< Forschungsgeschichte
Sonntag 21. August 2011 - 16:24 Uhr
Kategorie: Top
Von: Jan

Das Dreiperiodensystem

Christian Jürgensen Thomsen war der erste Prähistoriker. Er fand einen Weg, Artefakte textunabhängig und logisch begründbar zu datieren. Werkstoff, Fundvergesellschaftung und räumlicher Kontext waren dabei ebenso wichtig wie Form und Verzierung. Schließlich gelang ihm der Beweis für die Abfolge einer Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Sein „Leitfaden zur nordischen Altertumskunde“ gilt als Grundstein zur Entstehung der Prähistorischen Archäologie.


Die Ur- und Frühgeschichtsforschung entstand aus einer Leidenschaft: Dem Sammeln von Altertümern. Als diese chronologisch eingeordnet werden konnten, hatte man endlich die Schwelle zur Wissenschaft überschritten. Das geschah nicht irgendwo in Europa, sondern in einem politisch geschwächten skandinavischen Land. Der dänische Staat hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts all diejenigen Voraussetzungen, die für diesen Prozess notwendig waren. Das Land war bankrott und große Gebiete mussten nach einem verlorenen Krieg abgetreten werden. Zu guter letzt bedrohte eine Landwirtschaftsreform das, was den Dänen noch übrig geblieben war: Die Überbleibsel aus ihrer Vorzeit. Im Zuge der Romantik besannen sich Künstler, Schriftstelle und Antiquare auf die dänische Vergangenheit. Der König veranlasste, dass alle Artefakte aus seinem Boden in den Königlichen Museen in Kopenhagen abgegeben werden mussten. So entstand eine riesige Vergleichssammlung mit Fundstücken aus dem nordischen Raum. Dies bot einen bis dahin nicht dagewesenen Einblick. Nun brauchte man noch einen Mann, der sich diese Situation zunutze machen und eine Ordnung in die ungegliederte Sammlung bringen konnte: Christian Jürgensen Thomsen. 

 

Um den „Vater“ der Urgeschichtsforschung eingehender zu würdigen, wurde der Artikel zur Forschungsgeschichte zwischen 1800 und 1840 komplett überarbeitet. Der neue Text widmet sich detailliert den Ursprüngen des Dreiperiodensystem und dem historischen Hintergrund, vor dem es entwickelt wurde. Auch Thomsen wird als Person näher vorgestellt. Wir werfen einen genaueren Blick auf sein methodisches Vorgehen, mit dem er eine Datierung archäologischer Funde durchführen konnte. Johann Friedrich Danneil und Georg Christian Friedrich Lisch dürfen in diesem Kontext nicht fehlen. Die beiden deutschen Altertumswissenschaftler veröffentlichten zeitgleich zu Thomsens Leitfaden ähnliche Gedanken, die im Endeffekt seinem Dreiperiodensystem sehr nahe kamen. Die gedanklichen Ansätze der beiden und die Unterschiede zur Leistung von Thomsen werden herausgearbeitet. Danneil und Lisch konnten ihm letztlich die Urheberschaft nicht absprechen, auch wenn dies zeitweise versucht wurde.

 

Durch die Berücksichtigung aller dieser Komponenten bei der Herausbildung der Prähistorischen Archäologie als eigenständige Wissenschaft ist es einer der umfangreichsten Beiträge auf unserer Webseite geworden. Hier geht es zum Artikel!

 

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen schönen Sonntag,

Jan


Die letzten Beiträge

Großsteingräber

Sonntag 10. Februar 2019 Top
Rekonstruiertes Megalithgrab. Foto © Jan Miera 2018.

Großsteingräber gehören zu den bekanntesten Hinterlassenschaften prähistorischer Gesellschaften. In...


Quiz-Überarbeitungen: Chronologie und Neolithikum

Donnerstag 1. Februar 2018 Blog

Wir haben unser Quiz verbessert!


Überarbeitung: Dendrochronologie

Samstag 27. Januar 2018 Top

Funde und Befunde aus prähistorischer Zeit können mit unterschiedlichen Methoden relativ- oder...


Archäologische Quellenkritik

Mittwoch 15. Juli 2015 Top

Ausgehend von materiellen Hinterlassenschaften untersuchen ArchäologInnen die Lebenswelt des ur-...


Quiz-Erweiterung: berühmte Archäologen

Samstag 23. Mai 2015 Blog

Neuer Fragebogen zu berühmten Archäologen.


ARCHAEOworks³ und ARCHAEOskills⁵

Dienstag 10. Februar 2015 Top

„Und was machst du damit, wenn du fertig bist?“ Wer diese Frage kennt, ist auf der Berufsmesse...