/wie-man-heute-kleine-linkshander.html,[/url] wie heute, also jetzt in diesem Moment, linkshändiger Nachwuchs "umgeschult wird", wie man linkshändige Kinder dazu bringt, sich wie Rechtshänder zu bewegen. Die Folgen bleiben die gleichen, egal, ob man einen Linkshänder zwingt, sich wie ein Rechtshänder zu bewegen oder ob man einen Linkshänder sanft dazu überredet sich mit rechts zu bewegen oder ob man ihm garnicht erst die Möglichkeit gibt (wie in dem Video des Ipad Babys zu sehen), sich mit links zu bewegen, weil die Benutzung eines Gerätes nur als Rechtshänder möglich ist.

Man nennt es "Umschulung", wenn man einen Linkshänder dazu bringt, sich mit rechts zu bewegen. Diese Umschulung passiert schmerzfrei, es tut einem nix weh, während man übt und übt, sich mit der nicht dominanten Seite Bewegungsabläufe beizubringen, auch wenn die gleichzeitig diese fatalen neurologischen Folgen haben (verkomplizierte Verschaltungen, die Verarbeiten stören, statt es zu trainieren) Und die Betroffenen selber wissen in den seltensten Fällen, was da grade mit ihnen (und ihrer tatkräftigen Mithilfe) passiert. An der Stelle fehlt ein Wahrnehmungsorgan. Das Leben ist als umgeschulter Linkshänder anstrengender, kaum jemand verbindet das aber mit den nicht-linkshändigen Bewegungen.

Wenn Sie mit Ihrem Professor reden, zeigen Sie ihn diesen Dialog hier im Forum. Und erzählen Sie uns, wsa bei rausgekommen ist. Wenn Sie möchten, können Sie auch Blog Beiträge für den Linkshänder Blog schreiben, die unter Ihrem Namen dort veröffentlicht werden. Ich selber freue mich, dass Sie dieses Thema packt. Viel Spass und viel Neugierde dabei wünsche ich Ihnen.

lieben Gruß
Klaudia Siegmann

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 29.11.2011 um 11:25.]
Verfasst am: 29. 11. 2011 [11:34]
Klaudia
Boucher de Perthes
Themenersteller
Dabei seit: 15.11.2011
Beiträge: 12
noch ein Nachtrag: die Linkshändigkeit einzelner Menschen wurde in der jüngeren Vergangheit von anderen Menschen gezielt genutzt, um darüber Macht über Menschen zu kriegen oder sich mit der Definition von "Linkshändigkeit ist Krankheit" (Denken aus der Nazizeit) über andere rüber stellen zu können. Das und anderes ist die dunkle Seite der Verdrängung des Denktabus über Linkshändigkeit.

Sowas sitzt offen oder versteckt in vielen Köpfen fest.

Und vielen Linkshändern ist ihre eigene Linkshändigkeit fern und fremd, was die Sache nicht leichter macht. Dann gibt es heute noch Kulturen, die offen Linkshänder mit ihren linkshändigen Bewegungen ablehnen.... Das alles schwappt einem entgegen, sowie man offen mit anderen über Linkshändigkeit spricht.

Sie werden Kraft und Nerven brauchen, wenn Sie darüber schreiben.

freundlich
Klaudia
Verfasst am: 03. 12. 2011 [16:58]
Jan
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Dabei seit: 24.03.2009
Beiträge: 69
Hallo Klaudia,

"Klaudia" schrieb:

Die Ablehnung der Linkshändigkeit begann zu einer Zeit, als unser Denken, so wie wir beide uns z.B. grade unterhalten, noch garnicht stattfand. Denken, Reflektieren, was auch immer, sowas gab es noch nicht viel, das Gehirn, wie es die heutigen Menschen mit sich rumtragen und mehr oder weniger klug benutzen, ist erst "vor kurzem" entstanden, wenn ich es richtig verstanden habe, irgendwann vor ca 250 000 Jahren. So, wie ich es verstanden habe, entstand das Sprachzentrum schon früher (Steinzeit: Neandertaler und davor).


Das ist ein Punkt, an dem man archäologisch wunderbar anknüpfen kann. Abhängig davon, wie man komplexes Denken definiert, kann man es früher oder später in der Altsteinzeit nachweisen. Man kann hierüber einerseits diskutieren, in dem man sich mit der Herstellungsweise von Artefakten beschäftigt und/oder indem man eine bestimmte Gattung von Artefakten von einem modernen Denken abhängig macht: Nämlich Kunstobjekte. Ich werde beides kurz skizzieren.

Es gibt verschiedene Typen von Artefakten. Primärartefakte sind nicht modifizierte, also aus der Natur stammende Gegenstände, die für einen Zweck herangezogen werden. Es gibt Menschenaffen (Schimpansen, Gorilla, Urang-Utan), die beispielsweise Steine aufsammeln, um damit vor Ort Nüsse zu knacken. Allein auf die Idee zu kommen, dass man einen Gegenstand zu Verrichtung einer Tätigkeit heranziehen kann, setzt ein Denken voraus. Außerdem ist eine Erfahrung notwendig, die die Auswahl des Primärartefaktes bestimmt: bsp. kann man mit Blättern keine Nüsse knacken. In diesem Fall wird gezielt ein Objekt verwendet, von dem man weiss, dass es härter ist als eine Nuss.

Ein Sekundärartefakt habe ich, wenn ich mir zwei Steine nehme, von denen ich als Schlagstein und den anderen als Knolle verwende, um vom anderen Kanten abzuschlagen, d.h. ihn bewusst zu modizifieren beginne. Aus der Bearbeitung eines Primärartefaktes mit einem Primärartefakt entsteht also ein Sekundärartefakt.
Ein Tertiärartefakt kann nur mit einem oder mehren Sekundärartefakten hergestellt werden. D.h. man stellt sich Werkzeuge her, um mit diesen ein Artefakt herstellen zu können. Ein Speer ist ein gutes Beispiel für Tertiärartefakte. Man braucht nicht nur eine Kenntnis darüber, welche Holzart hierfür geeignet ist und wo man sie finden kann, man ist außerdem auf Werkzeuge angewiesen, mit denen man aus dem Holz einen Speer herstellen kann. Die ältesten Nachweise für Speere kommen aus Schöningen und sind ungefähr 300.000 Jahre alt. Sie stammen aber nicht von anatomisch modernen Menschen, sondern vom Homo heidelbergensis, dem Vorfahren des Neandertalers. Im Zusammenhang mit Tertiärartefakten wird auch Sprachfähigkeit diskutiert. Die Frage ist, ob erst durch die Verwendung von Sprache die Herstellung solcher Artefakte möglich wird oder nicht.

Andererseits kann man die These aufstellen, dass modernes Denken erst mit dem Erschaffen von Kunst nachweisbar wird. Wenn man unter künstlerischen Objekten tertiäre Artefakte versteht, in denen man immatierelle Werte, d.h. Symbole plastisch umgesetzt hat, dann sind die ältesten Hinweise hierfür in Südwestdeutschland zu suchen. Sie würden an den Beginn des Jungpaläolithikums datieren, also ca. auf 40.000 vor Christus. Aufsätze zu diesem Thema gibt es in dem Band "Cognitive Archaeology and Human Evolution" von Sophie A. de Beaune, Frederick L. Coolidge und Thomas Wynn.

Die Frage für Sie wäre nun, welcher dieser beiden Herangehensweisen Sie sich anschließen. Denn abhängig davon wurde Linkshändigkeit vor ca. 300.000 oder erst vor 40.000 Jahren abgelehnt. Wollte man diese Ablehnung durch eine rückläufige Zahl von Linkshändigkeit beweisen, müssten auch anthropologische Untersuchungen durchgeführt werden. Das wäre der praktische Teil, der dieser Ausgangsthese von Ihnen folgt.

"Klaudia" schrieb:

Vor ca 75 000 Jahren waren wir als Art (wie viele andere Arten auch) kurz vor dem Aussterben, es gab von unserer Art damals nur noch ca 1000 Exemplare (hat man rausgefunden, seit man die DNS von Menschen verglichen hat und erstaunliche Verwandtschaftsgrade feststellte) Wir Menschen, also alle Menschen auf der ganzen Welt, stammen von diesen ca 1000 Exemplaren ab.


Kleiner Nachtrag: Bei dem genetischen Flaschenhals, der hier angesprochen wird, geht man davon aus, dass nur noch zwischen 1.000 und 10.000 Individuen existierten.


viele Grüße,
Jan