Gewichtfunde in Kaukasien

Kaukasien im 3. Jahrtausend v. Chr.

Der Tausch von verschiedenen Geräten sowie Waffen und Schmuck im kaukasischen Gebiet während des vierten und dritten Jahrtausend v. Chr. lässt sich archäologisch sicher nachweisen. Als Hinweise für Fernkontakte zwischen dem kaukasischen Raum, der Ägäis und Mesopotamien lassen sich die Verbreitungen von Schaftlochäxten, Tumuli, Wolle, sogenannten fire stands, Lapislazuli, Knochentuben, spezifischen Perlenformen sowie Zinn, Gewichten und Siegeln anführen. Archäologisch wird zu dieser Zeit im kaukasischen Gebiet eine Intensivierung in der Verarbeitung von Metallen greifbar.

Nach Arsen Bobokhyan sei dies der Grund für eine Nutzung von Gewichtssystemen gewesen. In diesem Szenario sind es Metallhandwerker, welche die Gewichte verwenden. So habe man vor dem Gießen die Gewichtseinheiten der Metallkomponenten abgewogen, um ein Mischverhältnis gewährleisten zu können. 

Gewichte in der Kura-Araxes-Kultur

Das Froschgewicht aus Kurgan VIII von Mecamor, ca. 1500 v. Chr. zählt zu den Hinweisen für Fernkontakte zwischen der Kura-Araxes-Kultur und Mesopotamien. Die Kura-Araxes-Kultur datiert in die Zeit von ca. 3500 bis 2000 v. Chr. Das 8,6 g leichte Stück wurde aus dunkelbraunem und weißem Achat gefertigt. Dies entspricht der gängigen Gewichtseinheit von einem Šekel. Dass diese Einheit nicht nur auf Mesopotamien beschränkt war, bezeugen Funde aus Ugarit, Bogazköy und von dem Uluburun-Schiffswrack. Dass das Gewicht selbst als solches benutzt wurde, ist unwahrscheinlich. Nutzungsspuren sind nicht vorhanden aber dafür eine Durchlochung. Es ist daher nicht auszuschließen, dass es nach seiner Ankunft aufbewahrt oder als Amulett verwendet wurde.

 

Weiterhin ist für kaukasischen Raum eine Einheit von 8,4 g belegt. Diese tritt in Form von Stabbarren-Gussformen in Erscheinung. Bisher wurden 19 Fundsrucke dieser Art in Geoy Tepe, Kültepe II, Baba-Derviš, Karnut sowie in der Metallwerkstatt aus Schicht IV von Jrahovit gefunden.

Hermann Müller-Karpe konnte mittels einer Untersuchung von 120 Ringbarren aus Anatolien aufzeigen, dass deren Gewicht an das mesopotamische Gewichtssystem angelehnt ist. Bestätigt wird das Ergebnis seiner Untersuchung durch Schriftquellen aus dieser Zeit.

 

Weitere Hinweise für weitreichende Fernbeziehungen liegen aus den Palastanlagen, Magazinen und Werkstätten von Norşuntepe vor. Dort wurden Gewichte aus Hämatit, Kalk, Granit, Mamor und Ton gefunden. Ihre Masse betrug zwischen 38 g und 8,8 kg. Man achte daraus, dass Letzteres mit 100 mesopotamischen Šekel identisch ist. Ebenso vielfältig wie Gewichtsmassen sind die Formen der Objekte: Würfel, Anker, Zylinder, sphenoid- sowie spulenförmige Gewichte wurden dort gefunden. Auch Architektur, Keramik, Kleinfunde deuten auf Kontakte nach Syrien und Mesopotamien hin.

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Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Arsen Bobokhyan „Sicle caucasien“: Zur Frage der bronzezeitlichen Gewichtssysteme im Kulturgebiet zwischen Kaukasus und Taurus. In: Svend Hansen et al. (Hrsg.),Von Majkop bis Trialeti: Gewinnung und Verbreitung von Metallen und Obsidian in Kaukasien im 4.-2. Jt. v. Chr. Beiträge des Internationalen Symposiums in Berlin vom 1.-3. Juni 2006 (Bonn 2010) 179-203.
Lorenz Rahmstorf Die Nutzung von Booten und Schiffen in der bronzezeitlichen Ägäis und die Fernkontakte der Frühbronzezeit. In: Harald Meller – François Bertemes (Hrsg.), Der Griff nach den Sternen. Wie Europas Eliten zu Macht und Reichtum kamen: Internationales Symposium in Halle (Saale) 16.-21. Februar 2005 (Halle 2010) 675-697.
Lorenz Rahmstorf Indications of Aegean-Caucasian relations during the third millennium BC. In: Svend Hansen et al. (Hrsg.), Von Majkop bis Trialeti: Gewinnung und Verbreitung von Metallen und Obsidian in Kaukasien im 4.-2. Jt. v. Chr. Beiträge des Internationalen Symposiums in Berlin vom 1.-3. Juni 2006 (Bonn 2010) 263-295.
Peter Turk The weight of objects on Late Bronze Age hoards in Slovenia and possibilities for determining weight standards. ArheoloŠki vestnik 52, 2001 249-279.
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