< Fossile Überreste des Homo erectus
Freitag 11. Mai 2012 - 18:32 Uhr
Kategorie: Top, Neues
Von: Jan

Die archäologische Korrespondenzanalyse

Ursprünglich wurde die Korrespondenzanalyse nicht für archäologische Fragestellungen entwickelt. Die Methode ist dennoch für die Archäologie attraktiv, weil sie bei der Erstellung relativer Chronologien helfen kann. Sie ersetzte in den 1960er Jahren die bis dahin manuell und teils subjektiv angewandte Seriation, welche zum Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt wurde.


Abb. 3 aus Flinders Petrie, Sequences in prehistoric remains (1899).

Wie kann man eine chronologische Abfolge für Befunde oder Funde entwickeln, wenn keine  Mittel für naturwissenschaftliche Datierungen zur Verfügung stehen und Schriftquellen sowie absolut datierbare Münzen fehlen? Bekannte Prähistoriker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wie Christian Jürgensen Thomsen, sein Schüler Jens Jacob Asmussen und Oscar Montelius formulierten zur Lösung dieses Problems theoretische und methodische Grundlagen. Dazu gehört unter anderem die Beobachtung der Vergesellschaftung verschiedener Artefakte in einem geschlossenen Fund. Zum Beispiel zeichnen sich Gräber durch spezifische Kombinationen von Funden, oder Gefäße durch metrische Daten und Verzierungen aus.

 

Wir wissen, dass diese Merkmale kulturspezifisch sind und mit der Zeit variieren. Der Ägyptologe Sir William Matthew Flinders Petrie fügte die Gedankengänge der drei Prähistoriker in der Seriation zusammen. Er machte sich die Verknüpfung von keramischen Gefäßen in Grabinventaren zu Nutze und ordnete einer Seriation 900 Grabinventare nach ihrer Ähnlichkeit in einer Tabelle. Ausgehend von einer evolutionistischen Entwicklung keramischer Gefäße erstellte er eine relative Chronologie für das prädynastische Ägypten. Die Überlegungen von Thomsen, Worsaae und Montelius spielten aber nicht nur bei der Seriation eine primäre Rolle, sie sind überdies für die Anwendung der Korrespondenzanalyse von Bedeutung. Das Verfahren aus der multivariaten Statistik gehört inzwischen in den Kanon der wichtigsten Datierungsmethoden in der Prähistorischen Archäologie. In einem neuen Kapitel widmen wir uns unter anderem der Geschichte und den methodischen Grenzen beider Verfahren.

 

 

Viele Grüße,

Jan


Die letzten Beiträge

Großsteingräber

Sonntag 10. Februar 2019 Top

Großsteingräber gehören zu den bekanntesten Hinterlassenschaften prähistorischer Gesellschaften. In...

mehr...

Quiz-Überarbeitungen

Donnerstag 1. Februar 2018 Blog

Wir haben unser Quiz verbessert!

mehr...

Dendrochronologie

Samstag 27. Januar 2018 Top

Funde und Befunde aus prähistorischer Zeit können mit unterschiedlichen Methoden relativ- oder...

mehr...

Archäologische Quellenkritik

Mittwoch 15. Juli 2015 Top

Ausgehend von materiellen Hinterlassenschaften untersuchen ArchäologInnen die Lebenswelt des ur-...

mehr...

Quiz-Erweiterung

Samstag 23. Mai 2015 Blog

Neuer Fragebogen zu berühmten Archäologen.

mehr...

ARCHAEOworks³ und ARCHAEOskills⁵

Dienstag 10. Februar 2015 Top

„Und was machst du damit, wenn du fertig bist?“ Wer diese Frage kennt, ist auf der Berufsmesse...

mehr...

Hinweis

Neue Kommentare sind erst nach einer kurzen Prüfung sichtbar!