Menschenopfer

Autor: Miranda Aldhouse Green

Kategorie: Monographien

Verlag: Magnus Verlag

Zusatz: Ritualmord von der Eisenzeit bis zum Ende der Antike.

Schwierigkeitsgrad: Anfänger bis Fortgeschrittene

Webseite: www.magnus-verlag.de

erster Eindruck

Abgehackte Köpfe, verbrannte Kinder und Kannibalismus im zivilisierten Europa.

 

Beschreibung

2003 erschien das vorliegende Buch mit dem aufregenden Titel „Menschenopfer. Ritualmord von der Eisenzeit bis zum Ende der Antike“ von Miranda Green in der deutschen Übersetzung aus dem Englischen im Magnus Verlag. Die Autorin M. Green arbeitet als Forschungsleiterin für Kultur, Archäologie, Religion und Biogeographie an der Universität von Wales, an der sie ebenfalls einen Lehrstuhl für Archäologie innehat.

Hätte die Autorin ihrem Buch nicht diesen markanten Titel gegeben, wäre es unserer Redaktion vermutlich gar nicht aufgefallen. Über Tod und Bestattungen oder gar Opferungen von Menschen und Tieren gibt es bekanntlich eine beachtliche Menge an Literatur, die allerdings nicht selten sehr populistisch ist, sich durch schockierende  Bilder von zerstückelten Leichen und teils dazu erdachten oder zumindest sehr ausgeschmückten Schauergeschichten verkaufen möchte.

Miranda Green hat sich als Wissenschaftlerin mit großer Vorsicht auf dieses durchaus umstrittene Gebiet der Menschenopferungen gewagt, in dem man sehr häufig über eventuelle Unsicherheiten und Mehrdeutigkeiten stolpert, die nicht sorgsam genug ausgewertet werden können. Aus diesem Grund steht eigentlich hinter jeder Aussage in ihrem Buch ein dickes unsichtbares Fragezeichen, weil man nie mit 100%iger Sicherheit von einem Menschenopfer im Sinne einer Opferung sprechen kann, weil letztlich im archäologischen Befund nur die sterblichen Überreste erhalten sind. Darauf weist die Autorin häufig hin, versucht aber die Möglichkeit, dass es sich hierbei tatsächlich um Menschenopfer handelt, durch Belege aus literarischen, bildlichen oder rezente ethnologische Quellen zu untermauern. Dabei macht sie des Öfteren  sehr große Sprünge durch Raum und Zeit und wechselt von einer Ethnie zur anderen, um Parallelen aufzeigen zu können. Dadurch entsteht letztlich ein sehr vielseitiges Mosaik von den so genannten Menschenopferungen zu unterschiedlichen Zeiten an verschiednen Orten.

Hauptsächlich konzentriert sich die Autorin in ihrer Arbeit auf den europäischen Raum in der zeit von 600 vor bis 400 nach Christus. Ihre schriftlichen Quellen stammen allerdings aus der Zeit von 100 vor bis 300 nach Christus. In diesem Zusammenhang entstehen natürlich zahlreiche Probleme, denn die literarischen Quellen sind zunächst darauf zu prüfen, in wie fern die Autoren hier als glaubwürdig einzuschätzen sind und, wenn sie es denn wirklich sein sollten, ob sich ihre Beobachten auch für frühere Zeiten retrospektiv anwenden lassen. Gerade bei der Suche nach Menschenopfern im prähistorischen Europa muss sie sich auf griechische und römische Autoren stützen, die ihre Berichte über schriftlose Kulturen nicht zuletzt mit erfundenen Details, etwa über angeblichen Kannibalismus, ausschmückten, um die Notwendigkeit deiner Befriedung/Zivilisierung der nordeuropäischen Barbaren/Wilden zu betonen.

Insgesamt gliedert sie ihre Arbeit in 9 Kapitel und einen Prolog sowie einen Epilog. Die Kapitel sind nicht nach zeitlichen Kriterien strukturiert, sondern nach der Art der Menschenopfer. Sehr gut ist, dass dabei auch ausführlich über „das“ Opfer an sich diskutiert wird und zeitlich/räumliche unterschiedliche Definitionen und Zwecke herausgearbeitet werden. Letztlich erfährt der Leser sogar mehr über die Art und Auswahl der Opfer sowie deren Darbringer.

Die Kapitel sind mit zahlreichen Abbildungen, insgesamt 76 in schwarz-weiß und 30 zusätzlich in Farbe, ausgeschmückt. Hierbei sollte erwähnt sein, dass gerade diejenigen Abbildungen, bei denen es sich um Fotos handelt, durchaus hätten besser sein können. Teils sind schwarz-weiß Fotos abgebildet, auf denen nur mit sehr viel Fantasie annähernd so etwas wie eine Moorleiche oder ähnliches zu erkennen ist. Andere sind perspektivisch nicht gelungen oder wegen einer zu geringen Auflösung nicht zufriednen stellend, sodass schließlich und endlich das beste Foto das des Covers ist.

Die Zeichnungen und Rekonstruktionen sind hingegen durchaus ansehnlich. Zum Nachteil des Lesenden sind einige Bilder nicht in unmittelbarer Nähe zu den zugehörigen Textabschnitten, sondern einige Seiten weiter hinten abgebildet, was ein lästiges Vor- und Zurückblättern verursacht.

 

Fazit

Miranda Green liegt mit ihrer Arbeit über ein heftig diskutiertes Themengebiet ein interessantes
und lesenswertes Buch vor, welches eine Art der Opferung, die oft mit mehr als nötiger Gewaltanwendung einhergegangen zu sein scheint, von vielen Seiten beleuchtet und dabei stets auf Mehrdeutigkeiten und Interpretationsprobleme hinweist. Für das Studium mag das Buch nicht notwendig sein aber lesenswert und verständlich ist es auf jeden Fall, zumal es auf einem angemessenen seriösen Niveau bleibt, im Gegensatz zu anderer Literatur über dasselbe Thema, und mit einem großen Literaturverzeichnis zu einer weiteren Vertiefung in den Stoff anregt.

Details

Umfang: 239 Seiten

ISBN: 3-88400-009-8

Preis: 12,95€

Buch Kauflink: Menschenopfer

Datum der Rezension: 24.06.2009

Rezensent: Jan

praehistorische-archaeologie.de bietet dir frei zugängliche Inhalte. Mit einer Spende z.B. bei flattr kannst du uns unterstützen.

Hinweis

Wir geben uns große Mühe um die Korrektheit unserer Inhalte. Sollten es dennoch Fehler oder Ungereimtheiten geben, würden wir uns über einen Kommentar freuen!