Magdalénien

Mammutgravur auf einem Knochen, La Madeleine. Abb. 212 aus Gabriel & Adrien de Mortillet, Musée Préhistorique (Paris 1881).

La Madeleine

Um 17 Kya fassen wir einen neuen Abschnitt im Jungpaläolithikum. Dieser nennt sich Magdalénien. Ihren Namen hat diese Kultur von dem eponymen Fundplatz La Madeleine aus dem Département Dordogne (Frankreich) erhalten. Aus der Sicht der Forschungsgeschichte ist es  eine der ältesten jungpaläolithischen Kulturen überhaupt. Der Fundplatz befindet sich unter einem Abri. Es handelt sich daher nicht um einen Höhlenfundplatz, sondern um einen Felsüberhang. Dieser liegt unterhalb einer Kapelle, die der Heiligen Magdalena gewidmet wurde. Archäologisch bekannt ist der Fundplatz seit 1863. In dem Jahr begannen Édouard Lartet und Henry Christy mit Ausgrabungen an dem Abri. Schließlich war es Gabriel de Mortillet, der 1869 die Bezeichnung Magdalénien als archäologische Stufe vorschlug.

Leitformen und Leben im Magdalénien

Kennzeichnend ist für diese Zeit eine Reihe neuer Entwicklungen, die das Leben wesentlich beeinflusst haben. Dazu gehört zum einen die Speerschleuder, ein kleiner Zusatz zum Speer, der sich dadurch auszeichnet, dass mit ihm ein Speer bis zu 30m treffsicher geschleudert werden kann. In der Textilverarbeitung wurden Nadeln mit Öhr eingeführt, wodurch die Kleiderherstellung verbessert wurde.

 
 Andere hervorzuhebende Werkzeuge sind Nasen- und Kielkratzer, Papagaienschnabelstichel, Bohrer, Pfrieme sowie Ahle. In derselben Kulturstufe findet die Fels- und Höhlenmalerei ihren Höhepunkt, bis sie in den folgenden Industrien stets mehr verschwindet. Besonders wichtig ist gleichenfalls, dass offensichtlich Ansätze einer Hundedomestikation zu finden sind. 

Schamane Abri Mege
Vermutliche Darstellung verkleideter Schamanen, Abri Mège.
Schamane Gabillou
Vermutliche Darstellung eines verkleideten Schamanen, Gabillou.
Vermutliche Darstellung eines verkleideten Schamanen, Les Trois Frères.

Mobile Kleinkunst

Es ist auffällig, dass die Venusfiguren des Magdalénien zunehmend abstraktere Formen annehmen. In der Zeit zuvor wurden sie fast portraithaft aus Elfenbein bzw. anderen Materialien gefertigt.

Zeltbefunde

In diesem Abschnitt häufen sich wieder die Befunde von temporären Behausungen. Ein aufregender Befund wurde in Pincevent entdeckt. Dort wurden Steinkreise mit einer Öffnung gefunden. Vor dieser Öffnung lagen sehr viele Knochen und Abschläge, in dem Steinkreis selbst jedoch nicht. Ebenfalls konnten Kohlereste festgestellt werden, die auf eine Feuerstelle vor der Öffnung hinweisen. Man muss davon ausgehen, dass es sich hierbei um ein Zelt gehandelt haben kann und dass die Bewohner ihre Abfälle stets nach draußen "vor die Tür" geworfen hatten. Eine zeichnerische Rekonstruktion lies sich in der wikimedia.commons finden.

Auch aus Deutschland sind einige Fundplätze bekannt, auf denen Freilandstationen aus dem Magdalénien gefunden wurden. Bei Nebra, Andernach und Gönnersdorf wurden Befunde von ehemaligen Unterkünften entdeckt. Große Feuerstellen und in der Umgebung ausgelegte Steinplatten bezeugen die Grundrisse der einstigen Behausungen.

Einfache Rekonstruktion des Zeltbefundes von Pincevent. Grafik: José-Manuel Benito Álvarez

Infobox

Höhle Link
Felskunst in Frankreich www.bradshawfoundation.com/clottes/
Lascaux www.lascaux.culture.fr
Altamira museodealtamira.mcu.es/index.html

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Schnurbein Atlas der Vorgeschichte 24
Fansa Wohin die Toten gehen 13-22
Badisches Landesmuseum Ur- und Frühgeschichte: Führer durch die archäologische Abteilung 27f.
Lorblanchet Höhlenmalerei: Ein Handbuch komplett
Wüller Die Ganzkörperbestattungen des Magdalénien Lesetipp
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