Jungneolithikum: 4.400 - 3.300 v.Chr.

Im Jungneolithikum erkennen wir deutlich einen Wandel im Siedlungswesen der Neolithiker: die Häuser werden deutlich kleiner und stehen nun enger beieinander. Besondere Standorte sind Höhen-, Seeufer- und Moorsiedlungen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Federseemoor. Archäologisch wird eine zunehmende Spezialisierung und Arbeitsteilung innerhalb der Siedlungen sowie ein Geflecht wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den ienzelnen Siedlungen nachweisbar. Das Rad und der Pflug sind die wichtigsten Erfindungen dieser Zeit. Des weiteren ist ein deutlicher Aufstieg bei den "secondary products" wie Wolle, Milch, Butter, Käse und Quark und der Zugkraft bei Tieren zu verzeichnen. Diese rücken immer mehr in das Zentrum des neolithischen Wirtschaftens, nachdem sie bis dahin im Schatten der "primary products" stehen mussten.

 

Milch wurde von Kühen, Schafen und Ziegen gemolken. Der hoher Anteil an ausgewachsenen (adulten) weiblichen Rindern im Knochenmaterial ist ein Indiz dafür, dass sie länger am Leben gehalten wurden, um für die Milchproduktion verwendet werden zu können. Milch gibt den Menschen nämlich wesentliche Nährstoffe, die zum Leben wichtig sind. Darin sind Fette, Vitamine, Kohlenhydrate, Proteine und Mineralstoffe enthalten. Unter den Milchlieferanten waren die Rinder am bedeutendsten, weil sie am meisten Milch ablieferten konnten im Vergleich zur Milchproduktion bei Schafen oder Ziegen. Allerdings war die Milch der Schafe und Ziegen noch etwas nährstoffreicher als die der Rinder und wurde deswegen zur Produktion von Butter und Käse (vermutlich auch noch Quark) eingesetzt. Ein archäologischer Hinweis für diese Art der Verwendung von Milch sind die Siebgefäße.

 

Zusätzliche Neuerungen sind Steinkreise, Hengemonumente sowie Megalithengräber und Grabenwerke.

Typologie der norddeutschen Megalithgräber

Megalithgräber
Zusatz: "Dromos" ist ein verwendetes Synonym für "Eingang" bei Megalithgräbern.

Die Trichterbecherkultur (TBK)

TBK-Trichterbecher
Ein typischer Trichterbecher, Zeichnung © Jan Ahlrichs 2013.

In Norddeutschland entsteht um 4.200 v. Chr. auf dem Substrat der späten Ertebölle-Erllerbeck-Kultur, welche sich durch spitzbodige Kruke und Öllämpchen auszeichnet, die frühe Trichterbecherkeramik mit charakteristischen Trichterrand- und Ösenbechern. Ein Abbild typischer Trichterbecher ist auf dem Themenbild über dem Text.

 

Da die Trichterbecherkultur zahlreiche Elemente anderer Kulturen aufweist, ist ihr genauer Ursprung nicht konkret fassbar: Ihre Keramik ist typologisch mit der Michelsbergerkultur aus dem süddeutschen Raum und dem Chasséen (Nachfolger der La Hoguette Kultur) aus Frankreich verwandt. Die Architektur ist nicht nur wegen der Megalithik sondern auch wegen Beziehungen zum späten Lengyel sehr markant. Im späteren Lengyel wurden zunehmend an Langhäuser errinnernde Langhügelgräber errichtet.

 

Der Fundplatz Flintbek lässt vermuten, dass die TBK bereits über das Rad verfügte. In Flintbek fand man parallel verlaufende Spuren, welche als Radspuren eines Wagens gedeutet werden können. Leider fehlen weitere Hinweise, um letztlich sicher sein zu können. Der Befund wird von einigen Archäologen angezweifelt.

Mit der Entwicklung der Keramik wird die TBK in zwei zeitliche Abschnitte gegliedert. Der erste davon wurde bereits vorgestellt. In der zweiten Phase werden die Trichter auffallend breiter und mit Verzierungen geschmückt, zudem werden Amphoren hergestellt und Hammer- sowie Doppeläxte verwendet.

Die Michelsberger Kultur

Benannt wurde diese Kultur nach dem eponymen Fundplatz auf dem Michelsberg im Landkreis Karlsruhe. Sie zeichnet sich in ihrer Keramik durch häufig auftretende sogenannte Tulpenbecher und Ösenkranzflaschen aus. Dazu kommen Flaschen, Henkelkrüge, Schöpfer mit Lappengriffen, (umstrittene) Backteller, spitznackige Felsgesteinbeile, Töpfe mit Arkadenrändern, Hängegefäße mit abgesetzten Kelchrändern und horizontal durchlochten Schnurösen.
An zahlreichen Keramiken wurden zudem Markierungen gefunden, welche als Maßeinheiten für Salz gedeutet werden. Auffallend ist, dass insgesamt die Keramik überwiegend gar nicht verziert ist.

Hinsichtlich der Architektur sind die Grabenwerke mit den Palisaden, Wallanlagen und Toren zu erwähnen, welche auch für das gesamte Jungneolithikum ein Charakteristikum darstellen.

Die Kupferzeit

Badener Kultur
Aus der kupferzeitlichen Badener Kultur sind mehrere Wagenmodelle bekannt geworden. Dieses Exemplar wurde in Grab 177 auf dem Gräberfeld von Budakalász (Ungarn) gefunden. Es datiert ca. auf 3200 v. Chr., Zeichnung © Jan Ahlrichs 2014.

Da während des Jungneolithikums auch die ersten Kupferartefakte hergestellt wurden, wird dieses in denjenigen Gegenden, in denen solche Kupferartefakte gefunden wurden, als die frühe Kupferzeit bezeichnet. Der früheste belegte Kupferbergbau befindet sich in Südosteuropa im Karpatenbecken. Dort wurden in der Rudna Glava in Serbien Funde von Bergbauwerkzeugen, den so genannten Gezähen, getätigt und bei Aibunar konnte ebenfalls eine sehr frühe Kupfermine mit Hammeräxten aus Kupfer festgestellt werden.

Bei der Rudna Glava handelt es sich um einen Fundplatz, der in 450 Meter höhe auf einem Berg liegt, der einst einen Eisernen Hut als Gipfel gehabt haben muss. Dort wurden 30 Schächte gefunden, die bis zu 20 Meter in den Berg hineinführten. Prähistorische Menschen verfolgten unter großer Mühe die begehrten Kupferadern in das Innere des Berges. Da während der Wintermonate die Schächte nur schwer erreichbar waren und zahlreiche Horte von Gefäßen und Steingezäheensemble entdeckt wurden, geht man von einem saisonalen Abbau der Kupferadern aus. Der Abbau wurde durch die Methode des Feuersetzens nachweislich beschleunigt. Hierbei wurden große Holzstapel in die Schächte verfrachtet und dort abgebrannt. Die Hitze des Feuers sorgte für die Bildung von Spannungsrissen im Gestein, womit ein beschleunigter Vortrieb gewährleistet werden konnte. 

Kurze Forschungsgeschichte zur Kupferzeit

Kupferschlacke
Kupferschlacke.
Kupfer
Geschmolzenes Kupfer.

Nachdem Christian Thomsen die Vorgeschichte in eine Stein-, eine Bronze- und eine Eisenzeit eingeteilt hatte schrieb einige Jahrzehnte (1884) später bereits ein Prähistoriker namens Franz von Pulszky eine Monographie mit dem Titel „Die Kupferzeit in Ungarn“, nachdem er in Südosteuropa auf frühe Kupferartefakte gestoßen war. John Lubbock, der das Neolithikum mittels geschliffener Steinartefakte von denjenigen geschlagenen des Paläolithikums unterschieden hatte, war nicht der Meinung, dass von einer Kupferzeit gesprochen werden sollte. Noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stritten Gelehrte darüber, ob sie die Kupferartefakte in die Steinzeit mit einbeziehen oder von einer „Kupferzeit“ sprechen sollten.

Hermann Müller-Karpe und Jan Lichardus setzten sich für eine eigenständige Kupferzeit ein, weil ihrer Meinung nach zu dieser Zeit zahlreiche technologische und gesellschaftliche Veränderungen auftraten wie etwa das Auftreten von Rad und Wagen sowie von ersten domestizierten Pferden. Hermann Müller-Karpe widmete der Kupferzeit in seinem Handbuch der Vorgeschichte sogar einen ganzen Band (Band III in drei Teilbänden). Andere Forscher wiesen auf die mangelhafte Verbreitung der Kupfermetallurgie in Europa und dessen weiteren Gebrauch in der Bronzezeit hin und wollten deswegen nicht von einer eigenständigen Kupferzeit sprechen.  

 

Im Lauf der Forschungsgeschichte erhielt die Kupferzeit einige Synonyme, die hier kurz aufgezählt werden sollen. Im Vorderen Orient hat sich in der Forschung bereits die Kupferzeit fest integriert, wird dort allerdings Chalkolithikum (Griech. Χαλκός für Kupfer) genannt. In Europa spricht man von einer Steinkupferzeit oder dem Aeneolithikum (Lat. Aes für Kupfer).  

Cucuteni-Kultur

Aus der Linearbandkeramik entwickelte sich im Südosten Europas zunächst die Cucuteni-Kultur an der Moldau in Moldavien und in Rumänien. Der namengebende Ort Cucuteni ist ein kleines Dorf, das ca. 60 km westlich von Iași in Rumänien liegt. Bei den ersten Grabungskampagnen dort stieß man 1884/85 auf Siedlungsreste. Dabei wurden auch neolithische Steinartefakte und Keramik mit Verzierungen entdeckt, die man keiner der bis dahin bekannten Kulturen zuordnen konnte.

Die Cucuteni-Kultur datiert ungefähr in den Zeitraum von 4800 bis 3500 v. Chr. Sie wird heute in mehrere Stufen untergliedert: Das Prä-Cucuteni zeichnet sich durch Ritzverzierungen in der Keramik aus, die mit Holz- oder Knochenwerkzeugen durchgeführt wurden. Bemalungen gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. An das Prä-Cucuteni schließt das Cucuteni A an, welches eine trichrombemalte Keramik aufweist, d.h. es sind dreifarbige Gefäße. Darauf folgt das Cucuteni B mit einer sehr monochromen Keramik und zusätzlicher Tierornamentik. Mit der Cucuteni-Kultur lassen sich zudem erste Hügelgräber in Südosteuropa, Ockergräber sowie Pferdekopfzepter als Grabbeigaben verbinden.

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Brockhaus Der Brockhaus Archäologie 309-312
Trachsel Ur- und Frühgeschichte 55-65
Schnurbein Atlas der Vorgeschichte 70-72
Badisches Landesmuseum Ur- und Frühgeschichte: Führer durch die archäologische Abteilung 28-60
Müller et al. Periodisierung der Trichterbecher-Gesellschaften – Ein Arbeitsentwurf. In: M. Hinz - J. Müller (Hrsg.), Siedlung, Grabenwerk, Großsteingrab. Studien zu Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt der Trichterbechergruppen im nördlichen Mitteleuropa. Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung 2 (Bonn 2012) 29-33.
Müller-Karpe Handbuch der Vorgeschichte. Band III/1 198-202
Benecke Der Mensch und seine Haustiere : die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung. 127-136
Schmitz Typologische, chronologische und paläometallurgische Untersuchungen zu den frühkupferzeitlichen Kupferflachbeilen und Kupfermeißeln in Alteuropa 32-38, 176-178
Schmidt Cucuteni. an der oberen Moldau, Rumänien  
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