Solutréen

Halbrelief aus Fourneau du Diable, Bourdeilles. Quelle: Wikimedia.commons

Kurzer Überblick zum Solutréen

Paläolithische Fundorte
Eponyme Fundorte paläolithischer Werkzeug-Kulturen, Grafik © Jan Ahlrichs 2012.

Das Solutréen wurde bereits im 19. Jahrhundert von Édouard A. Lartet (1801-1871) und Henry Christy (1810-1865) auf dem Fundplatz Solutré als eine eigenständige Kulturstufe des Jungpaläolithikums erkannt und definiert. Der eponyme Fundplatz befindet sich in Frankreich im Gebiet der Saône und der Loire.

 

Im Solutréen ab 22 Kya kommen vermehrt die Blatt- und Kerbspitzen auf. Hier gipfelt die Kunst des Blattspitzenschlagens in bis zu 40cm langen Artefakten wie es sie anschließend nie mehr in dieser Form geben wird. Regionale Gruppen im Solutréen werden aufgrund ihrer unterschiedlichen Blattspitzentypen voneinander differenziert (lorbeer-, buchen oder- etwa weidenblattförmig, dazu kommen unterschiedliche Basen). Es wird vermutet, dass die Blatt- und Kerbspitzen als Speerspitzen geschäftet verwendet wurden und damit der Jagd dienlich waren. Für die Verpflegung wird das Ren auffällig häufig gejagt. Klimatisch gesehen ist das Solutréen von dem glazialen Maximum, dem kalten Höhepunkt der Eiszeit, gekennzeichnet. Das Solutréen endet um 17 Kya.

Gliederung für den französischen Raum

Blattspitzen
Weidenblattförmige Blattspitzen nach Mortillet, Classification palethnologique 1908.
Kerbspitzen
Kerbspitzen nach Mortillet, A text book of european archaeology Vol.1, 1921.

Die Kulturstufe kann für den französischen Raum in 5 Abschnitte untergliedert werden. Allerdings beruht diese Unterteilung nur auf der Bearbeitungsart und den Formunterschieden bestimmter Artefakte. Das Protosolutréen beispielsweise besitzt als tragendes Merkmal flache Retuschen nach Clive Gamble. Für das ältere (lower) Solutréen sind, seinen Beobachtungen nach zumindest, einseitig bearbeitete Blattspitzen charakteristisch. Das Mittelsolutréen dagegen weist beidseitig bearbeitete Blattspitzen (siehe Bild) und die höchste Fundkonzentration der gesamten Kulturstufe auf. Außerdem sind die Artefakte überwiegend mit der so genannten Drucktechnik bearbeitet worden. Bei dieser Technik werden Artefakte nicht durch das bis dahin gängige Abschlagen (Schlagtechnik) hergestellt, sondern durch vorsichtiges Drücken mit dafür geeigneten Knochenmaterialien oder ähnlichem. Mit dieser Technik wurden unter anderem auch Klingen retuschiert, damit sie länger scharf blieben.

Das jüngere (upper) Solutréen zeichnet sich für ihn dadurch aus, dass es zusätzlich noch Spitzen auftreten, welche sich an den Enden zuspitzen und konvexe Seiten aufweisen. Letztlich definiert er ein Endsolutréen, welches sich durch die in Erscheinung tretenden Kerbspitzen (siehe Bild) charakterisiert.

Gliederung für den spanischen Raum

Für den spanischen Raum unterscheidet Gamble ein kantabrisches Solutréen. Kantabrien ist heute eine autonome Gemeinschaft im Norden Spaniens am kantabrischen Meer. Dieses Solutréen gliedert er nur in zwei Abschnitte, für die die Blattspitzen dieses mal nicht von fundamentaler Bedeutung sind. Der ältere Abschnitt zeichnet sich nämlich durch Artefakte mit mehreren, kleinen und zahnähnlichen Kerbstellen entlang der Arbeitskante sowie durch Kratzer und Schaber aus. Die jüngere Stufe weist deutlich weniger Spitzen, dafür jedoch mehr Stichel und Klingen mit einer stumpfen Kante auf.

 

Für den Bachelorstudiengang ist diese feinere Gliederung nicht von tragender Bedeutung. Es reicht dort bereits aus, wenn man weiss, welche Artefaktformen hier auffallend sind, nämlich die Blatt- und Kerbspitzen, und dass das Solutréen nicht über ganz Europa verteilt war.  Die Fundstellen dieser Kulturstufe konzentrieren sich auf das heutige Frankreich, Spanien und Portugal. In Mitteleuropa bleibt das Solutréen aus, was dazu führt, dass dort auf das Gravettien direkt das Magdalenien folgt.

Kunst des Solutréen

Die Kunst des Solutréen zeichnet sich durch die zwei Bereiche Ornamentik und Relief besonders aus.

Das „technische Ornament“, das nicht an organische Vorbilder anknüpft, ist gerade für die Kunst des Solutréen ein besonderes Merkmal. Es knüpft nämlich an Erzeugnisse und Tätigkeiten des Menschen an. Dazu gehören beispielsweise Schnitzen, Bohren, Kerben, Drehen, Binden, Flechten. Die aus eben solchen Tätigkeiten entstandenen technischen Gebilde wurden für das Gestalten von Gegenständen unterschiedlicher Art vorbildhaft. Der elementare Schritt hierbei liegt darin, dass Strukturen und Formen von bestimmten technischen Erzeugnissen auf andere Gegenstände übertragen wurden, auf denen sie eigentlich nicht technisch bedingt sind. Es dauerte nicht lange, bis dieses Prinzip sich selbstständig machte und fortan die verschiedensten Motive miteinander kombiniert wurden und komplizierte Ornamente hervorbrachten.

Das Relieffries von Roc-de-Sers, auf welchem Pferde wie auch Steinböcke in natürlichen Proportionen wiedergegeben werden, zählt zu den großen und bekannten Zeugnissen der reliefkunst aus dieser Kulturstufe. Ebenfalls hervorzuheben sind die ähnlichen Darstellungen von der Fundstelle bei Le Fourneau du Diable.

Verwendete Literatur

Autor Titel Seite
Schnurbein Atlas der Vorgeschichte 24
Fansa Wohin die Toten gehen 13-22
Mortillet Classification Palethnologique -
Macalister A Text-Book of European Archaeology 378
Osborn Men of the Old Stone Age. Their environment, life and art. 338-350
Müller-Karpe Grundzüge früher Menschheitsgeschichte, 5 Bde. 13, 44, 62
Müller-Karpe Handbuch der Vorgeschichte, in 5 Bdn., Bd.1, Altsteinzeit 57-60, 180, 195, 204f., 222, 284
Renard Continuity or discontinuity in the Late Glacial Maximum of south-western Europe: the formation of the Solutrean in France. World Archaeology, 43:4, 2011 726-743
Gamble The Palaeolithic Settlement of Europe (Cambridge World Archaeology) 219f.
Hahn Erkennen und Bestimmen von Stein- und Knochenartefakten. Einführung in die Artefaktmorphologie. ( = Archaeologica Venatoria, Bd. 10) (Archaeologica Venatoria) 113-115, 153-160
Lorblanchet Höhlenmalerei: Ein Handbuch 13-66
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