Archäologische Quellen

Lesefunde

Derartige Funde werden an der Erdoberfläche, ohne zusätzlich angewandte Methoden, gefunden. Dabei kann es sich beispielsweise um Münzen oder Tonscherben auf Äckern und Feldern handeln.

Verkehrsmittel und Wege

Hierzu gehören alle Hinterlassenschaften, welche einen direkten Güteraustausch und eine Kommunikation von räumlich weit voneinander entfernt lebenden Menschen bezeugen. Dabei handelt sich unter anderen um Transport- und Verkehrsmittel wie Boote oder Wagen, Straßen oder Brücken etc. So wurden seit dem Neolithikum in Moorgebieten Niedersachsens hölzerne Moorwege erbaut, um diese eher "verkehrsfeindliche" Gegend benutzbar zu machen. Der älteste bekannte Pfahlweg trägt die Kennzeichnung XXXI und wurde in dem Großen Moor am Dümmer entdeckt. Er datiert auf 4682 v. Chr.

Für einen festen Wege- und Brückenbau sind beispiesweise die Römer bekannt. 

Siedlungen

In einer Siedlung treffen fast alle Fundkategorien aufeinander. Aufbau, Lage und Struktur einer Siedlung lassen auf die gesellschaftliche Organisation Rückschlüsse ziehen. Komplexe und hierarchisierte Gesellschaften spiegeln sich in dem Aufbau ihrer Siedlungen durch zentrale Gebäude und Zonen mit bestimmten Funktionen wie etwa Werkstätten, Verwaltungsgebäuden, Speicherbauten, Wohnhäusern, Schmieden etc. Bei der Analyse einer Siedlung müssen Kriterien wie der naturräumliche Zusammenhang, in den sie eingebettet ist und die innere Struktur sowie äußere Umstände, also in welchem politisch/sozialem Kontext sich diese Siedlung zu ihren Nachbarn befindet, berücksichtigt werden. Nur durch eine derartig aufwändige Untersuchung, welche alle genannten Punkte berücksichtigt, kann ein klares Bild von der Siedlung gewonnen und erklärt werden, warum sie sich wann wie entwickelte.

Im archäologischen Befund definiert sich eine Siedlung durch Haus- und Brunnenbefunde, Zäune, Mauern, Gruben und Speicherbauten. Dazu zählen im Grunde noch Feuer- und Kochstellen sowie Backöfen.

Werkstätten

Unter diese Kategorie fallen alle diejenigen Orte, an welchen wirtschaftliche und handwerkerische Tätigkeiten nachweisbar sind, sei es direkt oder indirekt. Plätze, an denen Rohmaterial gewonnen (Bergwerke) und verarbeitet wurde sowie Orte, an denen tierische oder auch pflanzliche Nahrung gewonnen und aufarbeitet wurde, gehören ebenfalls in diese Kategorie. Ein paläolithischer Werkplatz würde beispielsweise eine Vielzahl an Abschlägen aufweisen, welche bei der Herstellung von Steinartefakten zurückbleiben. Ein Werkplatz kann  ebenso ein Rennfeuerofen (Verhüttung von Eisen) oder ein Befund mit Hammerschlag sein, welcher zur Gewinnung/Verarbeitung von Eisenschlacke verwendet wurde.

 

Werkplätze sind in der Regel direkt in Siedlungen oder aber nur wenig außerhalb anzutreffen. Plätze, an denen Eisen verhüttet wurde, befinden sich tendenziell eher außerhalb einer Siedlung, da hierbei eine hohe Brandgefahr besteht und man nicht die umliegenden Häuser dieser Gefahr aussetzen wollte. Schmiedeplätze dagegen können innerhalb einer Siedlung liegen. 

Horte und Depots

Werden mehrere Sachgüter "auf einem Haufen" oder in einer dafür angelegten Grube gefunden, so spricht man von einem Hort bzw. Depot. Man geht davon aus, dass Horte/Depots so angelegt wurden, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder geöffnet und die vergrabenen Objekte herausgeholt werden konnten. Sie hatten demnach eine "Aufbewahrfunktion" für einen bestimmten Zeitraum. Die Gründe für das Anlegen eines Hortes oder Depots können sehr verschieden sein. Oft geht man davon aus, dass diese in unsicheren Zeiten angelegt wurden, um Wertgegenstände vor Dieben oder Plünderern zu schützen. Andere vermuten, dass sie für Händler oder Handwerker angelegt wurden, welche Waren/Rohstoffe auf Vorrat halten wollten. Bronze wurde in Form von Beilen oder Ösenringen verhandelt. Die Auswertung und Interpretation von Horten und Depots geht jedoch letztlich mit jedem individuellen Fundplatz eigene Richtungen und muss speziell untersucht werden.

Kultstätten

Diese archäologische Quelle besitzt eine enorme Spannweite, je nachdem wie der Begriff des Kultes überhaupt definiert, aufgefasst bzw. nachgewiesen werden will. Derartige Stätten können quasi überall sein und mehr oder weniger auffällig, weshalb sie nur sehr schwer nachweisbar sind. Gerade bei dieser Kategorie muss sehr vorsichtig vorgegangen werden, besonders bei der Argumentation und der Auswertung der Funde und Befunde und nicht nach dem Motto: >>Fällt uns dazu nichts anderes ein, muss es kultisch sein.<< Dergleichen können sich nur Esoteriker erlauben, Archäologen und Wissenschaftler sollten tunlichst davon Abstand nehmen.

Kultstätten können je nach Kultur und Zeithorizont u.a. eine auffällige Architektur besitzen oder sich durch besondere Fundstücke eines nicht-alltäglichen Charakters ausweisen. Kultstätten können allerdings ebenso markante Punkte innerhalb einer Landschaft sein wie etwa das "Heidentor" bei Egesheim oder Quellen etc.

Gräber

Megalithengrab
Megalithengrab im Seemoor bei Hambergen, Niedersachsen, © Jan Ahlrichs 2009.
Porsmose-Schädel
Der Schädel von Porsmose wurde 1946 bei Torfabreiten auf Seeland (Dänemark) entdeckt. In dem Gesicht des Individuums steckt eine 106mm große Knochenpfeilspitze. Der Mann starb im späten Jungneolithikum um 3500 v. Chr. offensichtlich eines gewaltsamen Todes. Ein zweites 127mm langes Geschoss traf ihn überhalb des Brustbeins und verletzte ihn dabei tödlich an der Halsschlagader. Zeichnung © Jan Ahlrichs 2011.

1.) Bestattungsriten
Hier unterscheidet man zwischen Körperbestattungen, also solchen, bei denen der Körper intakt unter die Erde kommt und Brandbestattungen, bei denen der Leichnam verbrannt wird und der übrige Leichenbrand beigesetzt wird. In manchen Gräbern lassen sich beide Praktiken zugleich nachweisen, weshalb man dann von birituellen Bestattungen spricht.

Sowohl die Körper als auch die Brandbestattungen werden in mehrere Untergruppen gegliedert.

Zu den Körperbestattungen:
Hier agieren drei Variablen in unterschiedlicher Weise miteinander und bestimmen den Ritus. Zum einen die Gesamtheit des Skelettes. Dies kann zum Teil komplett, unvollständig oder nur durch ausgewählte Knochen wie etwa den Kopf repräsentiert werden. Schließlich die Lage des Toten selbst, welche gestreckt oder gehockt sein kann und letztlich gibt es ein entsprechendes Behältnis, in dem sich der Leichnam befinden kann, welches natürlich in Abhängig zu den beiden vorherigen Faktoren steht. Beispielsweise wird Leichenbrand für gewöhnlich in Urnen und nicht in Särgen bestattet.

Zu den Brandbestattungen:
Befindet sich der Leichenbrand nicht in einem Gefäß, so wird dieser oftmals in einer Brandgrube, einem Knochenlager oder in einem Bustum beigesetzt.
Wenn der Leichenbrand in einem Gefäß beerdigt wird, dann in der Regel in einer Urne. Diese wiederum wird anschließend in einer Brandschüttung, einem Dolium oder in einem Glockengrab beigesetzt, wahlweise mit oder ohne zusätzlichem Steinschutz.

2.) Bestattungsformen
Hier werden vier Kategorien genannt, welche die Form der Beisetzung beeinflussen. Man muss zunächst das Kriterium des Beerdigungszeitpunktes beachten, denn hier kann es sein, dass zum selben Moment in einem Grab eine Einzel-, eine Doppel- oder eine Mehrfachbestattung durchgeführt wurde. Werden mehrere Tote über einen längeren Zeitraum nacheinander in einem Grab deponiert, so spricht man von einem Kollektivgrab. Mitunter kann es sich um eine mehrstufige Beisetzung handeln, in der der Tote zunächst an einem Ort zwischengelagert wird, ehe er in seinem eigentlichen Grab zur Ruhe gelegt wird.

3.) Grabformen
Die äußere Erscheinung eines Grabes kann sehr variieren. Es gibt sehr auffällige Bauten wie etwa Megalithgräber oder Hügelgräber aber auch unauffällige Flachgräber oder Felsgräber.

Kunst in Höhlen und an Felsen

Altamira
Wandbilder aus Altamira (Parkyn 1915: Abb. 126).

Malereien mit Farbe oder Gravierungen, also in den Fels eingearbeitete Bilder. Gravierungen finden sich nicht nur in Höhlen, sondern auch an Steinen und Felsen unter freiem Himmel, während Malereien hingegen eher unter Tage in Höhlen und an Felsdächern zu finden sind. Die Datierung von Felsbildern erfolgt direkt bei Malereien, indem die verwendete Kohle oder Farbe mit der 14-C-Methode datiert wird. Indirekt versuchen Forscher, diese Bilder durch stilistische Entwicklungen zu datieren. Beide Methoden weichen in ihren Ergebnissen oft voneinander weit ab, wobei nicht zuletzt das subjektive Moment bei der stilistischen Bewertung/Einordnung von Malereien/Gravierungen zu bedenken ist.

Inhaltlich sind diese künstlerischen Abbildungen aus der Vergangenheit schwer auszuwerten, weil oft mehrere Deutungen offen gelassen werden und zudem nicht gesagt werden kann, was von dem Gezeigten ein Abbild der Realität darstellt und was eine Erfindung des "Künstlers" ist. Dies führt zu zahlreichen sehr unterschiedlichen Interpretationen von derart alten Bildzeugnissen, die besonders bei Esoterikern zu unglaublich fantasievollen Ergebnissen - von denen man sich distanzieren sollte.

Wichtige Begriffe

Begriff Bedeutung
Fund Ein konkretes Objekt.
Befund Kontext von Funden bzw. ein Struktur, z.B. ein Grab, eine Grube oder eine Feuerstelle.

Dokumentation von Keramik und Steinartefakten

Thema Link
(SDS) Systematische und digitale Erfassung von Steinartefakten jungsteinsite.uni-kiel.de
(Nonek) Nordmitteleuropäische Neolithische Keramik nonek.uni-kiel.de
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