Das Gräberfeld von Hallstatt

Grabfeld von Hallstatt
Der Plan zum Grabfeld von Hallstatt. E. von Sacken, Das Grabfeld Von Hallstatt (Wien 1868)

Das Gräberfeld von Hallstatt

Johann Georg Ramsauer, Ausgräber vom Gräberfeld bei Hallstatt.
Portrait von Johann Georg Ramsauer (1795-1874), dem Ausgräber des Gräberfeldes von Hallstatt. Quelle:wikimedia.commons
Otto Tischler.
Otto Tischler (1843-1891). Quelle: wikimedia.commons

Am Beginn der Forschung zur Hallstattzeit steht der Name Johann Georg Ramsauer. Er war der Entdecker und Ausgräber vom Gräberfeld in Hallstatt. Die Grabung dauerte von 1846 bis 1863 an, nachdem er durch Zufall beim Öffnen einer Schottergrube auf das Leichenfeld gestoßen war. Dabei ist das wahrlich riesige Gräberfeld bis heute nicht vollständig erschlossen worden.

 

Ramsauer selbst war Bergwerksbeamter und kein Urgeschichtsforscher, darum ist seine Leistung umso anerkennenswerter. Johann Georg Ramsauer ist nämlich die außerordentlich gute Grabungsdokumentation des Gräberfeldes zu verdanken, die seiner Zeit weit voraus war. Er lies durch einen Kollegen, den Bergmann Isidor Engl, farbige Zeichnungen von den Gräbern anfertigen und führte zusätzlich ein Grabungstagebuch, indem er seinen zahlreichen Beobachtungen festhielt. Leider sind viele seiner Aufzeichnungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verloren gegangen und tauchen mit der Zeit in Stücken wieder auf. Seine außerordentliche Dokumentation der Gräber und der Funde bildeten eine hervorragende Basis für weitere Untersuchungen an dem Fundstoff.  

 

Forschungsgeschichtlich sind damit neben Johann Georg Ramsauer natürlich noch weitere Namen von besonderer Bedeutung für die Auswertung des Gräberfeldes und die Chronologie der älteren Eisenzeit. Die nächsten vier Namen sind Hildebrandt, Otto Tischler, Moritz Hoernes und Paul Reinecke.

  1. Hildebrandt gelang 1874 erstmals eine Unterscheidung zweier Zeithorizonte in der Belegung des Gräberfeldes von Hallstatt.

  2. Otto Tischler konnte 1881 nach eigenen Untersuchungen an dem Material aus Hallstatt diese Unterscheidung bestätigen. Auch er differenzierte eine ältere und eine jüngere Stufe.

  3. Moritz Hoernes veröffentlichte 1906 eine absolute Datierung des Gräberfeldes. Diese war ihm durch eine überregionale Einordnung und unter der Einbeziehung italienischer Gräber gelungen. Die ältere Stufe datierte nach ihm von 1000 bis 900 v. Chr., die jüngere von 700 bis 500/400 v. Chr. Heute sind diese Zahlen längst nicht mehr korrekt. Hoernes veröffentlichte auch Typentafeln zur Hallstattzeit. Die ältere Stufe hatte bei ihm folgende Leitformen: Schwerter aus Eisen und Bronze, Flügelortbänder, Tüllen- und Lappenbeile sowie H-förmige Gürtelschnallen. Die jüngere Stufe prägten Dolche mit hufeisenförmigen Griffen, Ringschmuck, 2 und 3-flügelige Pfeilspitzen, Klappmesser und Fibeln in Frauengräbern. Heute sind diese Tafeln ebenfalls nicht mehr aktuell aber dennoch von forschungsgeschichtlichem Interesse zur Chronologie der Hallstattzeit.

  4. Paul Reinecke leistete 1911 den wichtigsten Beitrag zur Chronologie der Eisenzeit, wenn man so sagen will. Auf ihn geht eine sehr einflussreiche und bedeutende Einteilung der Bronze- und Hallstattzeit zurück. Er gliederte die Hallstattzeit in vier Stufen (Ha A bis Ha D) und wagte ebenfalls eine absolute Datierung.

    • HB/1000-900 v. Chr.: Kurzförmige und flügelförmige Ortsbänder, überwiegend graphitierte Keramik, ältere Bronzehallstattschwerter.

    • HC/800-700 v. Chr.: Eisernes Hallstattschwert, Pilzknaufschwert (Typ Mindelheim), Flügelortbänder, Schmuck, Brillenspiralen, Pferdegeschirr(!), geometrische Keramik mit polychromer Bemalung (rot und grün), kaum Importware.

    • HD/700-500 v. Chr.: Importe aus Italien und Griechenland, ergänzende Funde aus Süddeutschland, Kahn-, Pauken- und Schlangenfibeln, Goldgegenstände mit Koralleneinlegungen, Ohr-, Hals-, Arm- und Fußringe.

Der Opferplatz von La Tène

Der Fundplatz La Tène ist eine Seeuferfundstellte. Sie liegt am Nordende des Neuenburger Sees in der Schweiz.  Im Frühjahr 1858 wurde der Fundplatz von einem Fischer gefunden, der für den Oberst und Amateurarchäologen Friedrich Schwab, arbeitete. Der Mann brachte ungefähr 2000 Funde aus dem Wasser an die Oberfläche. Darunter waren Schwerter, Lanzen- /Speerspitzen, zahlreiche Fibeln, Werkzeuge wie Äxte und Scheren.  Es waren jedoch nicht nur Artefakte, die mit der Zeit zutage gefördert wurden. Neben den hunderten von Artefakten wurden menschliche Skelettreste gefunden. Die Schädel von La Tène wiesen tödliche Gewalteinwirkungen auf.

Tabelle 1: Abschnitte der Eisenzeit

Zeit 800-500/475 v.Chr. 500/475 - Christus
Name Ältere Eisenzeit Jüngere Eisenzeit
Synonym Hallstattzeit Latènezeit
Stufen nach Paul Reinecke Ha C, Ha D Lat A, Lt B, Lt C, Lt D

Jüngere Forschungen zur Chronologie der Hallstatt- und Latènezeit

Paul Reineckes Chronologie der Bronze- und Eisenzeit wurde in ihren Grundzügen von vielen Forschern übernommen und bis heute zunehmend verfeinert. Wie wir noch sehen werden, unterscheidet man inzwischen beispielsweise ein Ha C1 von einem Ha C2 usw. Sein Chronologieschema der Hallstattzeit wurde aber auch dahingehend korrigiert, dass man heute die Stufen Hallstatt A und B nicht als eisenzeitlich sondern eher als bronzezeitlich betrachtet und in die Urnenfelderzeit datiert. Dies sollte nicht zu Verwirrungen führen. Die eigentliche ältere Eisenzeit, also die Hallstattzeit, beginnt mit der Reineckestufe Ha C.

 

Der Prähistoriker Hartwig Zürn konnte durch Kombinationstabellen mit Fibel(formen) die späte Hallstattzeit (Ha D) 1942 in zwei Abschnitte gliedern, nämlich D1 und D2. Zehn Jahre später veröffentlichte er einen Artikel, in dem er die späte Hallstattzeit in drei Abschnitte gliedern konnte. Für die Untergliederung des Abschnittes stützte er sich erneut auf Fibeln.

 

In den 50er Jahren befasste sich der Prähistoriker Georg Kossack mit der Hallstattzeit und konnte ebenfalls in zwei Veröffentlichungen zeigen, dass eine  Einteilung der frühen Hallstattzeit (Ha C) in zwei Abschnitte durchaus möglich war. Er konnte dasselbe auch mit Ha D machen. 

Die absolute Chronologie der Eisenzeit

Die absolute Datierung der Hallstatt- und der darauf folgenden Latènezeit lässt sich anhand einer überschaubaren Anzahl an Eckdaten darlegen. Wir werden uns diesen absoluten Zahlen in Form von kleinen Tabellen nähern, um ausschweifende Texte zu vermeiden. Dabei ist aber bitte zu beachten, dass die Jahreszahlen nicht von allen archäologischen "Schulen" bedingungslos akzeptiert werden. Manche der Datierungen werden gerne diskutiert.

Tabelle 2: Absolute Datierung der älteren Hallstattzeit: Ha C

Objekt Fundort Datierungsart Zeitpunkt/Jahr
Rippenschale Colmar; Frankfurter Stadtwald Importdatierung Beginn von Ha C, ca. 800 v.Chr.
Holzstück Gräberfeld von Wehringen Dendrochronologie 778 v.Chr.
Rhodische Bronzekanne Vilsingen Importdatierung Übergang zu Ha D, ca. 650 v.Chr.

Tabelle 3: Absolute Datierung der jüngeren Hallstattzeit: Ha D

Objekt Fundort Datierungsart Zeitpunkt/Jahr
Holzstück Magdalenenberg Dendrochronologie Ha D1, 616 v.Chr.
Bronzekessel mit Löwenappliken Fürstengrab von Hochdorf Einheimische Chronologie Klassische arch. datiert es um 500 v.Chr.; Einheimische (prähist.) Chronologie datiert es um 550 v.Chr., also an das Ende von Ha D1
Attisch schwarzfigurige Keramik Fürstinnengrab von Vix Importdatierung Ha D2/D3: 520/510 v. Chr.
Holzstück vom Westtor Heuneburg Dendrochronologie Ende Ha D2/D3: 520 v.Chr.
Attische Keramik Heuneburg Importdatierung Ende Ha D2/D3: 490/480 v.Chr.
Bronzekrater Fürstinnengrab von Vix einmaliges Importobjekt Ha D3

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Von Sacken Das Grabfeld Von Hallstatt -
Meyer Das Gräberfeld von Hallstatt -
Undset Ueber die Station La Tène -
Munro The lake-dwellings of europe -
Hunter-Duvar Stone, bronze and iron ages -
Heierli Die Urgeschichte der Schweiz 316-425
Eggers Einführung in die Vorgeschichte 105-110, 147-170
P. Reinecke Mainzer Aufsätze zur Chronologie der Bronze- und Eisenzeit (Main 1965) -
H. Zürn Zur Chronologie der späten Hallstattzeit. Germania 26, 1942 -
H. Zürn Zum Übergang von Späthallstatt nach Latène A im südwestdeutschen Raum. Germania 30, 1952 -
G. Kossack Südbayern während der Hallstattzeit. Römisch-germanische Forschungen 24 (Berlin 1959) -
H. Parzinger Chronologie der Späthallstatt- und Frühlatènezeit. Quellen und Forschungen zur Prähistorischen und Provonzialrömischen Archäologie 4 (Weinheim 1989) -
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