Hallstattzeit - Die Ältere Eisenzeit

Zeichnung des Gräberfeldes von Hallstatt
Quelle: Wikimedia.commons/Ausschnitt aus einer Zeichnung des Gräberfeldes von Hallstatt.

Die Eisenzeit wird in zwei Abschnitte unterteilt. Die sogenannte ältere Eisenzeit wird als Hallstattzeit bezeichnet. Namengebend hierfür ist das Gräberfeld von Hallstatt in Österreich. Die Hallstattzeit wurde von 1908 Paul Reinecke definiert und seither immer feiner gegliedert. Die frühe Hallstattzeit Ha C (800 bis 650 v.Chr.) wird in C1 und C2, die spätere in D1, D2 und D3. Je nach archäologischer Schule wird dieser Zeitabschnitt (650 bis 500 v.Chr.) auch nur in D1 und D2 gegliedert, d.h. man fasst hierbei D2 und D3 zusammen. Im folgenden Text werden wir uns mit den Leitformen der Hallstattstufen vertraut machen und uns einige besondere Phänomene dieser Zeit etwas genauer ansehen.  

Unabhängig von der feineren Gliederung in C1 und C2 etc. werden im Gebiet der "Hallstattkultur" diverse Formenkreise unterschieden. Diesen werden wir uns in aller Kürze zunächst zuwenden.

Westhallstattkreis

Der Westhallstattkreis zeichnet sich durch eine noch relativ starke Nutzung von Bronze aus, allerdings verschwinden die bis dahin typischen Bronzemesser. Das Wissen zur Eisenverarbeitung wird in typische Hallstattschwerter umgesetzt, welche außerdem mit einem Ortband versehen werden. Ortbänder befinden sich am unteren Abschluß der Schwertscheide. Sie sollen verhindern, dass die Spitze des Schwertes quasi die "Sole" der Schwertscheide zerstechen. Schwertscheiden sind in der Regel aus vergänglichen Materialien gewesen wie zum Beispiel Leder.  In den Gräberfeldern überwiegen in diesem Kreis die Körperbestattungen deutlich den Brandbestattungen. 

Osthallstattkreis

Räumlich gibt es zunächst einen so genannten Osthallstattkreis, in dem vor allem Beile, Lanzenspitzen, Schutzwaffen und Pferdegeschirr unter den Grabbeigaben dominieren. Seltener gibt es noch vereinzelt aufkommende Gräber mit Wagenbestattungen wie wir sie in der späteren Bronzezeit kennen gelernt haben. Im östlichen Hallstattkreis werden die Toten überwiegend verbrannt und nicht in Körpergräbern beigesetzt. In der Kunst werden Figurendarstellungen auf Keramik und Blech sowie aus Keramik und Metall fassbar.

Ältere Hallstattzeit: Ha C

Entwicklung der Ortbänder
Schematische Darstellung zur Entwicklung der Ortbänder.

Allgmeines

Mit Hallstatt C findet ein Wechsel von Bronze- zu Eisenschwertern statt. Durch das sich verändernde Klima steigen die Wasserspiegel an den Seen und sämtliche bis dahin existierenden Uferrandsiedlungen werden aufgegeben. Mit dem Beginn der Eisenzeit bricht dieses Siedlungswesen in Europa sehr rasch ab. Die Elite der älteren Hallstattzeit lässt sich mit Schwertbeigaben bestatten. Die Griffe tragen Mäander-, Zickzack-, Dreieck-, Rauten oder Musterverzierungen. Charakteristisch sind auch Wagen als Grabbeigaben in einem "elitären" Personenkreis. Das konnte sich verständlicher Weise nicht jeder leisten. Man weiss natürlich nicht, welche gesellschaftlichen Positionen und Ränge diese Toten eingenommen haben könnten. Es ist allerdings anzunehmen, dass sie, eben wegen dieser herausragenden Bestattungsart mit überdurchschnittlich wertvollen Beigaben einen besonderen Platz in ihrer Gemeinschaft eingenommen haben müssen.

 

Die Keramik von Ha C ist generell in hoher Zahl vorhanden, allerdings wurde sie "schlecht" gebrannt, d.h. sie ist außerordentlich fragil. Schmuck gibt es kaum in Hallstatt C, dafür Toilettgeschirr (Bsp. Pinzetten).

 

Ha C1: ca. 800 bis 700 v. Chr.

Ha C1 beginnt durch den nachweisbaren Import von Rippenschalen. In den Gräbern ist allgemein die so genannte Alb-Hegau-Keramik zu finden. Charakteristisch sind getreppte Teller, Kragenrand- oder Kegelhalsgefäße mit einer Verzierung aus Kerbschnitten, Stempeln oder Ritzlinien. Die Keramik ist auffällig bunt und farbenfroh (polychrom). Aus der Bronzezeit stammende Vasenkopfnadeln sind noch weit verbreitet. In beigabenreichen Gräbern befinden sich Wagen, Zaumzeug und Schwerter. Die Schwerter gehören zum Typ Mindelheim und werden aufgrund ihrer markanten Griffform als "Pilzknaufschwerter" bezeichnet.

 

Ha C2: ca. 700 bis 650 v. Chr.

Man kann sagen, dass die Ortbänder in Hallstatt C eine Entwicklung durchgehen. Während die frühen Ortbänder in C1 nur gering gebogene Flügel besitzen, sind diejenigen aus Ha C2 sehr stark gebogen (siehe Grafik rechts). In Ha C2 sind Lanzenspitzen und Hiebmesser sehr häufig in Gräbern zu finden, sodass letztlich von C1-zeitlichen Schwertgräbern und C2-zeitlichen Lanzengräbern gesprochen wird.

Jüngere Hallstattzeit: Ha D

Allgemeines

In der jüngeren Hallstattzeit Ha D werden vermehrt Körperbestattungen unter unvermittelt großen Grabhügelnekropolen fassbar. Dabei fällt auf, dass es keine "Schwertgräber" mehr gibt wie sie in Ha C üblich waren. Schwerter treten als Grabbeigaben in den Hintergrund machen Lanzen und Dolchen die "Bühne" frei. Dieses Phänomen kann man sich gut merken: Ha D(olche). Als wichtige Leitform kann man in dieser Zeit die Antennendolche ansprechen. Gelegentlich sind auch Situlen in Gräbern zu finden. Die auf ihnen dargestellten Szenen werden sehr oft zur Interpretationen des Lebens der damaligen Menschen herangezogen.

 

Keramik gibt es in der jüngeren Hallstattzeit nur wenig. Meist handelt es dabei um importierte attische Keramik aus dem mediterranen Raum. Südimporte aus dem Mittelmeergebiet sind jedoch generell ein Charakteristikum für Ha D. Es lies sich nachweisen, dass die Menschen nördlich der Alpen mit denen südlich des Gebirgszuges in einem Kontakt standen und Waren verhandelten/tauschten.

Auch im Bereich Schmuck hat sich in Hallstatt D einiges geändert. Während Ha C als schmuckarm bezeichnet werden kann, ist Ha D wahrlich reich an Trachtobjekten. Allem voran sind in diesem Zusammenhang Fibeln zu erwähnen. Mit ihnen lassen sich zuverlässige relative Chronologien erstellen. Das hat auch schon Oscar Montelius bemerkt als die die Nordische Bronzezeit in sechs Perioden gliederte. Hallstattzeitliche Fibeln sehen denen der Nordischen Bronzezeit allerdings nicht wirklich ähnlich. Mit ihnen wurde die Stufe Hallstatt D in drei Unterstufen (D1, D2/D3) eingeteilt (siehe Hartwig Zürn).

 

Ha D1: ca. 650 bis 550 v. Chr.

Bogen-, Schlangen und Kahnfibeln gehören zu den Leitformen dieser Zeit.

 

Ha D2/D3: ca. 550 bis 500 v.Chr.

Antennendolche, Armbrustfibeln, (Doppel-)Paukenfibeln, Kniefibeln und Fußzierfibeln sind für diesen Abschnitt charakteristisch. An das Ende der Stufe D2/D§ datieren Tier- und Certosafibeln.

Das Situlenfest

Gerade aus der Hallstattzeit sind mehrere Bronzeeimer, so genannte Situlen, bekannt. Diese Gefäße wurden nur in reichen Gräbern gefunden. Sie zeigen szenische Darstellungen von Personen, die eine Art fest feiern. Die Teilnehmer sitzen meist und lassen sich von bediensteten aus einer Situla Getränke servieren. "Thronszenen" werden gelegentlich Zweikämpfe dargestellt, in denen die Kontrahenten mit hantelartigen Objekten gegeneinander kämpfen. Diese Duelle werden in der Literatur auch als "Schicksalkämpfe" bezeichnet. Andere Gäste des Situlenfestes spielen auf Flöten oder Harfen Musik.

Auch explizite Sexszenen sind bekannt. Diese "heilige Hochzeit" wird in Form von Geschlechtsverkehr in der Missionarsstellung illustriert.

 

Interessant ist, dass diese "Situlenfest" auf zahlreichen Situlen aus weit entfernten Gegenden wiederzufinden ist. Zu den wichtigsten Fundorten von Situlen zählt Sittich (Stična). Grabbeigaben aus diversen Gräberfeldern belegen, dass diese gemeinschaftlichen Feste tatsächlich stattgefunden haben - allerdings stammen die Teilnehmer sehr wahrscheinlich aus einer elitären Schicht.

 

Die Darstellungen des Situlenfestes erlauben nicht nur einen Einblick in das gesellschaftliche Leben zur Hallstattzeit. Sie zeigen auch wie man sich bei derartigen Anlässen kleidete. Diverse Trachten, große Hüte und spitze Schuhe sind gut erkennbar. Im archäologischen Befund können Kleidungsstücke nur in seltenen Fällen erhalten bleiben bzw. rekonstruiert werden.

 

 

Fürstensitzmodell nach Kimmig

Wolfgang Kimmig formulierte aufgrund der fassbar gewordenen Hierarchien in der Gesellschaft und Siedlungslandschaft das so genannte "Fürstensitz-Modell". Demnach zeichnet sich ein solcher Fürstensitz durch eine höher gelegene Lage aus, in deren unmittelbarem Umfeld sich Prunkbestattungen (Fürstengräber), befinden und dadurch, dass Keramik aus dem Mittelmeerraum dorthin importiert wird. Das soziale Gefüge eines solchen Fürstensitzes zeichne sich durch eine dreigliedrige Gesellschaft mit erheblichen Machtpositionen und Dynastien sowie einem quasi-feudalem System aus.

Kimmigs Modell wurde nicht ohne Gegenwehr seitens der Kollegen aufgenommen und vor allem für seine Heranziehung eines eigentlich mittelalterlichen  Feudalsystems kritisiert.

"Herrenhöfe" der Hallstattzeit

Forschungsgeschichte

Die Bezeichnung „Herrenhof“ wurde in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zum ersten Mal verwendet.

Während der Ausgrabung einer Siedlung auf dem Goldberg am Nördlinger Ries wurde im Innenbereich derselben ein Areal gefunden, welches von einem rechteckigen Graben umgeben war. Es kam deswegen recht bald die Vermutung auf, hier einen sozial bzw. politisch einflussreichen und von der übrigen Siedlung abgegrenzten Personenkreis identifiziert zu haben – nur aufgrund der Existenz eines rechteckigen Grabens. Innerhalb dieses Rechteckes wurden weder auffällige Bauten noch besondere Funde entdeckt.

 

In einem Vorbericht über die Ausgrabungen der befestigten Siedlung auf dem Kyberg wurde ein ähnlicher Befund eines rechteckigen Grabens vorgestellt. Der Begriff „Herrenhof“ wurde wieder erwähnt und ist seit dem in der archäologischen Literatur als eine eigenständige Befundgattung präsent. Bei der Auswertung der Grabungen auf dem Kyberg hatte man die Bezeichnung bewusst gewählt, um den Befund auf einer sozialen Ebene von den „Fürstensitzen“ abzugrenzen. Die Erbauer der „Fürstensitze“ interpretierte man aristokratisch, während die Gründer der „Herrenhöfe“ als „wohlhabende Bauern“ gedeutet wurden.

 

Rainer Christlein definierte „Herrenhöfe“ in einer Abhandlung zur Siedlung von Landshut-Hascherkeller. Er verstand darunter eine Anlage mit begrenzter Grundfläche, die durch Wall und Graben befestigt sei. Christlein interpretierte „Herrenhöfe“ anfangs ebenfalls kultisch und sah in ihnen überdies eine Verbindung zu latènezeitlichen Viereckschanzen.

 

"Herrenhöfe" aus aktueller Sicht: Definition, Verbreitung und Interpretation 

Die „Herrenhöfe“ datieren hauptsächlich in die Hallstattzeit. Sie enthalten teilweise neolithische und bronzezeitli­che Befunde und Funde, allerdings nicht in den Grabenverfüllungen selbst.

Sie sind entweder von einer rechteckigen Palisade oder mindestens einem Graben umgeben gewesen. Dennoch kann nicht von einer fortifikatorischen Bewehrung gesprochen werden! Es gibt in keinem der bisher ausgegrabenen „Herrenhöfe“ konkrete Indizien auf eine kriegerische Auseinandersetzung. Ihre Verbreitung ist nach dem derzeitigen Stand auf den bayerischen Donauraum und Böhmen konzentriert. Fundstellen aus Unterfranken deuten eine Ausbreitung der aktuellen Kartierung nach Norden an.

 

Die Befunde aus „Herrenhöfen“ sind oft durch Erosion in Mitleidenschaft gezogen worden, sodass seit 1983 kein „Her­renhof“ mehr per Luftprospektion gefunden wurde. Jede dieser Siedlungen muss nach dem dort angetroffenem Material individuell interpretiert werden. Eine Untersuchung der Hin­weise auf Handwerk, Faunenreste und Importgüter ist in diesem Kontext hilf­reich. Sofern es möglich ist, müssen auch zugehörige Gräberfelder in die Deutung der jeweiligen Siedlung mit einbezogen werden.

 

Im Vergleich zu den übrigen hallstattzeitlichen Siedlungen ist der Anteil an Schweinekno­chen in den „Herrenhöfen“ und den „Fürstensitzen“ überdurchschnittlich hoch. Dies lässt sich durch die einfache Haltung und schnelle Fleischproduktion erklären, die eine Versorgung großer Menschenmengen erlaubt. Da das Schwein kei­nerlei Sekundärnutzen erbringen kann, ist eine schwerpunktmäßige Schwei­nezucht nur in Siedlungen möglich, die auf Handel spezialisiert waren. Einige der „Her­renhöfe“ waren vermutlich auf Handwerk und Handel konzentriert und nicht von einer Eigenproduktion von Sekundärprodukten abhängig. Diese Deutung darf aber nicht pauschal auf alle Vertreter dieses Siedlungstyps übertragen werden.

 

Die Interpretation der „Herrenhöfe“ tendiert letztlich zu „gewöhnlichen“ ländlichen Siedlungen. Es wurden zahlreiche Synonyme wie „Herrenburg“, „Her­rensitz“, Gutshof, Rechteckhof, Viereckhof, Vierkanthof, oder „umwehr­te Siedlung“ in die Literatur eingeführt.

 

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Brockhaus Der Brockhaus Archäologie 170-173
Trachsel Ur- und Frühgeschichte 75-82
Badisches Landesmuseum Ur- und Frühgeschichte: Führer durch die archäologische Abteilung 85-127
Kossack Südbayern während der Hallstattzeit. Textbd. Mit 48 Abb. u. 5 Tab. -
Von Sacken Das Grabfeld von Hallstatt Tafelteil
Horacek Hallstattzeitliche Herrenhöfe und latènezeitliche Viereckschanzen in Deutschland – ein struktureller Vergleich 13-16, 28f., 49, 72, 82, 118, 122
Schefzik Die bronze- und eisenzeitliche Besiedlungsgeschichte der Münchner Ebene: Eine Untersuchung zu Gebäude- und Siedlungsformen im süddeutschen Raum 198-200
Christlein Das unterirdische Bayern. 7000 Jahre Geschichte und Archäologie im Luftbild 128-131, 220f.
Leidorf Herrenhöfe der frühen Eisenzeit, Arch. ARGE Ostbayern/Westu. Südböhmen. 3. Treffen 1993 81-91
Parzinger Der Goldberg. Die Metallzeitliche Besiedlung 90-96
Müller-Karpe Grundzüge früher Menschheitsgeschichte Bd. IV 62-67, 197-204, 339-346
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