Ein neuer Werkstoff verändert Europa

Fürst vom Glauberg
Der Fürst vom Glauberg kann als Indiz für eine zunehmende Hierarchisierung der Gesellschaft gedeutet werden. Der Maßstab in der Zeichnung stellt einen Meter dar. Zeichnung © Jan Ahlrichs 2011.

Eisen wurde bereits in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends vor Christus im Vorderen Orient von den Hethitern verwendet. Von dort aus wanderte das Wissen über die Eisenverarbeitung über Anatolien nach Südosteuropa und gelangte von dort nach Mitteleuropa. Die Ausbreitung erfolgte in ihrer ersten Phase zwischen dem 13. und 8. Jh. v. Chr. von Griechenland über Mitteleuropa bis in den Norden Dänemarks. Vom 8. bis zum 5. Jh. v. Chr. wurden auch die westlichen Teile Europas (England, Frankreich und Spanien), des nördlichen (Schweden, Norwegen) und östlichen (Russland) mit der Technologie der Eisenverarbeitung (Eisenverhüttung) vertraut. Dabei ist überall dasselbe Prinzip zu entdecken: Import, Nachahmung, Eigenfertigung.

 

Es ist demnach festzustellen, dass spätestens um 600 v. Chr. die Eisenverhüttung in ganz Europa verbreitet ist. Dies lässt sich beispielsweise durch Funde von Eisenschlacken aus derselben Zeit bestätigen. Zunächst sind es lediglich Funde von Schlacken, also wertlosen Endprodukten der Eisenverhüttung. Ein wenig später enthalten Gräber Ambosse, Hammer und Zangen. Diese sind alle Werkzeuge, die mit der Eisenverarbeitung in enger Verbindung stehen.     
 
 Im Vergleich zur vorhergegangenen Bronzezeit wandeln sich die Grab- und Bestattungssitten nur sehr geringfügig. Der Beginn der Eisenzeit in Europa zeichnet sich zum einen durch einen Wandel im Klima, an das Subboreal schließt das Subatlantikum an. Die folge der Klimaerwärmung ist ein jähes Abbrechen der Seeufersiedlungen aufgrund des drastisch gestiegenden Wasserspiegels. Zum anderen durch einen deutlichen Rückgang der Bronzedepots aus - nicht aber durch ein völliges Verschwinden derselben. Die Legierung von Kupfer und Zinn ist nach wie vor sehr gefragt und in häufiger Verwendung. 

Das Element Eisen ist im Gegensatz zur Bronze nicht ein Endprodukt aus der Legierung zweier Metalle miteinander. Es wird zwar erst bei viel höheren Temperaturen flüssig genug, um gegossen werden zu können aber dafür ist es letztlich viel härter und in der Natur in den zahlreicheren Eisenerzlagerstätten abbaubar. Durch diese Umgewichtung von der Bronzeproduktion zum steigenden Eisenverbrauch hin, werden diejenigen Siedlungen einflussreicher, welche über Lagerstätten und das notwendige Wissen zur Gewinnung und Verarbeitung verfügen. Dieser Wechsel führt zwangsweise zu einer grundlegenden Veränderung in dem damaligen politischen Machtgefüge Europas. Neue zentrale Orte, Handelszentren, Siedlungssysteme und Hierarchien entstehen. Der Wandel bringt zahlreiche neue Bündnisse aber ebenso auch viel neues Konfliktpotential mit sich.

 

Haus- und Gesichtsurnen, Schiffsdepots oder etwa die bekannten Moorleichen stellen neue Fundgattungen dar, die mit der Eisenzeit einhergehen. Sensen und neue Pflugtypen, natürlich aus Eisen, treiben die Landwirtschaft voran und ermöglichen eine bessere Versorgung der Bevölkerung in den wachsenden Zentren.

Salz und Eisen

Eisen selbst galt zu dieser Zeit als ein wichtiges Handelsgut, mit dem man zu Wohlstand gelangen konnte. Es wurde in Form von Doppelspitzenbarren, so genannten Schwurschwertern und tellerartigen Barren verhandelt. Neben dem Eisen gewann zu jener Zeit ein anderer Rohstoff zunehmend an Bedeutung, der heute überall für wenig Geld erworben werden kann: das Salz. Wissenschaftler bezeichnen Salz in der Eisenzeit als weißes Gold. Am Beispiel der eponymen Fundstelle Hallstatt lässt sich klar erkennen, wie reich man durch den Handel mit Salz werden konnte. In Hallstatt gab es neben dem berühmten Gräberfeld Bergwerke, in denen Salz abgebaut wurde. Diese vielseitige Ware wurde zu Zwecken der Metallurgie, zur Konservierung von Nahrung und als Wertmesser verwendet. Der durch den Salzhandel errungene Wohlstand spiegelt sich in den reichen Funden wieder. In Hallstatt wurden zahlreiche Prunkobjekte, einige davon aus Gold, Prunkäxte und Prestigeobjekte wie Schmuck gefunden.

 

Die Gewinnung des wertvollen Salzes erfolgte je nach Ort in unterschiedlicher Weise. In Hallstatt war es der bergmännische Abbau von Steinsalzen. Anderen Ortes wurde es durch das  Verdunsten von Meerwasser oder durch das eindampfen von Salzsolen mit einer Briquetage gewonnen.

 

Zwei ganz andere Objekte verstreuen sich zur Eisenzeit in Europa. Die Drehscheibe zur Herstellung von Keramik wandert erstmals zu dieser Zeit aus dem mykenisch-griechischen Raum nach Mitteleuropa und lässt sich allerorts auffinden.

Ein besondere Schmuckform, sogenannte Wendelringe, eine Art Halsringe, verbreitet sich in Mitteleuropa. Der Ursprung dieses Schmucks liegt in der nordeuropäischen Handwerkertechnik aus der Bronzezeit. Wendelringe bestehen aus tordierten (gedrehten) Bronzestäben. Die Drehungen sind zum größten Teil sogar echt, also vom Handwerker selbst gedreht. Andere sind in Formen gegossen worden. Die Drehungen wechseln bei einigen Halsringen sogar ihre Richtung.


Die Eisenzeit wird in zwei Stufen untergliedert Die ältere bildet die Hallstattzeit und die jüngere die Latènezeit. Beide lassen durch genaue Beobachtungen bestimmter Leittypenentwicklungen in weitere Unterstufen einteilen (siehe hier).

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