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Thomas Jefferson

Thomas Jefferson
Thomas Jefferson (1743-1826) auf einem Gemälde von Charles Willson Peale (1741–1827). Quelle: Wikimedia.commons

Der dritte Präsident der USA hatte neben seiner politischen Tätigkeit auch ein großes Interesse an Geschichte Amerikas. Östlich des Mississippi gab es zu dieser Zeit noch viele Grabhügel. Deren Ursprung war sehr umstritten. Zwar war man sich darüber bewusst, dass dort früher die amerikanischen Ureinwohner gelebt hatten, doch traute man ihnen nicht zu, die Erbauer zu sein. Die Indianer galten als Primitive, die zu einer solchen Leistung nicht in der Lage gewesen sein konnten. So kam es dazu, dass von den Gelehrten ein mysteriöses und längst vergangenes Volk als Urheber vermutet wurde. Dieses erhielt den bezeichnenden Namen "Mound-builder". Man gab sich große Mühe, den Ursprung und die Nachkommen dieses Konstruktes zu finden. Viel Zeit und lange Diskussionen wurden in diese Idee investiert. Allerdings hatte man im Detail kein methodisches Vorgehen geplant, mit dem man arbeiten konnte.

 

Thomas Jefferson kannte das Problem mit den "Mound-builders". Viele Gelehrte versuchten, die Frage zu beantworten, indem sie die Grabhügel ausgruben. Allerdings lief bei ihnen die Ausgrabungstätigkeit nur auf das Finden von Objekten hinaus. Jefferson führte im Jahre 1784 eine Ausgrabung an einem Grabhügel der "Mound-builder" durch. Er hatte das große Glück, dass sich ein solcher direkt auf seinem Grundstück befand. Um die Erbauer der Grabhügel identifizieren zu können, musste man die Hügel zunächst einmal annähernd wissenschaftlich ausgraben und mit klaren Sachverstand interpretieren. Thomas Jefferson legte zunächst quer durch den Hügel einen Schnitt an. Damit war dieser zwar in zwei Hälften geteilt, hatte aber zwei große Profile, an denen Jefferson unterschiedliche Schichten beobachten konnte. Durch seine Beobachtungen an den stratifizierten Profilen konnte er logische Schlussfolgerungen über die Aufschüttung und Verwendung der Grabhügel ziehen. Als er diese Grabungsweise an weiteren Hügeln anwandte, konnte er zum Teil sogar mehrere Nutzungsphasen an einem Grabhügel beweisen. Man hatte einige Hügel früher geöffnet, um neue Bestattungen anzulegen. Schließlich und endlich kam Jefferson zu dem Fazit, dass die Vorfahren der Indianer durchaus auch die Erbauer dieser Grabhügel gewesen sein konnten.

Augustus Henry Pitt-Rivers

Neben seiner Karriere beim britischen Militär verfolgte Augustus Pitt-Rivers (1827-1900) auch ethnologische und archäologische Interessen. Als Sohn eines adeligen Landbesitzers wuchs er in einer vermögenden Familie auf. Als er 1880 von seinem verstorbenen Onkel Ländereien sowie ein großes Vermögen erbte und zwei Jahre später in den Ruhestand ging, war er für den Rest seines Lebens finanziell unabhängig und konnte sich seinen Interessen zuwenden. Noch während seiner Zeit beim Militär war er dienstlich viel unterwegs und konnte so ethnologische Beobachtungen anstellen. Er war zudem ein leidenschaftlicher Sammler. Am Ende seines Lebens hatte seine Sammlung einen Umfang von mehreren Tausend Stücken - sie ist heute im Pitt Rivers Museum in Oxford zu sehen. 

 

In archäologischer Hinsicht machte er sich nachhaltig vor allem um seine Ausgrabungsmethoden und deren Dokumentation verdient. Da bald Sir John Lubbock sein Schwiegersohn wurde, hatte er durchaus Kontakt zu den führenden Persönlichkeiten seiner Zeit. Zu seinem Glück bargen seine Ländereien umfangreiche archäologische Hinterlassenschaften. Er verbrachte letztlich viel Zeit mit Ausgrabungen auf seinem eigenen Landbesitz und investierte sein Privatvermögen in die Publikation seiner Ergebnisse. 


Auf Ausgrabungen sollten alle Funde möglichst detailliert dokumentiert werden. Er wollte für die spätere Auswertung jede Fundposition festhalten, auch zeichnerisch tat er dies. Nicht nur vollständige Fundstücke, sondern auch kleine und trivial anmutende Funde wurden dokumentiert. Das ist sein Verdienst. Viele zeitgenössische Archäologen legten keinen Wert auf diese Genauigkeit und schenkten fragmentierten Objekten kaum Beachtung. Wenn man einen Fundplatz aber richtig deuten möchte, dann ist man auf jedes Objekt und dessen Lage angewiesen. In diesem Sinne hatte er einen modernen Ansatz, der auch heute noch so verfolgt wird. Dokumentation ist immens wichtig. 

Albert Egges van Giffen

Anfang des letzten Jahrhunderts probierte der niederländische Archäologe Albert Egges van Giffen (1884-1973) auf seinen Grabungen eine neue Grabungsmethode aus. Er wollte seine Grabungsareale in gleich große Quadranten untergliedern und diese nacheinander ausgraben. Erstmals hatte er dies bei Ausgrabungen von Grabhügeln ausprobiert. Zwischen den festgelegten Quadranten lies er Stege stehen. Damit hatte er schließlich eine Möglichkeit gefunden, mit der er Schichtenverlauf im Profil über seine ganze Fläche beobachten konnte. Diese so genannte „Quadrantenmethode“ gehört heute zum Allgemeingut der Archäologie. Jede Grabungsfläche wird heute in Quadranten gegliedert. Je nach Epoche und den gegebenen örtlichen Gegebenheiten können die Quadranten in ihrer Größe sehr variieren.


An den Stegen konnte van Giffen den Verlauf der natürlichen Bodenprofile und menschlichen Kulturschichten im Grabungsareal gut nachvollziehen. Bevor auch die Stege abgegraben wurden, mussten sie dokumentiert werden. Ist ein Profil nämlich einmal weg, kann es nicht mehr rekonstruiert werden. Mit seiner neuen Arbeitsmethode war er dazu in der Lage, seine Grabungen geordnet durchzuführen und übersichtlich seine Beobachtungen zu dokumentieren. Eine Ausgrabung ist immer auf eine nachvollziehbare Dokumentation der Befunde und Funde angewiesen. Schließlich zerstört sie auch die Kulturschichten, die sie erforscht. Wenn das nicht angemessen gemacht wird, ist man nicht besser als jeder andere "Schatzräuber".

Alfred Vincent Kidder

Alfred V. Kidder (1885-1963) verwendete Stratigraphien, um Entwicklungen in der Keramikherstellung zu studieren. Er hat sich seine stratigrafischen Beobachtungen gezielt zu nutze gemacht. Kidder dokumentierte genau, welche Gefäße er in den identifizierten Kulturschichtenschichten fand. Wenn man ein ausreichend großes Areal mit dieser Genauigkeit ausgräbt und eine repräsentative Masse an Keramik findet, kann man letztlich eine Keramikchronologie erstellen. Er konnte feststellen, wie sich die Keramiken von einer Schicht zur nächsten in ihrem aussehen bzw. ihrer Herstellungsweise veränderten.

 

Exemplarisch für dieses Unternehmen ist seine Grabung in Neu Mexiko. Dort erforschte er die Siedlung Pecos Pueblo. Diese eignete sich für sein Vorhaben gerade deswegen, weil sie nachweislich von 1540 bis 1840 besiedelt war. Sie hatte ca. 300 Jahre existiert und musste deswegen zahlreiche Schichten aufweisen. Er bemühte sich, den Fundplatz nach den Originalschichten auszugraben und nicht nach künstlichen 15cm-Straten/Plana. Bei den Fundobjekten wurden Tiefe und Schichtzugehörigkeit notiert. Diese Dokumentationsweise ist bürokratisch aber notwendig, wenn man ein Ziel verfolgt wie Kidder es tat. Er klassifizierte die Keramikfunde nach äußerlichen Merkmalen und erstellte Grafiken, die den prozentualen Anteil des jeweiligen Keramiktyps innerhalb einer Schicht aufzeigten. Diese Methode half ihm dabei, Entwicklungen im Bereich der Keramik zu erkennen und Chronologien aufzustellen.

Sir Robert Eric Mortimer Wheeler und Kathleen Kenyon

Der britische Archäologe Sir Mortimer Wheeler (1890-1976) gilt als einer der wichtigsten Erforscher der Induskultur. Er führte aber auch in England zahlreiche große Ausgrabungen durch. Zu den bekanntesten davon zählt wohl  Maiden Castle. Seine beim Militär erlernte Disziplin setzte er auch während seiner Grabungskampagnen mit Strenge durch. Neben seinen archäologischen Feldarbeiten machte er durch seine Grabungsmethoden auf sich aufmerksam.


Er organisierte seine Grabungsflächen ebenfalls in mehreren Planquadraten, die durch gleich große Stege voneinander getrennt waren. Die Grabungsfläche wurde also schachbrettartig gegliedert. Um dies zu erreichen, organisierte er die auszugrabende Fläche in einem Gitter mit identisch kleinen Quadraten. Diese Strategie wird als „grid method“ bezeichnet. Wheeler versprach sich davon einen übersichtlichen Ausgrabungsablauf und bessere Voraussetzungen für eine detaillierte Dokumentation.


Zusammen mit seiner Studentin Kathleen Kenyon führte er die „Wheeler-Kenyon-Methode“ ein. Diese Methode legt einen großen Wert auf das Erkennen und Durchnummerieren von Schichten. Das komplette Profil eines Befundes musste gezeichnet und die Schichten durchnummert werden. Jede der registrierten Kulturschichten spiegelt nach dieser Methode einen Zeithorizont wieder. Um diesen korrekt interpretieren zu können, müssen Artefakte nach Schichten getrennt dokumentiert werden.

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