Kritik an archäologischen Quellen

Äußere Quellenkritik

Ur- und Frühgeschichte Quellen können bei guter Erhaltung und bei einer gut dokumentierten Grabung viel über die Vergangenheit erzählen. Wird eine Quelle aus ihrem Kontext gerissen, ohne dass dieser dabei eine Dokumentation stattfindet, verliert sie maßgeblich an Wert für die Vorgeschichtsforschung. In diesem Rahmen ist es verständlich, dass sämtliches Material aus Raubgrabungen für spätere Forschung nur noch sehr bedingt nützlich sein kann.

 

Bevor eine Quelle für Fragestellungen und Untersuchungen in Betracht gezogen werden kann, ist es erforderlich, dass sie zunächst einer strikten äußeren Quellenkritik unterzogen wird. Äußere Quellenkritik bedeutet, dass eine lückenlose Dokumentation seit dem Zeitpunkt der Auffindung vorliegen muss. Dies schließt als erstes den Fund (was liegt vor?) an sich ein, dann die Art der Überlieferung, das heißt wie wurde es in die heutige Zeit überliefert - schriftlich oder nicht. Zu der äußeren Kritik gehört zusätzlich die Erwähnung des Fundortes, der Fundumstände (z.B. Bauarbeiten) und der Grad der Vollständigkeit des Fundes. Daraus lässt sich die Echtheit der Quellen erschließen. Ist der vorliegende Fund nicht echt, hat er für archäologische Forschungen keine weitere Bewandtnis und gehört im Prinzip auf den Müll.

Innere Quellenkritik

Ist eine Quelle allerdings echt, wird sie anschließend einer inneren Quellenkritik unterzogen. Diese dient dazu, den Aussagewert und damit den gesamten Quellenwert mit seinem für die Wissenschaft vorhanden Potential zu ermitteln. Wesentliche Bestandteile hierbei sind die Fundumstände, die Auffindungsverhältnisse, die Quellenart an sich (Grab, Hausgrundriss, Höhlenmalerei etc.), der regionale Kontext (sind andere Quellen derselben Art in diesem Gebiet bereits bekannt?) und schließlich und endlich die Art der Gewinnung der Quelle.

 

Nach der inneren Quellenkritik kann die Quelle letztlich in Fragestellungen einbezogen werden, weil sie etwa aufgrund ihrer Seltenheit wie die Himmelsscheibe von Nebra ein großes Erkenntnispotential innehat.

 

Mit entsprechender Kritik sollten Archäologen aber nicht nur den Quellen, sondern auch sich selbst und der Argumentation anderer Autoren gegenübertreten. Wird ein Fundstück ohne die nötige Prüfung in die Beantwortung einer Fragestellung einbezogen, ist die gesamte daraus resultierende Antwort vollkommen wertlos und redundant. Quellen sind das Fundament der Urgeschichtsforschung, auf denen ganze Theoriegebäude entstehen. Wird ein Fundament fahrlässig gelegt, bricht das Haus zwangsweise irgendwann zusammen.  

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Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Eggert / Samida Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie. UTB basics 48-50
Eggert Prähistorische Archäologie 100-122
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