Die Höhle von Altamira

Jungpaläolithisches Lebensbild
Jungpaläolithisches Lebensbild aus dem Jahr 1876. Quelle: L. Figuier, Primitive man (New York 1876).

Entdeckung der Höhle von Altamira

Marcelino de Sautuola
Marcelino de Sautuola. Quelle: Wikimedia.commons
Maria de Sautuola
Maria de Sautuola. Quelle: Wikimedia.commons

Im Jahre 1869 wurde eine Entdeckung gemacht, die das Verständnis vom prähistorischen Menschen völlig verändern sollte. 

Damals verlief sich der Hund des Jägers Modesto Cubillas in eine bis dahin unbekannte Höhle in der Umgebung von Altamira - nahe der spanischen Stadt Santillana del Mar. Der Jäger meldete darauf dem Eigentümer und Edelmann Don Marcelino de Sautuola die Entdeckung auf dessen Gelände. Weil der Eingang verschüttet gewesen war, hatte er zuvor keine Kenntnis von ihr nehmen können. Er konnte sich sicher sein, dass er (nach dem Jäger) der zweite Besucher dieses Ortes war. Bei seinen ersten Streifzügen durch die finsteren Gänge fielen ihm die Wandmalereien zunächst gar nicht auf.

 

Zehn Jahre später zeigte er seiner fünfjährigen Tochter Maria die Höhle. Was ihm bis dahin entgangen war, fiel dem Mädchen schnell auf. Sie machte ihren Vater auf die Malereien aufmerksam. Dieser hatte sich inzwischen zu einem Hobbyarchäologen entwickelt und führte umgehend Grabungen durch. Dabei stieß er auf jungpaläolithische Werkzeuge. Er war sich sofort darüber bewusst, dass die Wandmalereien ein ähnliches Alter haben mussten wie die Funde, die er dort machte, weil die Höhle bis vor wenigen Jahren schließlich unzugänglich gewesen war. Er zog einen Professor für Geologie zu Rate, der ihn in der Vermutung über das hohe Alter der Malereien bekräftigte.

 

Alsbald bemühte sich de Sautuola um eine Publikation seiner Grabungserkenntnisse und einige Wandmalereien. In der anerkannten Fachwelt wurde er allerdings mit Ignoranz bestraft. Allen voran war es Émile Cartailhac, der den Bildern ihre Glaubwürdigkeit absprach und sie für nicht authentisch hielt. Es war der erste publizierte Fundplatz mit Wandmalereien, etwas vergleichbares aus dem Jungpaläolithikum hatte man zuvor noch nie gesehen. Deshalb blieb die Fachwelt bei diesem Erstlingsfund, der zudem von einem unbekannten Laien gemacht wurde, umso skeptischer. 23 Jahre lang wurde de Sautuola ignoriert und für einen Lügner gehalten. Erst als andere Höhlenmalereien bei Chabot, La Mouthe, Pair-non-Pair und Font-de-Gaume gefunden wurden, mussten Émile Cartailhac und seine Kollegen einsehen, dass es keine Fälschung war. 1902 entschuldigte sich Cartailhac in einem Aufsatz bei de Sautuola und beendete damit den Streit um die Echtheit der Höhlenmalerei. Zu aller Ironie setzte sich er, der an Altamira am längsten gezweifelt hatte, mit einer neuen Publikation der Höhle selbst ein Denkmal.

 

Kurz nachdem Cartailhac seinen Aufsatz mit der Entschuldigung veröffentlicht und das Alter anerkannt hatte, wurden in Abständen weniger Wochen neue Höhlenmalereien in Spanien und Frankreich gefunden. In den folgenden Jahren wurden noch hunderte von Höhlen mit Malereien gefunden.

Die Herausbildung einer neuen Disziplin

Im letzten Abschnitt des 19. Jahrhunderts erkannten Wissenschaftler, vor allem ist das "Universaltalent" Rudolf Virchow (1821-1902) zu nennen, dass nur eine Einheit von Urgeschichte, Anthropologie und Ethnologie für die wissenschaftliche Erforschung der Vorgeschichte Erfolg versprechen kann. D.h. die Vorgeschichtforschung ist auf die Naturwissenschaften und deren Methoden angewiesen. Für Rudolf Virchow stand fest, dass die Prähistorische Archäologie allein nicht effektiv arbeiten konnte. Die Fächer Botanik, Anatomie, Geologie, Zoologie und Astronomie leisten mit ihren Methoden und theoretischen Ansätzen einen wichtigen Beitrag zur Beantwortung ur- und frühgeschichtlicher Fragestellungen. 

 

Mit dieser Annahme hat Virchow letztlich auch richtig gelegen. Heute bedient sich die Prähistorische Archäologie wie keine andere Archäologie in einem sehr hohen Maße an naturwissenschaftlichen Methoden. Ein Beispiel ist die absolute Datierung durch die Radiokarbondatierung oder die Dendrochronologie. Sie bleibt jedoch letztlich eine Geisteswissenschaft bzw. nach Eggert eine historische Kulturwissenschaft, weil sie eine archäologisch-historische Zielsetzung hat. 


Neben diesen neuen Erkenntnissen wurden zahlreiche chronologische Ordnungssyteme wie etwa die Typologie (siehe Chronologie) entwickelt. Wichtige Männer waren dabei Hildebrand, Montelius, Reinecke und Tischler. Der deutsche Archäologe Friedrich Klopfleisch gliederte das Neolithikum und verwendete dazu Keramik. Er definierte auch die Band- und Schnurkeramik.

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Eggers Einführung in die Vorgeschichte 9-14,53-74
Trachsel Ur- und Frühgeschichte 21-24
Müller-Karpe Handbuch der Vorgeschichte Bd. 1 1-7
Bandi et al. Die Steinzeit. Vierzigtausend Jahre Felsbilder 9f.
Eggert Archäologie: Grundzüge einer historischen Kulturwissenschaft 25, 44
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