Die Forschungsgeschichte zur Bronzezeit

Nachdem im 19. Jahrhundert die ersten Schritte zu einer groben Gliederung der Vorgeschichte durch das Dreiperiodensystem von C. J. Thomsen getan wurden, hatte man sich zunächst um eine feinere Chronologie der Steinzeit bemüht. Diese erfolgte durch die Unterscheidung von geschlagenen und geschliffenen Artefakten und der Einführung der Keramik als Indiz der Jungsteinzeit. In den 80er Jahren desselben Jahrhunderts wandten sich einige Prähistoriker der  bis dahin noch nicht näher untergliederten Bronzezeit zu und erarbeiteten für diesen Zeitabschnitt Chronologien. Während man für die relative Chronologie der Steinzeit auf Steinartefakte, und für die des Neolithikums auf Keramik zurückgegriffen hatte, musste man die Bronzezeit mittels anderer Artefakttypen einteilen. Wichtig sind Gegenstände aus Bronze gewesen wie etwa Nadeln, Beile oder Schwerter.

 

In der Bronzezeit entwickeln sich zahlreiche regionale Gruppen mit eigenen Formentypen. Dadurch ist kein einheitliches Chronologieschema für gesamt Europa möglich. Für die Bronzezeit wurden deswegen mehrere Chronologien entwickelt.

Evans und Montelius

Sir John Evans
Ein Portrait von Sir John Evans (1823-1908), aufgenommen um 1880. Quelle:

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Sir John Evans (1823-1908), einer der Ausgräber des minoischen Palastes auf Knossos, definierte zunächst 1881 die „Atlantische Bronzezeit“ in drei Stufen: früh, mittel und spät. Diese zeitliche Einteilung konnte aber nicht für ganz Europa gelten und musste für andere Gebiete neu definiert werden.
Vier Jahre darauf machte sich Oscar Montelius (1843-1921) daran, die Bronzezeit für den nördlicheren Teil Europas zu gliedern. Im Gegensatz zu John Evans verwendete er jedoch ein anderes Chronologiesystem. Er unterteilte nicht in früh, mittel und spät, sondern viel feiner, nämlich  in Periode I bis VI. Wie Evans, so konnte auch er keine absoluten Zahlen angeben und führte seine zeitliche Einteilung nur anhand von der Weiterentwicklung verschiedener Artefakte  mittels der typologischen Methode durch.

Tabelle 1: Leitformen der Nordischen Bronzezeit nach Montelius

Periode Leitformen
Periode I Flachbeile, Randbeile, dreieckiger Dolch mit Nietlöchern
Periode II Absatzbeil, Tüllenbeil, Vollgriffschwert mit ovaler Knaufplatte und massivem Griff, Fibel mit Bügel, Fibel mit Spiralscheiben
Periode III Absatzbeil, Tüllenbeil, Vollgriffschwert mit spitzovaler Knaufplatte, Fibeln mit verkürztem Bügel und verdickten Spiralplatten, Bronzedosen
Periode IV Gedrungenes Tüllenbeil, Vollgriffschwert mit Hörnerknauf, Plattenfibeln, Gürteldose mit Spitzboden und reichem Sternenmuster
Periode V Kleines Tüllenbeil mit geschweifter Schneide, Hufeisenfibel, große Gürteldose mit kugelförmig gewölbtem Boden
Periode VI Kleines Tüllenbeil mit geschweifter Schneide, Gürteldose mit eingearbeiteten Schlitzen und schlichtem Mäanderornament

Tabelle 2: Datierung der Nordischen Bronzezeit

Abschnit Zugehörige Perioden Absolute Datierung
Ältere Nordische Bronzezeit Periode I-III 1800-1100 v.Chr.
Jüngere Nordische Bronzezeit Periode IV-V 1100-730/20 v.Chr.
Späte Nordische Bronzezeit Periode VI 730/20-550/30 v.Chr.

Paul Reinecke

Für den mitteleuropäischen Raum entwickelte Paul Reinecke (1872-1958) 1902 eine Chronologie, für die auch er wiederum eine neue Terminologie anwandte. Er gliederte die Bronzezeit in die Stufen Bz A (für Bronzezeit A) bis Bz D, die heute als Reinecke Stufen bezeichnet werden (z.B. Reinecke Bz A). Er setzte sich später auch mit einer feineren Untergliederung der Eisenzeit auseinander, die er in die Hallstattstufen (abgekürzt mit Ha) A bis D aufteilte. Allerdings wurden seine Chronologien später noch einmal von anderen Prähistorikern überarbeitet, sodass heute nicht nur die Terminologie für die bronzezeitlichen Chronologien wegen der unterschiedlichen Begrifflichkeiten insgesamt sehr undurchsichtig und verwirrend ist, sondern auch noch die Synchronisierung der Chronologien schwer fällt. Anfangs ist es kompliziert, sich durch den mit der Zeit gewachsenen Dschungel an Chronologiesystemen zu arbeiten.

 

Wichtig ist heute, dass die Hallstattstufen Ha A und Ha B nicht eisenzeitlich sind wie es sich Reinecke zu Beginn gedacht hat. In diesen beiden Stufen gibt es zwar erste Eisenartefakte aber es sind an der Zahl noch zu wenig, als dass hier von einer richtigen Eisenzeit gesprochen werden kann. Damit sieht die Einteilung der Bronzezeit für Mitteleuropa heute folgendermaßen aus.
Frühe Bronzezeit: Reinecke Stufe A
Mittlere Bronzezeit: Reinecke Stufen B und C
Späte Bronzezeit: Reinecke Stufe D und sowie Ha A und Ha B

 

Seine Stufen wurden bis heute noch mehr verfeinert, sodass manche von Reinecke Bz A1 und A2 etc sprechen. Das sei nur kurz an dieser Stelle gesagt.

Tabelle 3: Gliederung und Leitformen der Bronzezeit

Zeit 2200-1550 B.C. 1550-1300 B.C. 1300-800 B.C.
Bezeichnung Frühbronzezeit Mittelbronzezeit Spätbronzezeit
Synonym Aunjetitzer Kultur Hügelgräberzeit Urnenfelderzeit
Reinecke Stufen Bz A1, Bz A2 Bz B, Bz C Bz D, Ha A, Ha B
Leitformen Scheibennadel Radnadel, Lappenbeil, Sichel Vasenkopfnadel, Mohnkopfnadel
  Rudernadel Rasiermesser, Messer Rixheimschwert, Antennenknaufschwert
  Flach- u. Randleistenbeil Schwert von Typ Asenkofen Griffzungenschwert, Riegseeschwert
  Horkheimernadel Nadel mit geripptem Kolbenkopf Schalenknaufschwert
  Schleifennadel   Endständiges Lappenbeil
  Zyprische Schleifennadel   Spiralplattenfibel mit spitzovalem Bügel
  Ösenkopfnadel   Goldhut von Schifferstadt
  Ösenhalsring   Goldhut von Ezelsdorf
  Aunjetitz Tasse    

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Müller-Karpe Grundzüge Früher Menschheitsgeschichte Band II -
Müller-Karpe Handbuch der Vorgeschichte. Band III -
Müller Nordische Altertumskunde Bd. I 180f., 218-242
Eggers Einführung in die Vorgeschichte 88-110
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