Arbeitsgänge auf einer Ausgrabung

Kelle. Foto © Jan Ahlrichs 2009.

Fläche abstecken

Abstecken der Grabungsfläche. Foto © Jan Ahlrichs 2009.

Zu Beginn der Grabungsarbeiten wird zunächst die Fläche abgesteckt. Dabei wird darauf geachtet, dass die Fläche rechteckig ist. Eine rechteckige Fläche kann leichter abgesteckt und vermessen werden. Die Ecken des Schnittes werden mit dicken rot gefärbten Nägeln oder Pflöcken markiert und diese mit roten Schnüren verbunden. Diese Schnüre werden im Verlauf der Grabungsarbeiten nicht entfernt. Die markieren die mit dem Gutsbesitzer und den Behörden abgesprochene Grabungsgrenze, über welche nicht hinausgegraben werden darf. Die Nägel/Pflöcke können im Anschluss mit einem Tachymeter eingemessen werden, um später im AutoCAD dargestellt werden zu können.

Humus abtragen

Darauf folgend, wird der Humus und der eventuell darunter befindliche Mergel abgetragen und mindestens in einem Meter Entfernung zur Grabungsfläche zu einem Abraumberg aufgeschüttet. Dabei ist es nützlich, die Grassole getrennt zu lagern, um nach dem Schließen der Fläche den ursprünglichen Zustand der Wiese o.ä. wiederherstellen zu können. Auch der Humushorizont sollte getrennt aufgehäuft werden, insbesondere wenn die Grabung auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche stattfindet. Wenn nach Abschluss der Grabung der anstehende Boden zuerst in die Fläche geschüttet wird, danach der Humus und zuletzt die Grassole aufgetragen wird, kann sich der Boden schneller "erholen".

Putzen des Planums
Im oberen Teil ist es fein geputzt: Befunde sind erkennbar (dunkle Färbungen). Im unteren Bildabschnitt sind noch keine befunde erkennbar: das Planum ist nicht geputzt. Foto © Jan Ahlrichs 2009.

Ist das Sediment soweit abgetragen, dass die darunter gelegene Kulturschicht erreicht ist, wird zunächst nicht weiter abgetragen, sondern das entstandene Planum fein geputzt. Nach dem Feinputz werden zahlreiche Befunde erkennbar sein. Diese gilt es nun mit Befundnummern zu versehen.

Quadranten einteilen, zeichnen

Nivelliermesslatte
Eine Nivelliermesslatte wird als Maßstab zum Fotografieren eines Quadranten verwendet. Foto © Jan Ahlrichs 2009.

Zur besseren Übersicht kann das fein geputzte Planum in gleich große Quadranten eingeteilt werden.

Die Quadranten werden nach einer Befeuchtung mit der Gloria fotofertig gemacht. Dazu werden ein großer Maßstab, ein Nordpfeil und eine Fototafel mit den entsprechenden Informationen auf den Quadranten gelegt. Fototafel und Maßstab sind im rechten Winkel zueinander und liegen am Rand, nicht mitten auf der zu fotografierenden Fläche! Nach dem Fotografieren wird der Quadrant gezeichnet. Der Maßstab (M) der Zeichnung variiert mit der jeweiligen Größe des Quadranten von 1:10 über 1:20 bis zu 1:50.

 

Die identifizierten Befunde werden auf den Zeichnungen mit der ihnen zugeteilten Befundnummer und dem dazugehörigen, einnivellierten Höhenwert eintragen.

 

Wenn man sich auf einer Grabung befindet, bei der eine größere Fläche geöffnet wurde (z.B. 30x30m), dann werden in der Regel aus Zeitgründen keine Quadranten gezeichnet. In diesem Falle kann die Fläche dennoch in Quadranten eingeteilt und komplett fein geputzt werden. Allerdings werden hier nur die Plana der Befunde nach dem Putzen gezeichnet und nicht die vollständigen Quadranten. Das Zeichnen dieser großen Flächenabschnitte dauert je nach Anzahl der freigelegten Befunde bei hoher Genauigkeit - und diese wird angestrebt - einige Stunden. Daher sollte abgewogen werden, ob es zeitlich möglich und allgemein notwendig ist, diese Zeichnungen anzufertigen oder ob ein Foto eventuell ausreicht.

Befunde schneiden

Profil
Das Profil wird vorsichtig mit einer Kelle angelegt. Foto © Jan Ahlrichs 2009.

Anschließend wird eine rote Schnur quer über den Befund gezogen und mit zwei Nägeln befestigt, diese Schnur teilt den Befund in zwei Hälften. Die Anlage des Profils wird auf der Zeichnung des zugehörigen Quadranten eingetragen. Eine der beiden Hälften (als Sektor A bezeichnet) wird senkrecht geschnitten, um ein komplettes Profil zu erhalten. Anhand des Profils kann der Befund letztlich besser gedeutet werden, da Pfostenlöcher, Vorratsgruben, Abfallgruben oder Brunnen unterschiedliche Formen und Artefakte beinhalten. Der Befund wird solange geschnitten, bis dessen Profil vollständig freigelegt wurde. Gemachte Funde werden nach Material (Kohle, Silex, Knochen, Keramik etc.) eingetütet und durch einen beigefügten Fundzettel gekennzeichnet.

Profile fotografieren

Das freigelegte Profil wird fein geputzt und mit der Gloria besprüht, sodass es letztlich frei von Verunreinigungen ist und sich der Befund durch die leichte Befeuchtung von dem anstehenden Boden abhebt. Nun wird die rote Schnur mit ihren Nägeln entfernt, dafür jedoch ein Maßstab und eine Fototafel aufgestellt. Die Fototafel trägt folgende Informationen: Ort, Schnittnummer, Sachkatalognummer (Sk.-Nr.), Maßstab, Datum, Befundnummer, Höhepunkte der Nägel der roten Schnur, Zeichner und die Profilausrichtung (Nord, Ost etc.). Sie wird möglichst mittig oben auf die Profilkante gestellt. Ein Meterstab wird in die linke oder rechte Ecke in den Profilkasten gestellt und soweit aufgeklappt, dass er leicht über die Profilkante hinausragt. Im Hintergrund des Bildes dürfen weder Werkzeuge, noch Abraum aus dem Profilkasten oder Arbeiter, Tiere oder ähnliches zu sehen sein. Das Profil muss senkrecht fotografiert werden, Schrägaufnahmen sind zu vermeiden!

Profile/Plana zeichnen

Nach dem Fotografieren des Profils wird es gezeichnet (mit Kolorierung) und beschrieben. Bei der Beschreibung werden Form und Farbe des Befundes wie auch Konsistenz berücksichtigt. Die Farbe wird mit der Munsell-Farbtafel bestimmt, dadurch ist ein Standard gegeben, der jederzeit nachvollzogen werden kann und konfuse Angaben von den Beschreibenden über die Farben können vermieden werden.

 

Bei der Zeichnung werden ebenfalls Standards eingehalten. Dazu gehört beispielsweise der Maßstab der Zeichnung. Dieser liegt in der Regel bei 1:20 oder 1:10. Zum Zeichnen wird wieder eine rote Schnur mit Nägeln im Profilkasten angebracht. Dabei müssen die zwei verwendeten Nägel auf derselben Höhe sein. Diese wird dem Nivelliergerät und der Nivellierlatte festgelegt und auch Informationen nicht fehlen: Ort, Schnittnummer, Sachkatalognummer (Sk.-Nr.), Maßstab, Datum, Befundnummer, Höhepunkte der Nägel der roten Schnur, Zeichner und die Profilausrichtung (Nord, Ost etc).

 

Gezeichnet wird zunächst mit einem Druckbleistift. Der Zeichner kann sich an der roten Schnur orientieren und von ihr aus mit einem Meterstab markante Punkte von Umrissen etc ablesen und auf der Zeichnung eintragen. Hat er/sie alle Wichtigen Umrisse etc eingetragen, kann er/sie mit dem Kolorieren beginnen. Für die Kolorierung der Zeichnung gibt es ebenfalls Standards, die einzuhalten sind. So wird Silex beispielsweise immer blau gezeichnet. Bei den Buntstiften handelt es sich zudem generell um die Farber-Kastell Polychromos, da Buntstifte unterschiedlicher Hersteller alle verschiedene Farbwerte besitzen.

 

Nach der Zeichnung wird die zweite hälfte des Befundes (Sektor B) ausgenommen. Alle hierbei gemachten Funde werden wieder nach Material eingetütet und mit Fundzetteln versehen.

 

Im späteren Verlauf der Grabung oder erst in der Fundbearbeitung, werden die Funde gewaschen, beschriftet und eventuell gezeichnet und fotografiert.

Die Wahl der Farben

Objekt Farbe
Schwarze Verfärbungen Grau
Holzkohle Schwarz
Keramik Rot
Brandlehm/Hüttenlehm Orange
Knochen von Tieren oder Menschen Gelb
Organische Reste Grün
Silex(Flint/Feuerstein) Blau
Befund umgebenden Löß Ockergelb
Metall Violett
Tiergänge Schraffiert, Umrisse gestrichelt
Sandstein, Gerölle o.ä. Keine Schraffierung, nur Umriss
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