Die Dendrochronologie

Im Querschnitt sind die Jahrringe deutlich zu erkennen, Foto © Jan Ahlrichs 2010.

Grundlagen

Da Radiokarbondatierungen grundsätzlich Abweichungen von bis zu mehreren Jahrhunderten enthalten können, stellt die Dendrochronologie eine willkommene Ergänzung dieser Methode dar. Die dendrochronologische Altersbestimmung, auch Jahrringforschung genannt, wurde von dem amerikanischen Wissenschaftler A. E. Douglass 1919 entwickelt. Zu den vier Grundpfeilern gehören folgende Erkenntnisse:

 

1. Ein Baum legt seinen Holzzuwachs in deutlich erkennbaren Jahrringen an. Hier kann sogar zwischen einem Frühholz und einem Spätholz unterschieden werden. Das Frühholz entwickelt im Frühjahr und sorgt für den nötigen Wassertransport, während das Spätholz sich im Sommer herausbildet und für die mechanische Festigung sorgt. Beide haben aufgrund ihrer unterschiedlichen Aufgaben auch eine differenzierbare Anatomie. Damit lässt sich unterschieden, ob ein Baum im Frühjahr oder im Sommer gefällt wurde.

 

2. Die Breite dieser Ringe wird von zwei Faktoren beeinflusst: Niederschlag und Temperatur.

 

3. Zur dritten Grundlage gehört, dass Bäume der gleichen Art ebenfalls gleich breite Jahrringe bilden, sofern sie zeitgleich lebten.

 

4. Schließlich und endlich weiss man, dass die Folge der Jahrringbreiten von Bäumen derselben Art selbst über größere Entfernung identisch ist. 

Anwendung

Anhand von Baumringen kann man also das Alter von Bäumen zählen. Ein Ring steht dabei für ein Jahr. Wenn ein Ring groß ist, so hatte der Baum ein gutes Jahr mit ausreichend Feuchtigkeit und entsprechend großem Wachstum. Ist ein Ring klein, so hatte der Baum wenig Feuchtigkeit und ein geringes Wachstum. Diese kleinen markanten Ringe sind für die Dendrochronologie am wichtigsten, weil man damit besser arbeiten kann.

 

Die Jahrringforschung kann dazu beitragen, die Entwicklung einer Feuchtbodensiedlung nachzuvollziehen. Im feuchten Milieu erhalten sich organische Reste wie Bäume sehr lange, da sie keine Sauerstoffzufuhr haben und dadurch ihr Zerfall verzögert wird. Von einer Uferrandsiedlung bleiben deswegen nur diejenigen Pfähle erhalten, welche unter der Wasseroberfläche sind. Die Dendrochronologie kann zu baugeschichtlichen Erkenntnissen gelangen. Sie gibt Aufschluss darüber, wann welche Bäume gefällt wurden und kann dadurch theoretisch rekonstruieren, wann etwa welches Haus erbaut wurde oder wann es beispielsweise abgebrannt ist.

 

Bei der Dendrochronologie muss ein Baum mindestens 40 solcher Ringe zählen, damit er gut verwendet werden kann. Es ist vollkommen logisch, dass sich die Bäume in einigen Ringen überschneiden müssen, d.h. dass sie zum Teil zeitgleich gewachsen sind, denn sonst könnte man mit ihnen keine Jahrringchronologie aufstellen. Will man seine Jahrringe mit einem anderen Baum synchronisieren, so müssen sich beide um mindestens 20 Jahrringe überschneiden. Dies garantiert eine sichere Datierung. Für die Chronologie verwendet man in der Regel stets Jahrringe derselben Baumart, im Notfall gehen auch sehr verwandte Arten.    



Aktuelle Chronologien gehen bis zu 12.500 Jahren in die Vergangenheit zurück. Für Mittel- und Westeuropa existieren überwiegend Eichenholzchronologien, während im ost- und nordeuropäischen Raum Nadelholzchronologien geläufiger sind.

 

Holz: Verwendung, Erhaltung, Zerfall

Holz ist seit dem Paläolithikum ein für den Menschen bedeutsamer Werkstoff, der  über die Zeit hin vielerlei Verwendung fand. Es wurde anfangs zum Verfeuern und verwendet. Später verarbeiteten paläolithische Menschen es zu Waffen wie etwa den Schöninger Speeren (400.000 vor heute). Im archäologischen Befund tritt es damit bereits im Paläolithikum häufig in Form von Holzkohle an ehemaligen Feuerstellen auf.

Je weiter der Mensch seine technischen und handwerklichen Fähigkeiten entwickelt, desto mehr Verwendungszwecke findet er für das Holz. Für Häuser, Zäune, sonstige Bauten wie Brücken oder Brunnen, Pflüge, Werkzeuge, Möbel, Hausrat und Boote wird die Bereitstellung und Verarbeitung von Holz unerlässlich, sodass es Archäologen schließlich in einer Vielzahl unterschiedlicher Kontexte begegnet.

 

Ein Problem hat dieses Material allerdings: es ist vergänglicher als Stein oder gebrannter Ton und zerfällt sehr schnell, wenn es nicht in einem entsprechenden Milieu konserviert wird. Es ist stark anfällig: Regen, Wind, Pilze, Insekten, Bakterien und Feuer fördern den Zerfallsprozess. Häufig wird Holz dort gefunden, wo es die Zeit unter Luftabschluss in einem feuchten Milieu verweilen konnte. Moorige, torfige Gegenden, lehmhaltige Böden, Schlamm, Flüsse oder Brunnen können es über jahrtausende erhalten und für die Nachwelt konservieren.

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