John Lubbock

1865 machte John Lubbock (1834-1913) als erster Prähistoriker den Unterschied zwischen dem bis dahin bekannten Paläo- und dem neuen Neolithikum. Er ordnete alle geschliffenen Steinartefakte dem Neolithikum und alle geschlagenen dem Paläolithikum zu. 

Angesichts dieser historischen Erkenntnis Lubbocks erlauben wir uns an dieser Stelle, durch Zitate aus seinem Buch "Prehistoric times", dem Sachverhalt etwas auf den Grund zu gehen. 

 

>>From the careful study of the remains which have come down to us, it would appear that Pre-historic Archaeology may be divided into four great epochs. 

Firstly, that of the Drift ; when man shared the possession of Europe with the Mammoth, the Cave bear, the Woollyhaired rhinoceros, and other extinct animals. This we may call the " Palaeolithic" period.

 Secondly, The later or polished Stone age; a period characterized by beautiful weapons and instruments made of flint and other kinds of stone, in which, however, we find no trace of the knowledge of any metal, excepting gold, which seems to have been sometimes used for ornaments. This we may call the " Neolithic" period.

 Thirdly, The Bronze age, in which bronze was used for arms and cutting instruments of all kinds. 

 Fourthly, The Iron age, in which that metal had superseded bronze for arms, axes, knives, etc. ; bronze, however, still being in common use for ornaments, and frequently also for the handles of swords and other arms, but never for . the blades. Stone weapons, however, of many kinds were still in use during the age of Bronze, and even during that of Iron.<< (Prehistoric times, Seite 2f.)

 

Seine Vorgehensweise bei dieser Unterscheidung ist sehr typisch für das 19. Jahrhundert. Er dachte sehr evolutionistisch und sah in den geschlagenen Artefakten ein Indiz dafür, dass deren Hersteller einer sehr alten primitiven Kultur angehört haben müssen, eben jenen „Höhlenmenschen“ (von ihm als sog. Cave-Men bezeichnet). 

 

Nachdem er zahlreiche Höhlenfundplätze in Westeuropa besucht hatte, war ihm aufgefallen, dass die „Höhlenmenschen“, welche darin gehaust haben sollten, zwar über einen Sinn für Kunst verfügten, was er an den Wandmalereien glaubte erkennen zu können, aber weder über Metallartefakte, domestizierte Tiere, Landwirtschaft oder jene polierten Steinartefakte verfügten. Diese beobachtungen erwogen ihn zu diesem Fazit: >> In considering the probable condition of these ancient Cave-men, we must give them full credit for their love of art, such as it was ; while, on the other hand, the want of metal, of polished flint implements, and even of pottery ; the ignorance of agriculture, and the apparent absence of all domestic animals, including even the dog, certainly imply a very low state of civilisation, and a very considerable antiquity.<< (Prehistoric times, S. 255)

 

Lubbock kommt in seinem Werk „Prehistoric times“ auch auf die Katastrophentheorie von Cuvier zu sprechen. Er nennt zunächst in einer Liste einige vorzeitliche Tiere, welche alle ausgestorben sein sollen. Zitat: >>The cave-bear (Ursus spelceus), The cave-hyaena (Hycena spelcea), The cave-tiger (Felis spelcea), The mammoth (Elephas primigenius), The woolly-haired rhinoceros (Rhinoceros tichorinm), The hippopotamus (Hippopotamus major), The Irish elk (Megaceros hibernicus), The musk ox (Ovibos moschatus), The reindeer (Cervus tarandus), The aurochs (Bison Europceus), The urus (Bos primigenim). 

The first seven of these appear to be entirely extinct, but as it is now evident that their disappearance was due to a gradual change of circumstances, rather than to any sudden cataclysm, or general destruction of life, it is also very improbable that their extinction was simultaneous.<< (Prehistoric times, S. 237) 

 

Mit diesem Satz schließt er sich den Entdeckungen von Boucher de Perthes an, welcher wenige Jahre zuvor das christlich-biblische Verständnis über die Geschichte des Menschen kritisiert hatte. Eine plötzliche Katastrophe, welche eine generelle Vernichtung alle Lebens zur Folge gehabt haben soll, hält auch er nach einer Diskussion seiner Beobachtungen für unwahrscheinlich. 

Édouard Lartet

Édouard Lartet
Édouard Lartet (1801-1871). Quelle: Wikimedia.commons
Henry Christy
Henry Christy (1810-1865). Quelle: Wikimedia.commons

Édouard Lartet (1801-1871) war ein vermögender französischer Jurist und Paläontologe. In der Höhle von Aurignac konnte er erstmals durch stratigraphische Beobachtungen beweisen, dass die „ältere“ und „jüngere“ Steinzeit in der Tat zwei unterschiedliche Zeithorizonte darstellen. Zuvor hatte man diese nur anhand der Artefaktformen differenziert. 

 

Lartet gliederte 1861 die Altsteinzeit auf der Basis von biologischen Leitfossilien. Er definierte schließlich vier unterschiedliche Perioden: die des Höhlenbären (Mittepaläolithikum), die des Mammuts (Jungpaläolithikum), die des Rentiers (Magdalénien) und letztlich die des Aueroschen (Neolithikum). Diese Bio-Stratigrafie konnte sich allerdings nicht nachhaltig durchsetzen, da sich die Prähistorische Archäologie mit urgeschichtlichen Menschen und ihren Hinterlassenschaften auseinandersezt. Deswegen ist es praktischer, wenn die Urgeschichte auch mittels menschlicher Hinterlassenschaften untergliedert wird und nicht mittels Tierknochen.

 

Lartet und Mortillet gehörten unter anderem auch der Generation an Prähistorikern an, die bei Grabungen in Höhlen auf jungpaläolithische Kunstobjekte stieß. 

Gabriel de Mortillet

Gabriel de Mortillet.
Gabriel de Mortillet (1821-1898). Quelle: Wikimedia.commons

Der französische Gelehrte Gabriel de Mortillet (1821-1898) führte zu dieser Zeit mittels einiger gefundener Artefakte eine typologische Gliederung der Altsteinzeit durch, die bis heute noch gültig ist und in nur einem einzigen Punkt korrigiert werden musste. Zunächst erkannte er nämlich folgende Perioden: ein Moustérien, ein Solutréen, ein Aurignacien und ein Magdalénien. 

Er hatte erkannt, dass das Aurignacien mit dem Magdalénien eine sehr eine Verbindung hatte. Das Solutréen liegt jedoch direkt zwischen diesen beiden Perioden. Mortillet hätte das auch durch stratigraphische Beobachtungen erkennen müssen, muss sich jedoch in irgendeiner Weise dagegen gesträubt haben, sodass er in einer überarbeiteten Chronologie 1883 das Aurignacien ganz wegfallen lies, vor das Moustérien aber noch ein Acheuléen setzte. 

 

Erst 1909 nahm der Prähistoriker Henri Breuil (1877-1961) das Aurignacien wieder in ein Chronologiesystem auf und setzte das Solutréen richtiger Weise zwischen das Aurignacien und das Magdalénien.

 

Auf seine Anregung hin fand 1866 der „Erste Internationale Paläo-Ethnologische Kongreß“ und im folgenden Jahr der „Zweite Prähistorische Kongreß“. 1868 wurde er Direktor im Museum st. Germain in Paris. 1878 ernannte man ihn an der „Ecole d’Anthropologie“ zum Professor. Seine umfangreichen Tätigkeiten machen ihn zu einem der bedeutendsten Prähistoriker in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Eggers Einführung in die Vorgeschichte 9-14,53-74
Evans et al. Celebrating the annus mirabilis. ANTIQUITY 83 (2009) 458–501
Lubbock Prehistoric times 2f., 60-82, 119-170, 237, 253-255
Menghin / Planck Menschen, Zeiten, Räume - Archäologie in Deutschland 150-155
Müller-Karpe Handbuch der Vorgeschichte Bd. I 1-7, 125
Müller-Karpe Handbuch der Vorgeschichte Bd. II/1 3, 199, 221, 403, 407, 563
Müller-Karpe Handbuch der Vorgeschichte Bd. III/1 230-233
Mortillet Classification Palethnologique -
O'Connor Finding Time for the Old Stone Age: A History of Palaeolithic Archaeology and Quaternary Geology in Britain, 1860-1960 -
Reid Moir Pre-palaeolithic man 9f.
Trachsel Ur- und Frühgeschichte 21-24
Trigger A History of Archaeological Thought 147-156
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