Herstellungsverfahren von Bronzeartefakten

Für die Herstellung von Bronzeartefakten gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten. Je nachdem, was für ein Artefakt gewünscht ist, muss eine andere Gusstechnik angewendet werden. Die Form ist besonders ausschlaggebend. Wie du dir sicher vorstellen kannst, können Sicheln und Tüllenbeile nicht mit demselben Verfahren hergestellt werden. Eine Sichel ist ein schlichtes plattes Objekt mit einer geschärften Schneide. Das Tüllenbeil dagegen hat eine Öse und ist innen hohl, damit es geschäftet werden kann. Da liegt es nahe, dass man hierfür andere Gussformen verwendet hat als bei Sicheln.

 

Wie im Einleitungstext erwähnt wurde, ist Bronze eine Legierung. Sie entsteht, wenn Kupfer mit Zinn vermischt/"legiert" wird. Das Verhältnis von Kupfer und Zinn betrug in der Bronzezeit oftmals 9 + 1. Diese Legierung ist weitaus härter und vielseitiger anwendbar als Kupfer. Bronze muss zunächst stark erhitzt, also verflüssigt werden, bevor sie im Anschluss gegossen werden kann. Wenn sie noch flüssig und heiß ist, wird sie in eine Gussform gegossen. Es dauert dann einige Zeit, bis sie abgekühlt ist und aus der Form entnommen werden kann. Es gibt einige unterschiedliche Gussverfahren, die im Folgenden erläutert werden sollen. 

 

Wie wir bereits erfahren haben, gab es in Europa zahlreiche Kupfer- aber nur sehr wenige Zinnlagerstätten. Das führte dazu, dass man sich entweder das Zinn importieren musste oder Bronzebarren zum Einschmelzen. Handwerker haben oft Bronze in Barrenform gegossen und diese aufgehoben, um zu einem späteren Zeitpunkt Artefakte herstellen oder die Barren verhandeln zu können. Man hat die begehrte Legierung also auch gelagert. Es gibt viele Funde von Bronzebarren, die sich durch Standards hinsichtlich ihrer Form und Größe sowie ihres Gewichts auszeichnen. 

Guss in Dauerform - offener Herdguss

Offener Herdguss
Illustration zum offenen Herdguss.

Es gibt Artefakte, die sich bei genauerem Betrachten zu 99% ähnlich sind und sogar an denselben Stellen die gleichen Schönheitsfehler besitzen. Diese wurden wahrscheinlich alle in ein und derselben Form gegossen, was dazu führte, dass sie sich ähnlich sind. Dabei muss es sich logischer Weise um eine Dauerform gehandelt haben, also eine Form, die zur Herstellung mehrfach verwendet werden konnte und bei dem Aushärtungsprozess der Bronze nicht zerstört wurde. In der Regel bestanden solche Dauerformen in der Kupfer- und Bronzezeit aus Sandstein. Der Sandstein wurde zunächst sehr aufwändig bearbeitet, die Gussformen wurden mühsam in ihn eingeschliffen. Das war ein zeitaufwändiger Prozess. Die Formen enthielten im Anschluss das Negativ des gewünschten Artefaktes. Nun konnte die Gussform zur Herstellung von einer Serie an Artefakten verwendet werden. Dieses Verfahren wird auch als offener Herdguss bezeichnet. Der Nachteil dieser Formen lag aber darin, dass sie sich nur für einfache Artefakte wie Flachbeile, Sicheln oder Dolch- oder Messerklingen eigneten und zudem für einen Transport zu groß und zu schwer waren. Hinzu kamen ungewünschte Verunreinigungen in der verhärteten Bronze (so genannte Lunker).

Guss in Dauerform - verdeckter Herdguss

Verdeckter Herdguss
Illustration zum verdeckten Herdguss.

Dieser offene Herdguss wurde später etwas verbessert, indem man über das mit Bronze gefüllte Negativ einen glatten Deckstein legte (verdeckter Herdguss). Für dieses Vorgehen wurde die Gussform nicht waagerecht hingelegt wie bei dem offenem Herdguss, sondern senkrecht hingestellt und ein Deckstein an dessen sonst offene Seite gepresst. Die flüssige Bronze wurde von oben durch einen Gusskanal in die Form gegossen. Damit keine Bläschen und Luftlöcher in der Form entstanden, wurden Windkanäle in die Form geschliffen, durch die die verdrängte Luft entweichen konnte und nicht in der Form blieb.

Guss in Dauerform - Schalenguss

Schalenguss
Illustration zum Schalenguss.

Beim sogenannten Schalenguss handelt es sich um eine Verbesserung des verdeckten Herdgusses. Im Gegensatz zum verdeckten Herdguss werden beim Schalenguss Artefakte gegossen, die auf zwei Seiten plastisch ausgeformt sind. Beim verdeckten Herdguss ist es immer nur eine Seite gewesen. Hierzu werden zwei Schalen benötigt, die über Passstifte zusammengehalten werden. Die Herstellung dieser Schalen war sicher nicht einfach, weil beide Hälften perfekt aufeinander abgestimmt sein mussten, wenn man ein gutes Ergebnis erzielen wollte. Technische Details wie den Gusskanal und die Windkanäle finden wir auch bei dem Formen des Schalengusses wieder. Weil oftmals zwischen den beiden Schalen ein kleiner Raum war, floss stets etwas Bronze dorthin. Nach der Aushärtung wie das Artefakt deshalb noch „Gussnähte“ auf, die entfernt werden mussten.   

Guss in Dauerform - Kernguss

Kernguss
Illustration zum Kernguss.

Eine weitere Modifikation des Schalengusses liegt in Form des sogenannten Kernguss vor. Der Kernguss ist dann von Vorteil wenn man Artefakte herstellen will, die später geschäftet werden sollen, d.h. einen Hohlraum benötigen. Um diesen zu erhalten, verwendet man einen Kern, der durch den Gusskanal zwischen den beiden Schalen befestigt wird. Zunächst wird der Gusskern in den Gusskanal eingefügt und dann die flüssige Bronze in die Form eingegossen. Wie auch die Gussform muss der Kern aus einem hitzebeständigen Material sein, schließlich soll er nicht von der heißen Bronze zerstört werden. Es konnten Kerne aus Metall bzw. Ton nachgewiesen werden. Mit diesem Kerngussverfahren können mitunter Tüllenbeile oder Tüllenlanzen problemlos gegossen werden.

Guss in verlorener Form

Zur Herstellung von individuellen und kunstfertigeren Objekten wurde ein anderes Gussverfahren gewählt, in dem man eine Form vorfertigte, die nur einmal benutzt werden konnte. Wir sprechen aus diesem Grund vom sogenannten „Guss in verlorener Form“. Nach dem Aushärten des Objektes wird die Gussform zerstört, um das fertige Artefakt herauszuholen. Am häufigsten wurden diese „verlorenen“ Formen aus Lehm oder Sand mit Hilfe von Wachs bzw. Holz geformt. 

 

Dafür nahm man sich einen Wachsklumpen und formte bzw. schnitzte diesen zu dem gewünschten Objekt. Danach wurde diese Wachsform von einem Tonmantel eingehüllt und ein kleines Loch frei gelassen. Der Tonmantel wurde im Feuer gehärtet, wobei das Wachs schmolz und aus der Lehmform floss (Wachsausschmelzverfahren). Sobald das Wachs geschmolzen und ausgelaufen war, hatte der gehärtete Tonmantel im Inneren ein Negativ der rausgeschmolzenen Wachsform. Nun konnte flüssige Bronze in den Lehmbatzen gegossen werden und dort die durch das Wachs vorgegebene Form annehmen. War die Bronze vollständig ausgehärtet, zerschlug man den Lehm und erhielt auf diese Weise das gewollte Artefakt.

 

Durch das Wachsausschmelzverfahren hatten findige Handwerker die Möglichkeit, sehr komplexe Gegenstände zu erschaffen. Allerdings musste jede Form aufs Neue mit der Hand gefertigt werden. Wenn mal ein Guss schief ging, war das sicherlich sehr ärgerlich. 

 

Beim Sandguss, auch ein Verfahren mit der „verlorenen“ Form, fertigte man zunächst den gewollten Gegenstand aus Holz, Ton oder Stein her und drückte diesen in den Sand, um dort ein Negativ zu erhalten, in das die Bronze gegossen wurde. Der Vorteil dieses Verfahrens bestand darin, dass die Modellformen mehrfach verwendet werden konnten und nur die Sandformen verloren gingen.  

Der Überfangguss

Die letzte relevante Variante des Bronzegießens wird als Überfanggussverfahren bezeichnet. Wie der Name bereits andeutet, wird hier an ein fertiges Objekt noch etwas „angegossen“. Das geschieht zum Beispiel bei Dolchen oder Schwertern, die noch keinen Griff besitzen. Dieser wird zunächst im Sinne der verlorenen Form mit Hilfe eines Wachsmodells auf der Klinge befestigt und mit Ton ummantelt. Zur Sicherheit werden auch hier in den Tonmantel Windkanäle und ein Gusskanal eingefügt. Das Schwert wird ins Feuer gehalten, der Ton verfestigt sich, nimmt die Form des Wachses an und das Wachs fließt letztlich aus der Tonform hinaus. Zum Schluss wird in das hieraus resultierende Negativ die Bronze gegossen und nach deren Aushärten der Tonmantel entfernt.

Fehlgüsse

Dass im Bronzehandwerk nicht immer alles so verlief wie man es sich vorgestellt hatte, bezeugen weggeworfene Fehlgüsse. Dabei handelt es sich um nicht brauchbare Bronzeartefakte jeglicher Art: z.B. Lanzenspitzen oder Tüllenbeile. Diese können eine handvoll Ursachen haben. Wenn die Bronze verunreinigt oder nicht heiß genug ist, können sich Lunker bilden. Dabei handelt es sich um unerwünschte Hohlräume im Bronzeguss. Sie haben zur Folge, dass die Artefakte schon bei geringer Belastung zerbrechen und nicht beansprucht werden können.

 

Ein erfahrener Bronzegießer hat es vermutlich schnell gemerkt, wenn einer seiner Güsse nicht gut war. Er hatte dann die Wahl, den Fehlguss entweder erneut einzuschmelzen oder das ganze Stück wegzuwerfen. Fehlgüsse sind ein Indiz dafür, dass man eine Werkstatt/einen Werkplatz gefunden hat, weil sie vermutlich vor Ort entsorgt wurden. 

Abschließende Bemerkungen

Die oben genannten Gusstechniken boten eine geradezu unbegrenzte Anzahl an Möglichkeiten zur Herstellung von Gebrauchtgeräten, die sowohl härter als auch ein dauerhafter waren als Steinartefakte. Zu diesen Gebrauchs Objekten gehören zum Beispiel Beile, Äxte, Sicheln, Messer Toilette-Besteck, Rasiermesser und Schmuck wie Ringe, Nadeln, Anhänger etc. Nicht zuletzt wurden aus Bronze unterschiedliche Waffen wie z. B. Dolche, Schwerter, Lanzenspitzen Pfeilspitzen und Keulenköpfe hergestellt. Aber alles dies hatte seinen Preis. Es ist bereits angesprochen worden, dass die zur Herstellung von Bronze notwendigen Rohstoffe (Kupfer und Zinn) eine ungleichmäßige Verteilung in Europa besitzen. Wer Bronze haben wollte, der musste in der Regel einen überregionalen Handel betreiben und Freundschaften bzw. politische Beziehungen aufrecht erhalten. Dass es einen solchen von weiträumigen Handel tatsächlich gegeben hat, bezeugt allein die Verbreitung der Bronzeartefakte in Mitteleuropa selbst. Darüber hinaus belegen Schiffswracks aus dem Mittelmeerraum in besonders imposanter Weise die Verbindungen, die es damals gab. Am bekanntesten und vielleicht auch am besten erforscht ist das Wrack von Uluburun aus der späten Bronzezeit. Ein für Mitteleuropa besonders typisches Phänomen der Bronzeverarbeitung und -verteilung sind die zahlreichen Hort- und Depotfunde, in denen zuweilen hunderte von Beilen und oder Barren oder Sicheln gefunden wurden.

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Müller-Karpe Handbuch der Vorgeschichte. Band III/1 435
Jockenhövel / Kubach Bronzezeit in Deutschland, Sonderausgabe 36-41
Hans Drescher Der Überfangguss. Ein Beitrag zur vorgeschichtlichen Metalltechnik -
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