Den Kelten auf der Spur. Neue archäologische Entdeckungen zwischen Nordsee und Rhein (Ausstellungskatalog Krefeld)

Autor: Leo Verhart

Kategorie: Monographien

Verlag: Philipp von Zabern

Schwierigkeitsgrad: Anfänger

erster Eindruck

Interessanter Überblick über die Latènezeit in den Niederlanden und Belgien.

 

Beschreibung

Leo Verhart ist Kurator der niederländischen Vorgeschichte am Rijksmuseum van Oudheden in Leiden und bietet dem Leser mit diesem Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, die von Januar bis August 2008 im Museum Burg Linn in Krefeld zu Gast war, einen Überblick über den Stand der Forschung zu diesem Thema. Das Buch ist in acht Kapitel mit weiteren Unterkapiteln geteilt, die bestimmte Einzelaspekte des Themas beleuchten.

Das erste Kapitel, das den Titel Die Kelten in Europa trägt, widmet sich vor allem der Chronologie und dem Ursprung der sogenannten keltischen Sachkultur in Europa sowie dem historischen Rahmen, in den dieser eingebettet ist.
Er beginnt dieses Kapitel mit einem Exkurs über den Wechsel der Grabsitten weg von Grabhügelbestattungen hin zu Urnenfeldern am Übergang der mittleren zur späten Bronzezeit, um im Verlauf der folgenden Seite die Entdeckung des Gräberfeldes von Hallstatt anzusprechen.
Nach diesem kurzen forschungsgeschichtlichen Exkurs geht er schließlich auf die eigentliche Hallstattzeit ein, die er 825 vor Christus beginnen lässt, ohne jedoch eine genaue Quelle für dieses sehr frühe Datum zu nennen. Den Hauptinhalt dieses Unterkapitels bildet die Darlegung der wichtigsten hallstattzeitlichen Fundplätze wie Hochdorf, Vix und der Heuneburg. Das Hauptaugenmerk Verharts liegt hierbei auf der archäologischen Nachweisbarkeit von Eliten in Siedlungen und Grablegen. Aus diesem Grund nennt er auf Seite 28 dann auch den Grabhügel des Fundplatzes Glauberg in Hessen, der jedoch, wie die Einordnung in das Unterkapitel Die Hallstattzeit postuliert, nicht dieser Periode angehört, sondern durch die Grabbeigaben sicher in die Stufe Latène A datiert werden kann.
Ein weiteres Thema dieses Kapitels sind die historisch überlieferten Keltenwanderungen und die Ausdehnung der sogenannten keltischen Kultur mit Beginn der Latènezeit.
Ferner geht Verhart auf Kult und Religion dieser Zeit ein. Dazu verweist er zunächst auf die Überlieferungen diverser griechischer und römischer Autoren und führt dann als archäologische Fundplätze unter anderem den Tempel auf Ayling Island/England und die Viereckschanze von Fellbach-Schmiden an. Die Interpretation letzterer als Kultplatz erscheint jedoch fragwürdig.[1]
Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit dem Ende der keltischen Sachkultur circa 50 BC.

Im zweiten Kapitel geht Leo Verhart schließlich der Frage nach: Wie keltisch waren unsere Landstriche? Zu bemerken ist hierbei, dass er mit „unsere Landstriche“ in diesem Fall, wie bereits angedeutet, vor allem die Niederlande meint. Dieses Kapitel bildet zunächst die thematische und chronologische Grundlage für alle folgenden Kapitel, da Verhart hier vor allem erläutert, was er unter „keltisch“ versteht und wie er die von ihm behandelte Zeitspanne untergliedert.

Das folgende dritte Kapitel widmet sich vorrangig unter Verwendung der Grabsitten und Depotfunde der Sozialstruktur der Hallstattzeit in den Niederlanden, Belgien und dem nördlichen Bereich des deutschen Rheinlandes. Dazu erläutert Verhart anhand einer Vielzahl von Fundplätzen kurz, aber genau seine These, dass auch die Niederlande aufgrund der Sachkultur zumindest „keltisch“ beeinflusst waren.

Kapitel 4 geht schließlich auf die Latènezeit in Verharts Arbeitsgebiet ein und bringt diese dem Leser anhand einer großen Vielfalt unterschiedlicher Fundplätze näher.
Hier findet sich ein Unterkapitel zu einfachen ländlichen Siedlungen und zur Landwirtschaft dieser Zeit, in dem jedoch Informationen wiedergegeben werden, die so in fast identischer Form bereits angesprochen worden sind. Hier offenbart sich ein kleiner Mangel dieser Arbeit, nämlich dass Verhart häufig bereits genannte Thesen und Fakten wiederholt.
Des Weiteren widmet sich dieses Kapitel ausführlich dem Handwerk der Eisenzeit in all seiner Vielfalt. So finden sich Unterkapitel zur Eisenverhüttung, zur Keramik- und Textilherstellung sowie zur Salzsiede.

Das folgende Kapitel widmet sich vor allem den repräsentativen Aspekten der Latènezeit. Hier wird nun näher auf die keltischen Oppida eingegangen, die Verhart erstaunlicherweise in das 5. Jahrhundert v. Chr. datiert, da die eigentlichen Oppida mit Befestigungsmauern in die Stufe Lt D1 zu datieren sind.[2] Des Weiteren vergleicht der Autor diese mit den in den Niederlanden und Belgien anzutreffenden Befestigungswerken, die er als Höhenfestungen bezeichnet. Im Verlaufe des Kapitels geht er dann schließlich auf das keltische Münzwesen ein und erläutert dieses näher.

Das sechste Kapitel des Buches trägt den Titel Rituale, Opfer und Rätsel und beschäftigt sich, wie der Titel bereits aussagt, vor allem mit den latènezeitlichen Kultpraktiken. Verhart nennt auch hier wieder eine Vielzahl unterschiedlicher Fundplätze, um seine Argumentation zu untermauern. Er geht näher auf die sogenannten Bauopfer ein und nennt hier unter anderem die Fundplätze von Maastricht-Caberg und Assendelft. Ein weiteres Augenmerk legt Verhart auf den Matronen-Kult in den rheinnahen Bereichen, um dieses Kapitel mit einer kurzen Ausführung zur latènezeitlichen Gesellschaftsstruktur, wie sie von römischen Autoren geschildert wird, zu beenden.

Kapitel 7 befasst sich mit dem Beginn der Romanisierung und Provinzialisierung der keltisch geprägten Sachkultur ab Caesars Gallischen Kriegen von 58-50 BC bis hin zu deren endgültiger Auflösung in Mitteleuropa circa um die Zeitenwende.

Das achte und letze Kapitel von Verharts Arbeit widmet sich schließlich dem keltischen Erbe und behandelt unter anderem kurz das Weiterbestehen keltisch geprägter Kultur auf den britischen Inseln bis ins Mittelalter. Das Hauptaugenmerk legt der Autor jedoch auf die Wiederentdeckung der Kelten durch Wissenschaft und Kunst in der frühen Neuzeit und deren Rezeption. Er geht dazu unter anderem auf unterschiedlichste Keltendarstellungen in der Romantik bis hin zum sogenannten Neo-Druidentum ein.

[1] G. Wieland, Keltische Viereckschanzen. Einem Rätsel auf der Spur. Ausstellungskatalog Stuttgart (Stuttgart 1999).

[2] S. Sievers, Manching - Die Keltenstadt, Führer zu archäologischen Denkmälern in Bayern 3 (Stuttgart 2007).

Fazit

Leo Verhart bietet mit seinem Buch einen interessanten Überblick über die mit den historisch überlieferten Kelten assoziierte Sachkultur mit einem Hauptaugenmerk auf die Niederlande und Belgien.
Er beleuchtet dazu alle Facetten dieses Themas und bietet dem Leser so einen breiten und verständlichen Einblick in das Thema, auch wenn einige seiner Argumentationen streitbar erscheinen.
Die fehlende Nummerierung der reichhaltig dem Text beigefügten Abbildungen erschwert teilweise die Handhabung von Text und zugehörigem illustrierendem Bild. Sehr angenehm sind Verharts Literaturverweise gestaltet, da diese nach Kapiteln untergliedert sind und so leicht wiedergefunden werden können.

Details

Umfang: 207 Seiten mit 145 Farb-, 45 s/w-Abb. sowie Schutzumschlag.

ISBN: 978-3-8053-3888-2

Preis: 29,90 €

Buch Kauflink: Den Kelten auf der Spur

Datum der Rezension: 29.07.2010

Rezensent: Jens

praehistorische-archaeologie.de bietet dir frei zugängliche Inhalte. Mit einer Spende z.B. bei flattr kannst du uns unterstützen.

Hinweis

Wir geben uns große Mühe um die Korrektheit unserer Inhalte. Sollten es dennoch Fehler oder Ungereimtheiten geben, würden wir uns über einen Kommentar freuen!