Mittlere Bronzezeit 1550 - 1300 v.Chr.

Der Grabhügel von Leubingen, er datiert allerdings in die frühe Bronzezeit.

Bestattungen

Die Mittlere Bronzezeit wird auch zu Recht als Hügelgräberbronzezeit bezeichnet. In den Bestattungssitten sind nämlich Hügelgräber am häufigsten festzustellen. Sie erreichten teilweise einen monumentalen Durchmesser von 10 bis zu 30 Metern, sodass sie mühelos auch aus weiter Entfernung sichtbar waren.

 

Derartig monumentale Grabbauten spiegeln nicht nur eine gesteigerte Totenverehrung wider, sondern sind auch ein Beweis für die zunehmende Hierarchiesierung und Stratifizierung der damaligen Gesellschaften. Nicht jedes Mitglied einer Gruppe erhielt ein solch überdimensionales Hügelgrab nach seinem Tod. Es wird sich bei den Bestatteten um hochrangige elitäre Personen mit großem Einfluss auf die Gemeinschaft gehandelt haben - könnte man meinen.

 

Die Beigaben und Trachten der Toten sind ausgesprochen reich und allein die Aufschüttung eines solchen Hügels bedarf einiger starker Männer. Zudem wird für einen besonders großen Grabhügel neben der Arbeitskraft auch viel Zeit benötigt. Eben wegen dieser Totenausstattung und der Größe der Hügel wird oft von "Fürstengräbern" gesprochen. Generell wird auch nach dem Tod nach dem sozialem Stand, dem Beruf und letztlich nach dem Geschlecht sortiert.

 

Natürlich wurden auch "einfache" Personen, Männer wie Frauen in Hügelgräbern bestattet. Allerdings erhielten sie keine übergroßen Hügelaufschüttungen wie andere, wohlhabende und einflußreichere Mitglieder einer Gruppe. Ihre Hügel waren "nur wenige" Meter hoch und ihre Grabinventare weniger umfangreich.

Die Frau von Onstmettingen

Dass nicht nur männliche Verstorbene unter aufwendigen Grabhügeln beigesetzt wurden, beweist ein Frauengrab aus Onstmettingen (Baden-Württemberg). Im 14. Jahrhundert vor Christus wurde dort nämlich eine Frau in einer Körperbestattung beigesetzt. Ihr Grab befand sich - der Zeit gemäß - unter einem Hügel. Das Besondere an diesem Befund ist die ungewöhnlich hohe Anzahl an Schmuckobjekten, die ihr mitgegeben wurden. Sie trägt nicht weniger als vier Armringe und zwei Armbergen. An einer Kette trug sie fünf weitere Amulette. Da allerdings nur drei davon eine Öse haben, könnten die übrigen zwei auch direkt an ihrer Kleidung angebracht gewesen sein.

 

Die zwei überlangen Nadeln hat sie vermutlich nicht zu ihren Lebzeiten getragen, das hätte ihre Bewegungsfreiheits sehr wahrscheinlich eingeschränkt. Wenn man sich mit solch langen Nadeln bückt oder vorbeugt, sollte man mit Stichen rechnen. Je nach Brustumfang hätte es zusätzliche Unbequemlichkeiten ergeben. Das Grabinventar ist im "Neuen Museum" (Berlin) zu sehen.

Materielle Leitformen

Radnadel
Radnadel.
Schwert vom Typ Asenkofen
Schwert vom Typ Asenkofen.

Archäologisch lassen sich ab hier Kurz- und Vollgriffschwerter fassen. Hinzu treten zu den Randleisten- und Absatzbeilen die so genannten Lappenbeile (siehe Bild). Sicheln werden in größeren Massen produziert und in umfangreichen Horten deponiert. Sie wurden wie die Ösenhalsringe in der frühen Bronzezeit mit großer Wahrscheinlichkeit wie eine Art Währung gehandhabt, da sie einheitliche Größen und Gewichte feststellen lassen. Das Aufkommen von Lanzen ist ein Beweis für die immer vielfältiger werdenden Waffen. Typisch für die mittlere Bronzezeit ist das Schwert vom Typ "Asenkofen". Da dennoch nur sehr wenige Menschen mit Schwertern beigesetzt wurden, kann man nicht davon ausgehen, dass es hierbei um eine Art Standardwaffe für jeden gehandelt hat, sondern um ein Prestigeobjekt. Das soll jedoch nicht heißen, dass es nicht zum Kämpfen oder gar Töten  nicht verwendet wurde, sondern durchaus zum Einsatz gekommen ist. Einige Schwerter deuten durch Abnutzungsspuren wie sie nur beim Kampf entstehen können darauf.

Zusätzliche Informationen

  1. Eine wichtige Leitform zur Erstellung von bronzezeitlichen Chronologien ist die Entwicklung der Nadel als Schmuckobjekt. Besonders für die mittlere Bronzezeit ist die sogenannte Radnadel markant.

  2. Dinkel und Roggen wurden für die Landwirtschaft domestiziert.

  3. Im skandinavischen Raum ist das Rassiermesser eine Leitform, mit der  zuverlässige Chronologien erstellt werden können.

  4. Betrachtet man aufkommende Kulturen, so sind folgende zu erwähnen: Lüneburger-Gruppe, Lausitzer Kultur, Süddeutsche Hügelgräberbronzezeit, Karpatenländische Hügelgräberbronzezeit, Bronze moyen, Terramarekultur, Atlantische Bronzezeit.

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Brockhaus Der Brockhaus Archäologie 118-122
Trachsel Ur- und Frühgeschichte 65-75
Badisches Landesmuseum Ur- und Frühgeschichte: Führer durch die archäologische Abteilung 61-82
Müller-Karpe Handbuch der Vorgeschichte. Band IV/1-4 -
Jockenhövel / Kubach Bronzezeit in Deutschland, Sonderausgabe -
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