Das End/Spätpaläolithikum

Klima und Waffen

Woldenberg Horse
Diese Pferdefigur aus Bernstein wurde 1858 in Woldenberg gefunden (heute: Dobiegniew). Angaben über den Fundkontext gibt es leider keine. Das Original befindet sich seit 1945 als Kriegsbeute in Russland. Sie datiert vermutlich in das Spätpaläolithikum in den Zeitraum um 13.000-10.000 v. Chr. Die Datierung beruht u.a. auf der Ähnlichkeit mit dem Elch von Weitsche (vgl. Veil et al. 2012). Zeichnung © Jan Ahlrichs 2013.

Das End- oder Spätpaläolithikum wie es genannt wird, ist der Zeitraum von 12.000 bis 10.000 vor Christus. Von 12.000 bis 11.000 dauerte gab es die sogenannte Rückenspitzen-Gruppe, welche nach dem eponymen Werkzeug (Rückenspitze) benannt wurde. In diese Zeit fällt unter anderem die Erfindung der Pfeil und Bogen Technologie, mit der Tiere auf eine Distanz von bis zu 50m treffsicher gejagt werden konnten. Diese Waffe hatte außerdem eine beachtliche Durchschlagskraft. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, konnte mit einem Pfeil auch ein Schulterblatt durchlöchert werden. Nachdem man sich im Magdalénien mit Wölfen näher beschäftigt hatte, war es nun gelungen, den Hund endgültig zu domestizieren.  

In der Folgezeit zwischen 11.000 und 10.000 machte das Klima eine letzte drastische Wende ins Kalte. Dieser letzte Kälterückschlag wird als „Jüngere Dryas“ bezeichnet. In diesem Zeithorizont wurden vermehrt Stiel- anstatt Rückenspitzen hergestellt.

Treib- und Pirschjagd

Durchlochte und verletzte Tierknochen können nicht nur darauf hinweisen, mit welchen Waffen das jeweilige Tier erlegt wurde, sie liefern ebenfalls Informationen über den Jagdvorgang generell. Auf einem Fundplatz bei Stellmoor wurden zahlreiche Rentierknochen gefunden. Die dort gefunden Tierreste wurden von Jägern der Ahrensburger-Kultur zurückgelassen. Anhand der beschädigten Knochen und der Einschusswinkel konnte man rekonstruieren, dass die Tiere zum Teil im Wasser schwammen als sie beschossen wurden. Darauf weisen Einschüsse von vorn und im Bereich des Nackens bzw. des Halses. Normalerweise rennen Rentiere sofort weg und man kann sie dann nicht von vorn treffen. Treibt man sie jedoch in einen Fluss, werden sie zum Schwimmen gezwungen. Sie können nicht so schnell schwimmen wie sie rennen können. Deswegen kann der Jäger sie auch von vorn beschießen. Da beim Schwimmen nur Nacken und kopf aus dem Wasser ragen, weisen Einschüsse an eben diesen Stellen darauf hin, dass die Tiere beim Schwimmen erlegt wurden. 

 

Die Rentierknochen eines Fundplatzes der Hamburger-Kultur belegen eine andere Jagdstrategie. Bei der Auswertung der Rentierknochen von Meiendorf konnte eine Pirschjagd nachgewiesen werden. Die Tiere wurden von hinten oder von der Seite beschossen: man hatte sich also angeschlichen.

Tabelle 1: Industrien des End- bzw. Spätpaläolithikum

Zeit Industrie Leitformen
12 - 11 Kya Rückenspitzengruppen Pfeil und Bogen, Hundehaltung
11 - 10 Kya Stielspitzengruppen Ahrensburger Stielspitzen, Jüngere Dryas (Kälterückschlag)

Tabelle 2: Waffen und ihre Reichweiten

Waffe Reichweite in Metern
Lanze 3
Speer 15
Speer mit Schleuder 30
Pfeil und Bogen 50

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Behre Landschaftsgeschichte Norddeutschlands: Umwelt und Siedlung von der Steinzeit bis zur Gegenwart 295
Keefer Steinzeit 71f.
Klein The Human Career: Human Biological and Cultural Origins 672f.
Schnurbein Atlas der Vorgeschichte: Europa von den ersten Menschen bis Christi Geburt 34-41
Veil et al. A 14 000-year-old amber elk and the origins of northern European art. Antiquity 86/333, 2012 660-673.
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