Harris-Matrix

Die Harris-Matrix ist im Grunde eine anschauliche Darstellungsform von Beziehungen unterschiedlicher Straten (Schichten) und Befunde zueinander. Die Harris-Matrix wurde nach ihrem "Erfinder" benannt, dem englischen Archäologen Dr. Edward Cecil Harris. Dieser publizierte 1974 ein Buch mit dem Titel "Principles of Archaeological Stratigraphy", in dem er die Matrix vorstellte. Heute wird sie als Grundwerkzeug für jeden Archäologen und jede Archäologin bereits im ersten Semester gelehrt. Die Harris-Matrix veranschaulicht einfach und übersichtlich die Beziehungen von Straten, auf die der Archäologe bei Grabungen unweigerlich stößt. Dies trifft insbesondere auf Siedlungshügel (sog. Tells) zu. Dort liegen mehrere Siedlungsschichten dicht übereinander, d. h. man hat es mit einem Komplex von Feuerstellen, Öfen, Gruben, Wegen, Häusern etc. zu tun. Um hier nicht die Übersicht zu verlieren, müssen schon während der Grabung sämtliche stratigraphisch bedeutsamen Beobachtungen festgehalten werden. Oftmals hat man am Ende der Kampagne ein riesiges Plakat vor sich, auf dem die Harris-Matrix zu sehen ist.

Übung: Teil 1

Stratigraphie
Schematische Darstellung einer Stratigraphie, Grafik © Jan Ahlrichs 2009.

Betrachten wir die Grafik rechts. Sie stellt (stark schematisiert) einen Querschnitt dar, wie man ihn bei einer Grabung zu sehen bekommen kann. Auf der Erdoberfläche sehen wir Bäume und Büsche sowie die erste grüne Schicht, welche hier die Grassohle und den darunter befindlichen Humus darstellen soll. Unter dieser Schicht finden wir eine durchgehend aus dem gleichem Sediment bestehende dunkelbraune Schicht mit einem braungrauen Einschluss in der Mitte. Dieser trennt somit die dunkelbraune Schicht in die beiden zu sehenden Teile links und rechts voneinander.

 

Darunter folgen, in einer einfachen Abfolge aufeinader, die anderen Straten: eine hellbraune mit kleinen schwarzen Kügelchen, eine ockerne mit waagerechten Schraffuren, eine braune und eine graue Schicht. Nun haben wir schon mal festgestellt, welche Schichten es überhaupt in unserem Querschnitt gibt. Das Gesetz der ürsprünglichen Horizontalität können wir auf einem Blick bestätigt finden, derweil alle Schichten horizontal übereinandner liegen. Nun müssen wir ihnen noch eine relative zeitliche Reihenfolge zuordnen und unser Ergebnis in der Harris-Matrix darstellen.

Um in Zukunft die Übersicht nicht zu verlieren, geben wir den Schichten zunächst einfache Bezeichnungen. Da es sich um 8 Straten handelt, ordnen wir ihnen die Buchstaben A bis H zu, wobei A die jüngste und H die älteste Schicht sein soll.

Das stratigrafische Gesetz der Überlagerung hat uns gelehrt, dass die älteste Schicht ganz unten und die jüngste ganz oben liegen muss. Daher ist die grüne Schicht in unserer Grafik definitiv die jüngste und mit A zu bezeichnen. Die graue ganz unten ist die älteste Schicht und wird mit H gekennzeichnet. Halten wir also fest:

  • A liegt über B, C, D, E, F, G und H!
  • H liegt unter allen anderen!
  • Wir müssen noch herausfinden, welche Schicht mit B, C, D, E, F bzw. G bezeichnet werden muss.

Übung: Teil 2

Fahren wir fort. Auch können wir sicher festhalten, dass die Schichten dem Gesetz der ursprünglichen Kontinuität folgen und randlich ausdünnen. Aber was ist das? Folgen wirklich alle diesem Gesetz? Nein! In der dunkelbraunen Schicht unter Schicht A ist ein auffälliger braungrauer Einschluss, der keineswegs zu den Seiten hin ausdünnt und daher nicht auf natürliche Weise entstanden sein kann. Er muss also erst, nachdem die dunkelbraune Schicht "gewachsen" ist, dorthin eingegraben worden sein. Daraus können wir erschließen, dass diese Kuhle zum einen jünger als die sie nach links und rechts umgebende dunkelbraune Sedimentschicht ist und zum anderen älter als A, also direkt nach A in unserer relativen Chronologie auftauchen muss. Damit können wir sicher diese braungraue Kuhle mit B und das umliegende dunkle Sediment mit C und D bezeichnen. Warum C und D anstatt beides C zu nennen? Natürlich sind in der Grafik beide Teile dieser Schicht im selben Farbton aber da wir in eben diesem Querschnitt keine direkte Verbindung der beiden Schichtteile zueinander vorliegen haben, sollten wir sie sicherheitshalber mit C und D bezeichnen - welches davon nun C oder D benannt wird, sei das linke C und das rechte D, ist egal, es könnte auch genau andersherum sein. Das spielt keine Rolle für uns, weil beide Schichtteile offensichtlich zeitgleich sind. Sie sind älter als B und jünger als die direkt darunter liegende Schicht E. Werden wir uns unseres neuen Zwischenstands bewusst:

  • A ist die jüngste Schicht; liegt über B, C, D, E, F, G und H
  • H ist die älteste Schicht; liegt unter allen anderen
  • B trennt die Schichtteile C und D voneinander
  • C und D sind älter als B
  • C und D sind zudem zeitgleich, weil sie beide älter als B und jünger als E sind.

Übung: Teil 3

Mit dem Gesetz der Überlagerung und der ursprünglichen Kontinuität betrachten wir nun unsere zwei letzten Schichten zwischen E und H. Beide liegen über H und grenzen ebenfalls daran an. Das bringt uns allerdings nicht sehr viel weiter, wir wissen, beide sind älter als H aber welche von den beiden ist wiederum älter/jünger als die andere?

Wir müssen uns also einen anderen Anhaltspunkt suchen. Bei genauerem Hinsehen fällt uns dann auf, dass die schraffierte Schicht (rechts in der Grafik) teilweise die braune überlagert. Das ist unser Beweis, den wir gesucht haben! Diese Überlagerung teilt uns mit, dass die schraffierte Schicht jünger als die braune sein muss und damit unser Stratum F ist, woraus folgt, dass die übrige braune Schicht G sein muss.

  • A ist die jüngste Schicht; liegt über B, C, D, E, F, G und H
  • H ist die älteste Schicht; liegt unter allen anderen
  • B trennt die Schichtteile C und D voneinander
  • C und D sind älter als B
  • C und D sind zudem zeitgleich, weil sie beide älter als B und jünger als E sind
  • F ist schraffiert und überlagert die braune Sschicht G
  • G ist demnach älter als F und jünger als das darunter liegende Stratum H

Übung: Teil 4

Stratigraphie
Stratigraphie, Grafik © Jan Ahlrichs 2009.

Damit haben wir nun die zeitliche Abfolge der einzelnen Straten aufeinander aufgelöst aber eine Harris-Matrix haben wir noch nicht erzeugt.

Wie vorhin gesagt wurde, ist eine Harris-Matrix nichts anderes als eine bestimmte Darstellungart für Stratigrafien. Wir wissen, dass die Schicht A über schicht B liegt. Also schreiben wir ein A über ein B und dazwischen einen senkrechten Strich "|". Dieser senkrechte Strich teilt uns mit, dass A über B liegt. B wiederum liegt über C und D aber C und D sind auch noch zeitgleich. Also zeichnen wir zwei Schrägstriche unter B - jeweils einen zu C und einen zu D. Da diese beiden zeitgleich sind, verbinden wir sie mit einem waagerechten Strich miteinander. Wenn wir nicht wüssten, ob C und D zeitgleich sind, hätten wir beide nicht mit einem waagerechten Strich verbinden dürfen, sondern ganz einfach keinen Strich o.ä. zwischen die beiden gesetzt. Als nächstes kommt das E unter C und D, was (wieder) durch Schrägstriche getan wird. Unter F folgt ein senkrechter Strich zu G und dasselbe von G aus zu H. Fertig ist unsere Harris-Matrix. 

Harris-Matrix
Harris-Matrix, Grafik © Jan Ahlrichs 2009.

Infobox

Programm Link
Harris-Matrix Composer www.harrismatrix.com
ArchEd www.ads.tuwien.ac.at/ArchEd/
Graphviz www.iosa.it/content/harris-matrix-graphviz

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Eggert Prähistorische Archäologie 167-181
Trachsel Ur- und Frühgeschichte 144-150
Harris Principles of Archaeological Stratigraphy -
Gamble Archaeology: The Basics (Basics (Routledge Paperback)) 60-62
Eggert / Samida Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie. UTB basics 65-71
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