Fibeln: Erkennen - Bestimmen - Beschreiben

Autor: Ronald Heynowski

Kategorie: Nachschlagewerk

Verlag: Deutscher Kunstverlag

Schwierigkeitsgrad: Anfänger

erster Eindruck

Kurzes und prägnantes Übersichts- und Nachschlagewerk zu Gewandspangen.

 

Beschreibung

Das vorliegende Nachschlagewerk Fibeln. Erkennen, bestimmen, beschreiben wurde von Prof. Dr.  Ronald Heynowski verfasst und ist im Deutschen Kunstverlag publiziert. Es stellt den ersten Band der Reihe Bestimmungsbuch Archäologie dar. Initiiert wurde diese durch die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg, das LVR-LandesMuseum Bonn und das Archäologische Museum Hamburg.

 

Nach einem Vorwort der Herausgeber zu Idee und Zweck der oben genannten Reihe sowie einem Ausblick auf in Planung befindliche Nachfolgebände, beginnt die Arbeit mit einer zweiseitigen, von Kathleen Mertens im Namen der AG Archäologiethesaurus verfassten Einführung, in deren Untertitel bereits die Motivation zur Verfassung dieser Arbeit mit den Worten „ein einheitlicher archäologischer Objektbeschreibungsthesaurus für den deutschsprachigen Raum“ umrissen wird (S. 9). Ausschlaggebend war hiernach die bis dato in der Fachliteratur vorherrschende Varianz und Vielfältigkeit in punkto Terminologie der einzelnen Fibeln, die eine „einheitliche Ansprache der Objekte […] und damit ihre langfristige Auffindbarkeit“ erheblich erschwert (S. 9). Erklärtes Ziel sei es daher, die Terminologie zu vereinheitlichen. Es wird darauf hingewiesen, dass das „erarbeitete Vokabular […] keinen Anspruch auf Vollständigkeit“ erheben kann. Er versteht es vielmehr als ein Grundgerüst, das „jederzeit ergänzt und erweitert werden kann, ohne grundsätzlich verändert werden zu müssen“ (S. 9). Den Abschluss dieser Einführung bildet die Darlegung der bandübergreifenden Vorgehensweise für alle Titel der Reihe (S. 9-10).

 

Es folgt die durch den Hauptautor des ersten Bandes Prof. Dr. Ronald Heynowski, Leiter des Referats Inventarisation und Dokumentation des sächsischen Landesamtes für Archäologie, verfasste Einleitung, in der dieser zunächst knapp die Anfänge der wissenschaftlichen Forschungen zur behandelten Fundgattung sowie die wichtigste Fachliteratur zu den Fibeln der einzelnen Epochen vorstellt (S. 11-12). Im Anschluss geht Heynowski auf die gängigsten Benennungsmöglichkeiten einzelner Fibeln ein, die häufig als Grundlage für die Typologisierung verwendet werden (S. 12) und zu einer erheblichen Vielfalt an Nomenklaturen führen. Hier zeigt der Autor am Beispiel der Arbeit Mechthild Schulzes zu den jüngerkaiserzeitlichen Fibeln der Gruppe Almgren VI, Var. 2[1] die Problematik rein abstrakter und auf Buchstaben- und/oder Zahlenkombinationen beruhender Typologien auf (S. 12-13). Den Abschluss der Einführung bildet die Darlegung der durch den Autor erarbeiteten Erfassungs- und Klassifikationsmethode, die primär auf der Konstruktionsweise des Nadelapparates der einzelnen Fibeln beruht (S. 13-15). Heynowski unterscheidet vier grundlegende Prinzipien: 1.) Fibeln mit loser Nadel, 2.) Fibeln mit fester Nadel, 3.) Fibeln mit Spiralkonstruktion und 4.) Fibeln mit Scharnierkonstruktion, denen er alle anderen Gesichtspunkte unterordnet. Es folgen sechzehn Seiten mit Farbabbildungen von Repräsentanten der einzelnen Formen und Unterformen (S. 17-32). Als Abbildungsnummer dienen die fortlaufenden Kodierungen der einzelnen Fibeln, welche deren Platz in der Reihenfolge innerhalb des folgenden Kapitels angeben. Zudem werden die gängigen Namen zur Beschreibung der Spange, deren Länge sowie der Aufbewahrungsort inklusive Inventarnummer für eine leichtere Auffindbarkeit angegeben.

 

Das folgende Kapitel Die Fibeln ist das Kernstück von Heynowskis Werk. Darin widmet sich der Autor ausführlich in grundlegenden Erläuterungen dem Zweck, der Tragweise und der Konstruktion einzelner Fibelarten (S. 33-35). Zum besseren Verständnis wird für jede Konstruktionsweise die Strichzeichnung einer aus der jeweiligen Gruppe stammenden Gewandschließe eingefügt. Anschließend führt Heynowski schematisch in Form einer zwei A5-Seiten umfassenden Tafel die feinere Untergliederung der vier Klassen vor (S. 34-25).

 

Danach beginnt die eigentliche Vorlage der durch den Autor erarbeiteten Klassifikation. Das angewandte Schema bleibt dabei für das gesamte restliche Werk gleich: Nach der schlagwortartigen Benennung der Fibel, welche zumeist der gängigen Nomenklatur innerhalb der Fachliteratur entspricht, folgt eine kurze Beschreibung der Spange, gefolgt von der Aufzählung weiterer synonym verwendeter Benennungen, deren Datierung, Verbreitung einem Vergleich zu anderen Schließen derselben Gruppe sowie wichtiger Fachliteratur. Bereits im Zusammenhang mit den Fibeln mit loser Nadel tritt zum ersten Mal eine für Fachleute und angehende Archäologen, welche zumeist einen chronologischen und/oder chorologischen Aufbau von objektbezogenen Nachschlagewerken gewohnt sind,[2] ungewohnte Zusammenstellung der Objekte auf: die kaiserzeitliche Omegafibel und die mittelalterliche Hufeisenfibel treten an dieser Stelle zwischen Formen der nordischen Bronzezeit auf (S. 46-47). Dieser Sachverhalt lässt sich mit der oben bereits angesprochenen Konstruktionsweise des Nadelapparates erklären und fällt nicht weiter ins Gewicht, weil die Fibeln innerhalb der Gruppe einer chronologisch bedingten typologischen Veränderung unterliegen. Der zweite Abschnitt des Hauptteils widmet sich, erneut mit spätbronzezeitlichen Formen beginnend, den Fibeln mit festem Nadelhalter (S. 47-49). Es folgt die große und vielschichtige Gruppe der Fibeln mit Spiralkonstruktion, deren Vorstellung und Gliederung dem Muster der vorangegangenen Abschnitte entspricht. Unter Punkt 3.15.8 handelt Heynowski zum Beispiel die von O. Almgren seiner Gruppe III zugewiesenen Augenfibeln ab,[3] die hier mit einem besonders charakteristischen Exemplar des mitteleuropäischen Raumes, der Fig. 45,[4] vertreten sind. Hier wird, besonders im Vergleich mit den unter 3.16 (Rollenkappenfibeln) und 3.18 (kräftig profilierte Fibeln) behandelten Gewandschließen, die Fokussierung der Arbeit auf den deutschsprachigen Raum deutlich, weil die übrigen Formen der Hauptserie[5] sowie die Nebenserien,[6] welche ihr Hauptverbreitungsgebiet vor allem in den Nachbarländern der Bundesrepublik haben.

Die sehr heterogene Gruppe V der almgren‘schen Typologie[7] wird von R. Heynowski unter der Bezeichnung Schwächer profilierte Fibel[n] von den kräftig profilierten Vertretern (S. 81-84) abgegrenzt und behandelt (S. 84-88). Diese stellt er hier in ausreichend detailliertem Umfang dar, auch wenn er lediglich die Serien 1, 3 (Almgren 101, Serienzugehörigkeit fehlt in der Synonymzeile), 7-10 und 12 abbildet und beschreibt. Dieser Umstand ist ebenfalls auf das eher nördliche und östliche Verbreitungsgebiet der übrigen Serien zurückzuführen.[8] Es folgen unter Punkt 3.20 die zweigliedrigen Armbrustfibeln mit hohem Nadelhalter. Hierzu muss lediglich auf die nicht zitierte, da vermutlich bei Einreichung des Manuskriptes noch nicht publizierte Dissertation L. Schultes hingewiesen werden,[9] die für diese Form den neuesten Forschungsstand darstellt. Der Typologie von O. Almgren folgend, werden im nächsten Abschnitt die Fibeln mit umgeschlagenem Fuß (A VI,1) und solche mit festem Nadelhalter (A VI,2) vorgestellt (S. 89-95). Am Beispiel der Fibel mit nierenförmig durchbrochener Kopfplatte (S. 90-91) wird an dieser Stelle die Problematik der Erstellung einer gänzlich neuen Klassifikation vor dem Hintergrund zahlreicher älterer Typologien greifbar, weil hier nach einigen Spangen mit zweigliedriger Armbrustkonstruktion nun erneut Formen eingliedriger Machart auftauchen, um im Anschluss wieder von zweigliedrigen abgelöst zu werden (S. 91-95). Der nächste Abschnitt (3.23) ist den Stützarmfibeln gewidmet, deren Hauptcharakteristikum „eine kräftige Querstrebe am Kopfende des Bügels“ ist, die „zur Stütze der langen Spirale“ dient. Es folgen auf den Seiten 96 bis 105 die völkerwanderungszeitlichen bis frühmittelalterlichen Bügelfibeln, die aufgrund ihrer Formenvielfalt im deutschsprachigen Raum verhältnismäßig viel Raum einnehmen.

Mit der unter 3.25 behandelten Scheibenfibel mit gesondert gefertigtem Nadelapparat erfolgt anschließend wieder ein zeitlicher Sprung zurück in die ältere Latènezeit, um darauf folgend mit den Scheibenfibeln mit integriertem Nadelapparat wieder in die jüngere Kaiser- bis Merowingerzeit zurückzukehren (S. 106-112). Es schließen sich die unterschiedlichen figürlichen Spangen mit relief- bzw. silhouettenartiger Ausgestaltung des Bügels wie Eber-, Vogel- oder Zikadenfibeln an (S. 112-115). Ein erneuter zeitlicher Sprung findet mit der Vorstellung der Fibeln mit vollplastisch verziertem Bügel statt, die alle in die Stufe Lt. A datieren. Eine Ausnahme in dieser Gruppe ist die sogenannte Pferdchenfibel, welche bereits in hallstatt-D-zeitlichen Zusammenhängen belegt ist. Die letzte Gruppe der Fibeln mit Spiralkonstruktion bilden die aus provinzialrömischer Umgebung stammenden Hülsenspiralfibeln, bei denen der Nadelapparat in den blechförmig ausgearbeiteten Kopf der Fibel eingesetzt ist, welcher unterhalb der Spirale zusammengebogen wird. Zur besseren Visualisierung wurde auf Seite 118 auch eine Strichzeichnung eingefügt.

 

Den Abschluss der Arbeit bilden die von R. Heynowski den Fibeln mit Scharnierkonstruktion zugeordneten Gewandschließen. Die erste Form sind die Scharnierfibeln mit Ösenkonstruktion (S. 122-128), die vom Autor vermutlich in diese Kategorie eingeordnet wurden, da die Nadel bei diesen, im Gegensatz zu den unter Punkt 1 abgehandelten Fibeln mit loser Nadel, der Schließmechanismus nicht direkt in den Fibelbügel, sondern in eine unterhalb desselben angebrachte Öse eingehängt wird. Zeitlich sind diese auf die jüngereisenzeitlichen Fibeln Mittel- und Norddeutschlands (Punkt 4.1.1) sowie auf die mittelalterlichen Blech- und Scheibenfibeln begrenzt. Im Falle der unter 4.1.2.1 aufgeführten runden Blechfibel kann auf Basis der publizierten Zeichnung der Schließmechanismus nicht nachvollzogen werden, da bei diesem Exemplar die Öse vollständig abgebrochen ist. Die Abbildung eines anderen Objektes derselben Fibelgattung wäre hier nach Meinung des Rezensenten nutzbringender gewesen. Es folgen die Scharnierfibeln mit Backenscharnier (S. 128-133), bei denen die am stumpfen Ende durchlochte Nadel mittels eines Stiftes zwischen zwei Ösen an der Unterseite des scheibenförmigen Fibelkörpers fixiert wird (S. 128, Abb. 4.2). Da es sich allgemein gesprochen bei den meisten Fibeln dieser Bauart[10] um Scheiben- bzw. Blechfibeln handelt, die in Europa seit der Zeitenwende in unterschiedlicher Intensität und Gestaltung fast durchgängig auftreten, finden sich in dieser Gruppe sowohl provinzialrömische Fibeln der älteren Kaiserzeit als auch solche der Völkerwanderungszeit und des Früh- und Hochmittelalters. Die vorletzte Form dieser Konstruktionsweise bilden die Fibeln mit Hülsenscharnier (vgl. S. 133, Abb. 4.3). Die vor allem auf provinzialrömischen Fundstellen der älteren und jüngeren Kaiserzeit geborgen werden können. Die älteste Form im Bearbeitungsgebiet bildet nach Heynowski die in das erste vorchristliche Jahrhundert datierende Fibel des Typs Alesia. Die jüngsten Spangen sind die primär im östlichen und südlichen Alpenraum verbreiteten Fibeln des Typs Hrušica/Gurina, welche inbesondere im 3./4. Jahrhundert n.Chr. im Gebrauch waren.

 

Seine Arbeit schließt Heynowski mit einem Kapitel zu den Fibeln mit Röhrenscharnier (S. 136, Abb. 4.4), welche, wie auch schon die zuvor behandelten Gewandschließen, primär auf römischem Reichsgebiet gefunden worden sind (S. 136-137). Der Schwerpunkt dieser Spangen kann in der jüngeren Kaiser- bis frühen Völkerwanderungszeit angesetzt werden. Die einzige Ausnahme macht die langlebige Zangenfibel (S. 138), die bereits in älterkaiserzeitlichen Fundkomplexen nachgewiesen werden konnte. In der Darstellung der Zwiebelknopffibeln fehlt hier, trotz einer umfangreichen Literaturliste zu dieser Form, der häufig zitierte Artikel M. Ph. Pröttels.[11]

Im Anhang sind ein Literatur-, Fibel- und Abbildungsverzeichnis sowie eine Kurzbiographie R. Heynowskis enthalten.


[1] M. Schulze, Die spätkaiserzeitlichen Armbrustfibeln mit festem Nadelhalter (Gruppe Almgren VI,2). Antiquitas Reihe 3, Bd. 19 (Bonn 1977).

[2] Vgl.: Reallexikon für germanische Altertumskunde VIII, 411-608, s.v. Fibel und Fibeltracht.

[3] O. Almgren, Studien über nordeuropäische Fibelformen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte mit Berücksichtigung der provinzialrömischen und südrussischen Formen. Mannus-Bibliothek 32 (Leipzig 1923), 21-33.

[4] Vgl. dazu: J. Kunow, Die Hauptserie der Augenfibeln: Gruppe III, Fig. 45-54. In: Ders. (Hrsg.), 100 Jahre Fibelformen nach Oscar Almgren. Tagung Kleinmachnow, 25. Bis 28. Mai 1997. Forschungen zur Archäologie im Land Brandenburg 5 (Wünsdorf 1998), 108, Abb. 6.

[5] Ders., 109-110.

[6] W. Nowakowski, Die Fibeln Almgren 55 und 56 aus heutiger Sicht. . In: J. Kunow. (Hrsg.), 100 Jahre Fibelformen nach Oscar Almgren. Tagung Kleinmachnow, 25. Bis 28. Mai 1997. Forschungen zur Archäologie im Land Brandenburg 5 (Wünsdorf 1998), 119-122. U. Pfeiffer-Frohnert, „Mit Augen am Fuß und mit Wulst statt Scheibe“. Verbreitung und Zeitstellung der preußischen Nebenserie A 57-61 und ihrer Varianten. In: J. Kunow. (Hrsg.), 100 Jahre Fibelformen nach Oscar Almgren. Tagung Kleinmachnow, 25. Bis 28. Mai 1997. Forschungen zur Archäologie im Land Brandenburg 5 (Wünsdorf 1998), 125-134.

[7] O. Almgren, Studien über nordeuropäische Fibelformen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte mit Berücksichtigung der provinzialrömischen und südrussischen Formen. Mannus-Bibliothek 32 (Leipzig 1923), 48-70.

[8] Ders., 51-66.

[9] L. Schulte, Die Fibeln mit hohem Nadelhalter (Almgren Gruppe VII). Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 32 (Neumünster 2011).

[10] Ausnahmen sind die älterkaiserzeitliche gleichseitige Fibel und die vendel- bis wikingerzeitliche Schalenfibel (beide S. 132).

[11] M.Ph. Pröttel, Zur Chronologie der Zwiebelknopffibeln. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 35.1, 1988 (1991), 347-372.

 

Fazit

Das vorliegende Buch R. Heynowskis stellt den Versuch der Erstellung eines „einheitlichen archäologischen Objektbeschreibungsthesauruses für den deutschsprachigen Raum“ dar. Er versucht darin auf Basis seiner eigenen Erfahrungen in der Fundaufnahme und Inventarisation eine von den in der Archäologie gängigen Typologien unabhängige Klassifikation der Fundgattung Fibel. Zu diesem Zweck wird als Hauptgruppierungskriterium die Konstruktion des Nadelapparates jeder einzelnen Fibel herangezogen, sodass sich alle im deutschsprachigen Raum vorkommenden Gewandschließen in vier Gruppen einordnen lassen. Diese sind: 1.) Fibeln mit loser Nadel, 2.) Fibeln mit fester Nadel, 3.) Fibeln mit Spiralkonstruktion und 4.) Fibeln mit Scharnierkonstruktion. Diese auf den ersten Blick etwas ungewohnte Vorgehensweise verfolgt der Autor stringent, daher fallen bereits nach kurzer Zeit des Umganges mit diesem Buch die zeitlichen Sprünge nicht weiter ins Gewicht. Problematisch an diesem System ist nach Meinung des Rezensenten die Tatsache, dass der schnelle Umgang mit diesem Nachschlagewerk, als welches sich das Buch versteht (vgl. S. 7), eine Kenntnis der Konstruktionsweise jeder einzelnen Fibel voraussetzt, sodass vor allem Laien und Studienanfänger unter Umständen das Buch längere Zeit nach der gesuchten Fibel durchstöbern müssen. Einen weiteren Wermutstropfen stellt die starke räumliche Begrenzung der Materialbasis auf Funde aus dem deutschsprachigen Raum dar. Kaiserzeitliche Fibelformen vorwiegend östlicher Provenienz werden von Heynowski nicht behandelt, obwohl diese auch im östlichen Deutschland nachgewiesen werden konnten.[1]

Abschließend kann gesagt werden, dass R. Heynowski mit diesem Buch ein fundierter Überblick über die Fibeln des deutschsprachigen Raumes von der Bronzezeit bis in das späte Mittelalter gelungen ist. Gerade wegen seines etwas ungewohnten aber dennoch aufschlussreichen Ansatzes sollte dieses Werk zur Recherche herangezogen werden. Im Gegensatz zu gängigen, auf Buchstaben und Zahlen basierenden Typologien, bietet Heynowski eine unabhängige Klassifikation, welche sich im Kern dem bisher wenig beachteten oder aber vorausgesetzten Wissen zur Konstruktionsweise des Nadelapparates widmet. Einen weiteren entscheidenden Pluspunkt stellt die zu jeder vorgestellten Fibel angegebene Referenzliteratur dar. Sobald man die gesuchte Spange gefunden hat, ermöglicht diese eine vertiefende Recherche nach ausführlicher Fachliteratur, die das Werk nach eigenen Angaben nicht ersetzten kann und will (S. 7).


[1] Als Beispiel seihen hier u.a. die Fibeln A41 genannt. Vgl. dazu: J. Schuster, Die Beziehungen der Gebiete Ostbrandenburgs zur Wielbark- und Przeworsk-Kultur im späten 2. und beginnenden 3. Jh. n. Chr. Mit einer formenkundlichen Untersuchung der späten Rollenkappenfibeln A II, 41. Verföffentlichungen zur brandenburgischen Landesarchäologie 36/37, 2002/2003 (2005), 105, Abb. 11.

Details

Umfang: 168 Seiten

ISBN: 978-3422071193

Preis: 19,90 €

Buch Kauflink:
Fibeln: Erkennen - Bestimmen - Beschreiben

Datum der Rezension: 10.12.2012

Rezensent: Jens

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