Das Altpaläolithikum

Einleitung

Paläolithische Fundorte
Verbreitungskarte: eingetragen sind Fundorte, nach denen paläolithische Werkzeugkulturen benannt wurden, Grafik © Jan Ahlrichs 2012.
Homo habilis
Faustkeil aus dem Acheuléen, Zeichnung © Jan Ahlrichs 2009.

Die Bezeichnung „Paläolithikum“ ist ein archäologischer Fachbegriff, der von dem englischen Forscher John Lubbock maßgeblich geprägt wurde. Wenn man ihn in die deutsche Sprache übersetzt, dann bedeutet er etwa „Altsteinzeit“. Das Paläolithikum ist der älteste und längste Abschnitt in der Urgeschichte. Es beginnt mit den ersten Vormenschen Homo habilis und Homo rudolfensis vor 2,5 Millionen und endet parallel mit der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren und dem Beginn des Holozän.

 

In diesem Artikel sehen wir uns das Altpaläolithikum, also die "ältere Altsteinzeit" an. Aus diesem Wort geht schon hervor, dass das Paläolithikum in mehrere chronologische Stufen gegliedert wurde. Bei der Gliederung der Altsteinzeit (Paläolithikum) hat man sich hauptsächlich an so genannten Werkzeug-Industrien orientiert, welche stets zeitlich und räumlich zu fixieren sind. Diese Steinwerkzeuge sind meistens aus Feuerstein hergestellt worden, es gibt auch einige aus anderen Steinarten wie etwa Quarz. Aus dem Altpaläolithikum sind keine Knochen- und Geweihartefakte bekannt. Es gibt nur sehr wenige Funde von Holzartefakten. Zu den berühmtesten davon gehören die Speere von Schöningen. 

Gegliedert wurde das Paläolithikum in die Stufen Alt-, Mittel-, Jung-, sowie Spät-, bzw. Endpaläolithikum. Jede davon zeichnet sich durch besondere Leitformen aus, also häufig gemachte Funde von Artefakten, die für einen Zeitraum in einem Gebiet prägend sind. Wir werden nachher einigen Beispielen begegnen. 

 

Da weder vom Australopithecus afarensis noch vom Australopithecus africanus bekannt ist, dass diese Steinwerkzeuge eigens hergestellt und verwendet haben, werden diese beiden Vormenschen für dieses und die folgenden Kapitel nicht mehr von Bedeutung sein. Das Paläolithikum beginnt hier mit dem Auftreten der ersten von Menschen gefertigten Artefakten.

Oldowan

Wir beginnen mit dem Homo rudolfensis, dem ältesten bekannten Vertreter der Gattung "homo". Zeitgleich mit seinem Auftreten um 2,5 Mya ist die älteste Industrie namens Oldowan zu datieren. Benannt wurde diese Industrie von Mary Leakey 1968 nach Funden von dem eponymen Fundplatz in der Oldoway-Schlucht (bzw. Olduvai) in Tansania. Zu den charakteristischen Merkmalen gehören grobe Kernwerkzeuge wie Chopper oder Pebble tools. Solche Werkzeuge sind Steine, welche solange behauen wurden, bis ihr Kern eine gewünschte Werkzeugform erhielt. Ob mit den Abschlägen, die beim Beschlagen des Kerns abfielen, auch gearbeitet wurde oder diese gar selbst zu Werkzeugen weiterbearbeitet wurden, ist noch unklar.

Diese Werkzeuge wurden damals schon zum Schlachten von Tieren oder Bearbeiten von Holz verwendet.

Mit dieser schon verhältnismäßig komplexen Technologie trennt sich der früheste Mensch von den Menschenaffen ab. Die Menschenaffen sind zwar auch in er Lage, Werkzeuge herzustellen und zu verwenden aber nicht in dieser komplexen Form wie man sie beim Menschen sieht.

Developed Oldowan

Um 1,7 Mya fängt die darauf folgende Industrie namens Developed Oldowan an (weiter entwickeltes Oldowan). Diese zeichnet sich durch eine auffällige Zunahme an Abschlägen aus, auch wenn wieder nicht für alle dieser Industrie zugeordneten Fundplätze das Verwenden von Abschlägen als Werkzeug nachgewiesen werden konnte.

Acheuléen

Knochen aus Bilzingsleben
Ritzverzierter Knochen aus Bilzingsleben, eine Grafik von José-Manuel Benito. Quelle: Wikimedia.commons
Schädel aus der Sima de los Huesos
Ein 600.000 Jahre alter Schädel. Er gehörte einem Homo heidelbergensis. Gefunden wurde er in der "Sima de los Huesos", Sierra de Atapuerca (Spanien). Foto: José-Manuel Benito Álvarez.

Zeitgleich mit dem Developed Oldowan setzte um 1,7 Mya ebenfalls die Industrie des Acheuléen ein, in der Abschläge eindeutig als Werkzeuge verwendet wurden. Das Acheuléen ist die erste europäische Industrie des Paläolithikums und zugleich die am längsten andauernde. Gabriel de Mortillet prägte 1872 den Terminus Acheuléen unter Berücksichtigung der Funde von Saint Acheul. Sie endet erst ca um 250 Kya und erstreckte sich demnach grob über einen Zeitraum von 1,45 Millionen Jahren. Das bekannteste Werkzeug dieser Industrie ist der Faustkeil. Über den genauen Nutzen des Faustkeils wird seid langem diskutiert. Einige behaupten unter anderem, er sei kein Werkzeug gewesen, sondern aufgrund seiner Form ein Ausdruck frühen menschlichen Empfindens für Ästhetik und Schönheit.


Zu den bekanntesten altpaläolithischen Fundplätzen in Deutschland zählt Schöningen, Niedersachsen. Dort wurden inzwischen acht Speere aus Kiefernholz bzw. Fichtenstämmen gefunden, deren Länge bis zu 2,4 m beträgt. Sie sind mindestens 300.000 Jahre alt! Zur Zeit der Schöninger Speere hatte man sich des Feuers demnach bereits bemächtigt. Hinsichtlich der Oldowan-Industrie ist noch umstritten, ob man hier schon Feuer unter Kontrolle hatte. Befunde aus Kobi Fora werden dahingehend gedeutet, dass der Mensch das Feuer vor rund 1,5 Millionen Jahren zu beherrschen lernte. Diese Zahl schwankt jedoch wie viele andere Angaben mit jedem Dozenten und Lehrbuch in eine andere Richtung.

Out Of Africa I

Homo erectus
Der Schädel eines Homo erectus aus Koobi Fora, Kennzeichnung KNM-ER-3733. Sein Gehirnvolumen ist mit 850ccm dem des "Pekingmenschen" ähnlich. Er ist ca. 1,7 Millionen Jahre alt.
Homo pekingensis
Der Homo erectus wanderte bis nach China. Nach ihm wurde der Pekingmensch alias Homo penkingensis (erectus) benannt.

Zur Zeit des Acheuléen kam es zu einer Wanderung der Hominiden: der Homo ergaster (früher H. erectus; wichtiger Fund: "turkana boy") verließ als erster Mensch den afrikanischen Kontinent und wanderte über den Vorderen Orient nach Europa und Asien bis nach China. In Osteuropa und Asien entwickelte sich ein Acheuléen ohne Faustkeile. Das Warum ist noch nicht geklärt. Fundstellen in Spanien deuten darauf hin, dass er zudem über Nordafrika nach Europa gewandert sein könnte. Da der Meeresspiegel während der Eiszeit sehr flach war, ist dies durchaus möglich. Diese Wanderung vor rund 1,7 Millionen Jahren wird "Out Of Africa I" genannt. Die Datierung von 1,7 Millionen Jaren geht auf den Fund von Dmanisi (Georgien) zurück. Dort wurde der Schädel eines frühen Homo ergaster (erectus) gefunden.

 

Zur Klärung: der Homo erectus (wichtiger Fund: "Java-Mensch") entwickelte sich aus dem H. ergaster. Bei dem H. ergaster handelt es sich um eine frühe Form des H. erectus. 

Wichtig ist, dass die ältesten Fossilen Menschen außerhalb Afrikas auf 1,7 Millionen Jahre vor heute datiert werden. Über den Hintergrund, warum der Homo ergaster (erectus) Afrika verlies, wird zur Zeit noch spekuliert. Es ist auch nicht geklärt, ob diese Wanderung mit dem ersten Anlauf erfolgrech war. D.h. ob sich die "Auswanderer" erfolgreich fortgepflanzt haben oder eine Sackgasse darstellen, weil sie sich nicht erfolgreich verbreiten konnten. Dasselbe wird auch für "Out of africa II" diskutiert. Der moderne Mensch scheint mehrfach versucht zu haben, Afrika zu verlassen. 

 

Nach seiner Ankunft in Europa (zwischen 700 und 600kya erreichte er Nordeuropa) hinterlies er dort eine Menge an Spuren und einige besonders reiche Fundplätze. Zu diesen Fundplätzen gehören Schöningen in Niedersachen und Bilzingsleben in Thüringen. Dort wurden nicht nur Knochen vom Homo erectus selbst ("Homo bilzingslebensis"), sondern auch erste Hinweise auf runde Hüttenkonstruktionen entdeckt. Aber auch Arbeitsmaterialien und Artefakte wurden dort gefunden nebst riesiger Mengen an Knochen von erlegten Tieren.

Out Of Africa II

Homo sapiens
Ein früher Homo sapiens. Der "Homo rhodesiensis" (Rhodesienmensch) von Broken Hill 1. Der massive Schädel wurde 1921 in einem Steinbruch bei Kabwe in Sambia (nicht Samibia!) gefunden und ist ca. 150.000 Jahre alt.
Homo steinheimensis
Dieser Schädel wurde in Steinheim gefunden. Er des weist eine ausgeprägte Überaugenwulst auf. Man ist sich nicht darüber einig, ob es ein Homo heidelbergensis oder ein früher Neandertaler ist.

Um ca 100 Kya (Zeit des Mittelpaläolithikum) wanderte der Homo sapiens (wichtiger Fund: "Cro-Magnon-Mensch") von Afrika aus nach Europa und Asien: Out Of Africa II. Dieser moderne Mensch hatte sich in Afrika aus dem Homo erectus heraus entwickelt und erreichte als erster alle 5 Kontinente. Die ältesten Belege für den Homo sapiens datieren um 200kya in Afrika.

Manche Forscher gehen zunächst von einem "archaischen“ Homo sapiens aus, der sich aus dem Homo erectus gebildet habe und den Ursprung vom Homo sapiens und Homo neandertalensis darstelle. Andere zählen den Homo sapiens archaicus noch als Homo erectus und verwenden deswegen nicht diese Bezeichnung, sondern sagen, dass aus sich dem Homo erectus zwei Zweige entwickelt hätten: der Homo sapiens sapiens und der Homo neandertalensis. Ob es nun einen Homo sapiens archaicus gegeben hat, bzw. ob die Definition dieses „Menschentyps“ sinnvoll ist oder nicht, das ist eine fachinterne Diskussion. Sie wird dadurch erschwert, dass sich der Mensch kontinuierlich entwickelt hat und nicht über Nacht. Evolution ist ein langwieriger Prozess und es ist offenkundig nicht sehr einfach zu sagen, wann beispielsweise aus einem Homo erectus ein Homo sapiens archaicus geworden ist, oder ob diese Bezeichnung nicht doch überfällig ist. Im Kapitel zum Stammbaum des Menschen haben wir ein paar unterschiedliche Stammbäume zusammengestellt. Sie alle haben bestimmt ihre Berechtigung, letztlich muss sich hier jeder für seinen Favoriten entscheiden - und dies für sich begründen können. 

 

Über die Entwicklung und Vebreitung des Menschen wird noch diskutiert. Mitochondriale DNA-Analysen haben jedoch das Out-Of-Africa-Modell bisher bestätigen können und bewiesen, dass der Ursprung des modernen Menschen in Afrika liegt. Andere hatten mit dem Kandelaber-Modell behauptet, dass sich der Homo sapiens in den verschiedenen Regionen, in die der Homo erectus vorgedrungen war, aus diesem eigenständig herausentwickelt habe und umstritten, dass es nur einen Ursprung in Afrika gibt. Andere erweiterten das Kandelaber-Modell in das Netz-Modell um, indem sie doch einen geringen Genfluss zwischen den einzelnen Regionen vermuten.

Tabelle 1: Industrien des Altpaläolithikum

Zeit Industrie Leitformen
2,5 - 1,7 Mya Oldowan Kerngeräte, Chopper, Pebble tools,
    Abschlaggeräte umstritten
1,7 - 0,7 Mya Developed Oldowan Zunahme von Abschlägen,
    Faustkeile
1,7 - 0,25 Mya Acheuleen Faustkeile, Abschlaggeräte,
    Feuerstellen, Speere, Hütten umstritten
Es gibt auch altpaläolithische Industrien ohne Faustkeile in Asien und Osteuropa    
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